ASMPT übernimmt Siemens Electronics Assembly Systems »Zusammen werden wir die Nummer 1 in der Elektronikfertigung«

Auf einer Mitarbeiter-Feier stimmen (v.r.) W.K. Lee, CEO ASMPT, und Siplace-CEO Günter Lauber das Siplace-Team auf ihr Ziel »Nummer 1 in der Elektronikfertigung« ein.
Auf einer Mitarbeiter-Feier stimmen (v.r.) W.K. Lee, CEO ASMPT, und Siplace-CEO Günter Lauber das Siplace-Team auf ihr Ziel »Nummer 1 in der Elektronikfertigung« ein.

Seit 7. Januar gehört Siemens Electronics Assembly Systems zum Halbleiter-Equipment-Hersteller ASMPT und heißt jetzt ASM Assembly Systems. Der Markenname »Siplace« wird weitergeführt. Und auch sonst setzt WK Lee, CEO von ASMPT, auf Bewährtes: Günter Lauber leitet weiterhin als CEO die Geschäfte von ASM Assembly Systems, und München bleibt Hauptstandort. Wie sie die gemeinsame Zukunft gestalten wollen, erläutern die beiden Herren im Exklusiv-Interview mit Markt&Technik.

Markt&Technik: Bislang ist ASMPT fast ohne Zukäufe gewachsen. Die letzte Akquisition liegt immerhin 30 Jahre zurück. Markiert der Kauf von Siplace für ASMPT einen Strategiewechsel?

WK Lee: Nein, einen Strategiewechsel läuten wir damit nicht ein. Wir haben jetzt einfach eine Größe erreicht, in der wir unsere Möglichkeiten, in unseren angestammten Bereichen organisch aus uns selbst zu wachsen, mit zusätzlichen Wachstumsfeldern anreichern sollten. Deshalb haben wir geprüft, wo wir unser Geschäft sinnvoll mit dem Back-End-Assembly- und Packaging-nachgelagerten Prozessen ergänzen können. Da lag der SMT-Markt und besonders die Bestückung natürlich nahe. Hier haben wir so gut wie keine Überschneidungen mit unserem Produktspektrum, können aber die Synergien nutzen, beispielsweise in der Forschung, beim Materialeinkauf oder auch im Vertrieb. Zwar sind die Zielgruppen nicht oder nur zu einem Teil dieselben, aber die Denkweise der Kunden aus diesen beiden Bereichen ist nach unserer Erfahrung doch sehr ähnlich. Wir haben den SMT-Markt schon lange im Visier, mit Siplace haben wir jetzt die Gunst der Stunde genutzt.  

Herr Lauber: Sie äußerten im vergangenen Jahr, die Übernahme durch einen Investor, der aus der Branche kommt, habe Vorteile gegenüber einem branchenfremden Investor. Ein anderer Bestückungsautomatenhersteller wurde kürzlich an einen solchen branchenfremden Investor verkauft. Worin sehen Sie die Vorteile in Ihrem Fall?

Günter Lauber: Bei Übernahmen, Mergers und Transfers geht es entweder um Wachstum oder um Optimierung. Während wir ja bei Siemens schon länger nicht mehr zum Kerngeschäft zählten, sind wir jetzt bei ASMPT ein wichtiger Geschäftsbereich und ein wichtiges Wachstumsfeld eines industri-ellen Investors, der tief in der Elektronikfertigung verwurzelt ist. ASMPT ist seit Jahrzehnten innovationsgetrieben, mit hohem Qualitätsanspruch und einem gut ausgebauten Vertriebsnetz in Asien. Und so ergänzen sich beide Unternehmen auch hervorragend: Während ASMPT sehr gut in den asiatischen Märkten vernetzt ist, ist ASM Assembly Systems einer der führenden Anbieter in Europa und bei globalen Multinationals.

Durch unseren Zusammenschluss stärken wir unseren globalen Marktzugang erheblich. Eine passendere strategische Ergänzung hätten wir nicht finden können. ASMPT war definitiv unser Wunschkandidat für die Übernahme.

Herr Lee, warum gerade Siplace, es standen ja im letzten Jahr auch andere Hersteller zum Verkauf?

Lee: Siplace ist technisch Spitzenklasse. Zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit gehört aber mehr. Die Chemie muss stimmen. Kurz gesagt: Man muss zueinander passen. Wir haben schnell einen gemeinsamen Nenner gefunden und einen sehr guten Draht zueinander aufgebaut.  

Wäre es für Sie auch eine Option gewesen, ohne Zukäufe in den SMT-Markt zu gehen?

Lee: Ja, aber dieses Feld von Grund auf neu zu bestellen, wäre für uns viel zu aufwändig gewesen. Außerdem bietet sich für uns dadurch ein besserer Zutritt zum europäischen Markt. Umgekehrt profitiert ASM Assembly von unseren etablierten Vertriebsstrukturen in Asien.

Europa ist, was die Fertigung anbelangt, bekanntlich auf dem absteigenden Ast. Große Volumina und damit ein wichtiges Potenzial für die Siplace-Maschinen sind eigentlich nur noch in Asien zu finden. Warum ist der europäische Markt für Sie dennoch wichtig? 

Lee: Europa nimmt nach wie vor im Elektronikmarkt eine Schlüsselrolle ein. Denn R&D findet immer noch zum großen Teil hier statt. Wenn wir in Europa besser bekannt sind, dann steigt auch unser Einfluss bezogen auf die Produktion in Asien. Je bekannter und etablierter der Name ASM weltweit ist, umso mehr Möglichkeiten haben wir.

Nun ist ASM Assembly Systems »nur« eine Business Unit von ASMPT und kein eigenständiges Unternehmen mehr. Wie unabhängig wird ASM Assembly überhaupt arbeiten können?

Lauber: Unter ASMPT sind wir heute ein großer, einflussreicher Geschäftsbereich, schließlich sieht ASMPT in der SMT-Bestückung ein strategisches Wachstumsfeld. Wir sind also ein sehr wichtiger Teil von ASMPT und werden in unseren bewährten Strukturen sehr unabhängig weiterarbeiten.

Lee: Wir wollen, dass ASM Assembly Systems autonom arbeitet, aber wollten das Unternehmen auch in den Konzern integrieren. Nur so können wir unsere Ressourcen gemeinsam bestmöglich nutzen.  

Herr Lauber, sehen Sie Ihre Position als CEO durch die Übernahme geschwächt oder gestärkt?

Lauber: Ganz klar gestärkt. Seit ich Siplace-CEO bin, hatte ich die Vorstellung vom flexiblen, schlagkräftigen globalen Mittelständler. Es war immer mein Ziel, das Beste aus beiden Welten - einem globalen Konzern und einem traditionellen deutschen Mittelstandsunternehmen - unter einen Hut zu bekommen. Das hat uns während unserer Restrukturierung immer angetrieben. Wir haben dazu die entsprechende Organisation aufgesetzt und mit ASMPT auch einen Konzern gefunden, der eben diese Werte lebt: Kundenorientierung, Schnelligkeit, Innovation. Es ist eine Freude, endlich mit dieser Schnelligkeit und Flexibilität agieren zu können. Zudem gehe ich mit einem enorm engagierten, erfahrenen Siplace-Team in die Zukunft mit ASMPT. Die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass ich mich voll und ganz auf meine Mannschaft verlassen kann. In der Zeit bis zum Closing wurde deutlich, dass das Top-Management sehr harmonisch und vertrauensvoll zusammenarbeitet und schnell und zielgerecht Entscheidungen gefällt werden.