Embedded-Expertenrunde CPU-Tempo ist nicht alles

Auswirkungen auf Termine

Was bedeutet das für die Termintreue? »Solange wir uns in einem Optimierungsprozess innerhalb einer Technologie befinden, wird der Fortschritt am Anfang immer größer sein und dann kontinuierlich abnehmen. Erst ein Technologiesprung eröffnet weitere Optimierungsspielräume«, erläutert Klaus Rottmayr, Geschäftsführer von Spectra. »Diese Tatsache gepaart mit einem engagierten Marketing ist natürlich schwer zu kombinieren; daher gehen wir davon aus, dass wir in Zukunft öfter auf angekündigte CPUs warten müssen.«
Dies ist für einige Endkunden allerdings überhaupt kein Problem. »Tatsächlich sehen wir aktuell einen abnehmenden Innovationsdruck im Markt. Wir kennen Kunden, die bewusst eine am Markt etablierte und ausgereifte Prozessorplattform einer aktuelleren Prozessorplattform vorziehen«, berichtet Martin Steger, Geschäftsführer von iesy.
»Industrie-PCs benötigen durchaus CPUs am oberen Ende, aber nicht sofort die neueste Generation«, bestätigt Albin Markwardt, Geschäftsführer von compmall. »Wenn es sich um TE-CPUs (Intel Embedded) handelt, sehen wir aber auch, dass diese mit einer längeren Vorlaufzeit einhergehen. Hauptsächlich aufgrund der Popularität und der hohen Nachfrage von Consumer-Produkten, die Intel dazu veranlassen, die Herstellung für Consumer-CPUs zu priorisieren.«
Intels Aktivitäten jenseits der Consumer-PC-Welt sorgen im Embedded-Bereich nicht immer für Begeisterung, wie das aktuelle Beispiel „NUC Compute Elements“ zeigt. Diese kleinen Rechnermodule erinnern an die Computer-on-Module der Embedded-Welt. »Intel möchte die Wertsteigerung erhöhen und stellt sich in unseren Augen tatsächlich in Konkurrenz zu einigen ihrer Kunden«, erklärt Martin Steger. »Inwiefern das langfristig ein Teil des Geschäftsmodells von Intel werden kann, kann Intel zum jetzigen Zeitpunkt vermutlich selber nicht beantworten.«
Den Einsatz dieser Baugruppen in Embedded-Projekten sieht Christian Eder als sehr kritisch an: »NUC Elements sind rein kommerzielle Produkte und in Slot-Ausführung als Mini-Server für Rechenzentrums-Racks konzipiert. Das hat nichts mit CoMs zu tun. In der Essential-Variante ähnelt es aber einem CoM, das in ein Metallgehäuse integriert wurde. Im Embedded-Bereich müssten sich diese Produkte gegen das riesige Ökosystem der offiziell anerkannten Standards wie COM Express, Smarc oder Qseven behaupten und bieten hierfür weder das Ökosystem, das ja auch ARM-CPUs unterstützt, noch die erforderliche Langzeitverfügbarkeit. Aktuell erhalten NUC Elements lediglich drei Jahre Support. Für Industriekunden ist das deutlich zu kurz. Im Embedded-Bereich sind mittlerweile zehn Jahre Verfügbarkeit normal. Solche Intel-Commercial-
Produkte sind aber oft schon nach einem Jahr nicht mehr verfügbar. Hier bräuchte es also schon Initiativen wie die der SGET bei der eNUC-Spezifikation. Die sind aber – anders als bei eNUC – aktuell nicht zu erwarten. Für Embedded-Kunden ist also kein direkter Mehrwert erkennbar.«
Es muss aber nicht immer Intel sein. Wie stark sehen die x86-Kunden mittlerweile AMD als Alternative zu Intel? »Die Akzeptanz ist in letzter Zeit stark gestiegen und AMD wird als Alternative akzeptiert«, bringt es Christian Blersch, Geschäftsführer von E.E.P.D., auf den Punkt.
»Die Dominanz von Intel war über einen langen Zeitraum sehr ausgeprägt. Allerdings war AMD schon immer in verschiedenen grafikintensiven und kostensensitiven Anwendungen im Embedded-Markt, wie etwa Digital Signage und Casino-/Slot-Machine Gaming, stark präsent«, erklärt Dirk Finstel. »Aktuell sehen wir erstmals seit Jahren wieder verstärkt Anfragen aus den Bereichen Medical, Automation und Imaging, da AMD in allen Bereichen gegenüber Intel stark aufgeholt, wenn nicht sogar überholt hat. Bei vielen Kunden ist allerdings immer noch die damalige Entscheidung von AMD gegen den Embedded-Markt präsent. Aber auch hier gilt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt.«
»Intel wird sicherlich auch weiterhin klar die Nummer 1 bleiben. Allerdings gibt es genügend Gründe aus technologischer Sicht und vor allem aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit, dass Kunden einen Wechsel ernsthaft in Erwägung ziehen«, erklärt Volkmar Kaufmann. »Der eine oder andere wird diesen Schritt tatsächlich unternehmen oder hat ihn bereits unternommen.«