Kommentar Boten einer neuen Zeit: ARM und Android

Manne Kreuzer, Leitender Redakteur Markt&Technik
Manne Kreuzer, Leitender Redakteur Markt&Technik

Die ARM-Architekturen sind bereits jetzt schon sehr erfolgreich, in Kombination mit dem Betriebssystem "Android" steht aktuell der Sprung in die Industrie an. Das Marktsegment ist neu, die Technologie aber bewährt und modern.

Es stehen keine dicken Marketing-Budgets oder Slogans wie "Intel inside" dahinter, aber ARM ist die momentan erfolgreichste Prozessorarchitektur weltweit - den großen Kuchen teilen sich aber zahlreiche Halbleiterhersteller, was so der Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit entgegen wirkt. Über viele potenzielle Lieferanten hat sich - zumindest in der Industrie - aber noch nie jemand beschwert.

Deshalb gehen jetzt zur Messe diverse Board-Hersteller mit ihren neuen ARM-Strategien an die Öffentlichkeit und auch entsprechende Produkte kann der Interessent in Augenschein nehmen.

Die Vorteile von ARM und Android sind zahlreich: Niedrige Leistungsaufnahme der Baustein und damit wenig Abwärme und lange Laufzeiten für Mobilgeräte. Zahlreiche Entwicklungswerkzeuge sowohl auf der Hard- als auch Softwareebene. Niedrigere Einkaufskosten, speziell wenn man das freie, quelloffene Android-Betriebssystem betrachtet.

Im Unterschied zu zahlreichen anderen Neuerungen sind ARM und Android bewährte Techniken, millionenfach eingesetzt bei Smartphones und Handys - der Industrieanwender wird damit nicht als Mienenhund für unausgegorene Schnellschüsse missbraucht. ARM und Android haben deshalb das Zeug, Windows und Intel ("Wintel") abzulösen. Die Ankündigung von Microsoft zu Beginn dieses Jahres, mit "Windows 8" auch ARM zu unterstützen, kann als Versuch gewertet werden, sich den verändernden Märkten anzupassen oder zumindest die Chance zu wahren, Office&Co. in die nächste Dekade herüber zu retten.

Einher geht mit dieser Entwicklung auch eine neue Ausgangsbasis für Technologien in Industrie- und Embedded-Rechnern: Smartphones statt PCs und Notebooks. Eigentlich müsste man den häufig beschworenen Begriff Paradigmenwechsel nutzen, um diese Entwicklung zu beschreiben, aber letztlich ist es eine Abstimmung mit den Füßen, denn jeder Einzelne findet seine Vorteile und zieht die Konsequenz.

Wenn man es ganz genau nimmt, dann fällt die Entscheidung mit den Fingerspitzen: Multitouch und Gestenbedienung sind Schlüsseltechnologien, die bei Android zur Basisausstattung gehören. Damit eröffnet sich für die Automatisierungsbranche ganz neue Möglichkeiten in der Bedienung sowie in der Differenzierung zum eignen Wettbewerb - Zeichen setzen, statt Wintel-Einheitsbrei aufwärmen.

Ihr Manne Kreuzer