Verlängerung von Produktlebenszyklen Abkündigungen müssen noch lange nicht das Ende bedeuten

In den Galileo-Beatmungsgeräten kommen Retrofit-Boards mit einer Vortex86DX-Plattform von Syslogic zum Einsatz.
In den Galileo-Beatmungsgeräten kommen Retrofit-Boards mit einer Vortex86DX-Plattform von Syslogic zum Einsatz.

Der Schweizer Embedded-Spezialist Syslogic sieht eine seiner Stärken im anspruchsvollen Bereich »Retrofit«. Als Referenz dient eine Lösung für ein Beatmungsgerät.

Der Stress in Kliniken ist für alle Beteiligten hoch, was leider zu oft zu tödlichen Fehlern in der Krankenpflege führt - intelligente Geräte sind also gefragt. Zu diesen Lösungen zählt das Beatmungsgerät »Galileo« von Hamilton Medical. Dass das Beatmungsgerät die Bedürfnisse der Intensivmedizin abdeckt, zeigt allein schon der Umstand, dass die Produktfamilie auch rund fünfzehn Jahre nach Markteinführung noch immer auf reges Interesse stößt und von Hamilton Medical nach wie vor angeboten wird.

Ein Produktlebenszyklus von 15 Jahren ist für ein Gerät mit komplexen elektronischen Bauteilen schon fast eine Ewigkeit, besonders dann, wenn man sich die Lebenszyklen von Geräten aus der Unterhaltenselektronik ins Gedächtnis ruft, wo - unabhängig davon, ob es sich um Kameras, Computer oder HiFi-Komponenten handelt - die Produkte nach rund zwei Jahren schon wieder veraltet sind. »In der Medizinbranche ist eine derart lange Bauzeit jedoch die Regel«, erklärt Dr. Yuan Lei, Product Manager bei Hamilton Medical. »Dementsprechend kann es natürlich vorkommen, dass einzelne Komponenten nicht mehr lieferbar sind. Vom abgekündigten Hauptrechner, den wir in der Galileo-Reihe verbauten, hatten wir einen beträchtlichen Lagerbestand angelegt, und trotzdem gingen die Geräte 2009 zur Neige.«

Da die Galileo-Serie für Hamilton aber nach wie vor wichtig war und vom Markt immer noch ein großes Interesse an dieser Komplettlösung bestand, musste Hamilton Medical eine Lösung finden. »Ein erfolgreiches Produkt vom Markt zu nehmen, ist betriebswirtschaftlich stets sehr ungeschickt«, bemerkt Product Manager Dr. Yuan Lei. Schlussendlich fand der Bündner Medizingerätehersteller aber im Industriecomputerspezialisten Syslogic einen kompetenten Partner, der über langjährige Erfahrungen sowie über die entsprechenden Produktplattformen verfügt und der in der Lage war, ein PC/104-Board so anzupassen, dass die Kompatibilität gewährleistet werden konnte. Syslogic hat sich neben der Entwicklung und der Fertigung von Industrierechnern und Touchpanel-Lösungen für den industriellen Einsatz auch im europäischen Retrofit-Markt einen Namen gemacht und kann sowohl in der Medizin- als auch in der Maschinen- und Bahnbranche zahlreiche Referenzen vorweisen.

Unter »Retrofit« versteht man die Modernisierung oder die Nachrüstung bestehender Anlagen oder Geräte, die nicht mehr verfügbar sind. Eine Hauptrolle kommt dabei der Sicherstellung der Ersatzteilversorgung zu. Im Vergleich zum heutigen Stand befand sich die Computerentwicklung vor 10 bis 20 Jahren noch in den Kinderschuhen. Entsprechend schwierig ist es heute, für in die Jahre gekommene Systeme kompatible Komponenten zu beschaffen, da diese meist vergriffen sind und nicht mehr produziert werden. Dank der 25-jährigen Erfahrung kann Syslogic eine eigene Plattformentwicklung unterhalten, Standardprodukte anbieten, die den Retrofit-Anforderungen entsprechen und die mit Systemen aus den 80er-Jahren kompatibel sind.

Durch diese Kompatibilität erübrigen sich für den Kunden kostenintensive und aufwändige Anpassungen der Software. »Syslogic verfügt über die nötigen Treiber und skalierbare Plattformen. In enger Zusammenarbeit mit unserer Entwicklungsabteilung und mit dem Prozessorhersteller war Syslogic in der Lage, seine PC/104-Boards schnell und reibungslos an unser bestehendes System anzupassen«, bestätigt Dr. Yuan Lei. »Neben der Softwarekompatibilität war die Grafikintegration über eine TTL-Schnittstelle, mit der die verwendeten IPC/NETIPC-4-Boards ausgestattet sind, von großer Bedeutung.«

Mit den rückwärtskompatiblen Boards von Syslogic, die im Beatmungsgerät für das HMI (Human Machine Interface) zuständig sind, kann Hamilton den Produktlebenszyklus der Galileo-Reihe mindestens fünf Jahre verlängern. Da mittlerweile bereits die nächsten Generationen der weiterentwickelten Hamilton-Beatmungsgeräte an Bedeutung gewinnen, wird sich die Galileo-Reihe in absehbarer Zeit, und nachdem sie die technologische Entwicklung maßgebend vorangetrieben und geprägt hat, nach über fünfzehn Jahren in den Ruhestand verabschieden.


embedded world 2012, Halle 1, Stand 550