Fokus auf Low-Volume/High-Mix Zollner mit erfolgreichem Produktionsanlauf in den USA

Markus Aschenbrenner, Zollner: »Sicherlich ist der EMS Markt in den USA, insbesondere im Silicon Valley, einer der ältesten und daher am stärksten gesättigten EMS-Märkte der Welt, allerdings sehen wir durchaus Chancen, uns gerade dort mit unserem Leistungsspektrum und unserer Ausrichtung einen Anteil zu sichern.«
Markus Aschenbrenner, Zollner: »Sicherlich ist der EMS Markt in den USA, insbesondere im Silicon Valley, einer der ältesten und daher am stärksten gesättigten EMS-Märkte der Welt, allerdings sehen wir durchaus Chancen, uns gerade dort mit unserem Leistungsspektrum und unserer Ausrichtung einen Anteil zu sichern.«

Seit Mitte Dezember betreibt Zollner Elektronik eine eigene Fertigung in den USA am Standort Milpitas, Kalifornien. Konzentrieren will sich Zollner hier vor allem auf das das Low-Volume/High-Mix-Segment. Markus Aschenbrenner, Geschäftsführer von Zollner USA im Interview.

Markt&Technik: Warum gründet Zollner gerade jetzt einen Fertigungsstandort in den USA? Die US-Konjunktur schwächelt bekanntlich immer noch . . .

Markus Aschenbrenner: Nach den aktuellen Daten scheint es so zu sein, dass sich die Konjunktur erholt und auch die Arbeitslosenquote sinkt. Außerdem wird auch vermutet, dass die anstehende Präsidentenwahl positive Auswirkungen auf die Wirtschaftsfaktoren in den USA haben kann. Dies ist bzw. war aber nicht der entscheidende Grund für unsere Standortgründung: Wir haben seit einigen Jahren gute Kundenbeziehungen in den USA. Einige dieser Kunden benötigen lokale Unterstützung, insbesondere in der Produktentstehungs- und Serienüberleitungsphase. Auch sehen wir Potential, neue Kunden durch eine effektive Betreuung in dieser NPI-Phase für Zollner gewinnen zu können. Da, wie Sie in Ihrer Frage ausgeführt haben, die USA durch eine schwache konjunkturelle Phase gegangen ist, sahen wir gerade diesen Zeitpunkt als geeignet, diesen Schritt nun für Zollner zu gehen.

Ist der USA-Markt in Bezug auf EMS nicht gesättigt oder anders ausgedrückt: Sind die Felle nicht verteilt? Es gibt dort ja bekanntlich einige »EMS-Platzhirsche« . . .

Sicherlich ist der EMS-Markt in den USA, insbesondere im Silicon Valley, einer der ältesten und daher am stärksten gesättigten EMS-Märkte der Welt, allerdings sehen wir durchaus Chancen, uns gerade dort mit unserem Leistungsspektrum und unserer Ausrichtung einen Anteil zu sichern. Darauf deuten auch die Gespräche hin, die wir in den letzten Wochen mit bestehenden und neuen potentiellen Kunden geführt haben. Auch sehen wir diesen Schritt als wichtig an, um globale Kunden auch in deren Märkten lokal unterstützen zu können, was wir bisher in den USA nur bedingt konnten.

Der Fertigungsstandort ergänze die bestehenden Partnerschaften in den USA, heißt es in Ihrer ersten Presseerklärung zur USA-Expansion. Wie hat man sich das vorzustellen? Wie arbeiten Sie dann weiterhin mit den anderen Firmen zusammen? 

Die bestehende Partnerschaft bezieht sich auf unsere Zusammenarbeit mit EIT. EIT ist ein etablierter EMS-Anbieter mit vier Fertigungsstandorten an der Ostküste der USA. Mit unserem neuen Standort in Milpitas und den Möglichkeiten, die EIT an der Ostküste bietet, können wir Kunden wirklich lokal in den USA unterstützen, weil wir nun nahe bei den wichtigsten Entwicklungszentren der Kunden in den USA sind. Darüber hinaus bietet der EIT-Standort in Danville durchaus Möglichkeiten, auch Serienprodukte zu günstigen Kosten innerhalb der USA zu produzieren.

Welches Fertigungsspektrum bieten Sie in den USA an? »Nur« Baugruppenfertigung oder auch die komplette Gerätefertigung, Montage etc.?

An unserem Standort in Milpitas haben wir mit der Flachbaugruppenfertigung begonnen und werden nun Schritt für Schritt auch die komplette Fertigung von Modulen und Systemen aufsetzen.

Gibt es einen bestimmten Fokus bei den Produktionstechnologien?

Nein, wir wollen an diesem Standort ein möglichst breites Spektrum an EMS-Produktionstechnologien anbieten, um unseren Kunden eine gute Basis bieten zu können.

Richtet sich Ihr neuer Standort vor allem an Bestandskunden, die Sie sozusagen auf den US-Markt begleiten? Oder stehen auch ganz neue Kunden im Visier?

Die ersten Aufträge, die wir im Dezember beliefert haben, waren für zwei neue Kunden.

Es gibt also schon Fertigungskunden für den neuen Standort?

Die Produktion und Lieferung startete bereits Anfang Dezember, somit haben wir schon Kunden, die wir aus unserem Werk in Milpitas beliefert haben. Das war auch das Ziel für das Jahr 2011, zum Jahresende
die Produktion zu starten.

Sie wollen dort kleine und mittlere Volumen fertigen - ist das der Anfang, oder werden in absehbarer Zeit auch große Volumen folgen? Oder können Sie das für die USA ausschließen?
 
Unsere Ausrichtung ist generell eher auf das Low-Volume/High-Mix-Segment ausgelegt. Der Standort in Milpitas soll vorwiegend Kunden in der NPI-Phase (NPI: New Product Introduction) unterstützen. Zu gegebener Zeit wird dann mit dem Kunden gemeinsam die Serienproduktionsstrategie festgelegt. Aus momentaner Sicht kann ich mir nicht vorstellen, große Volumen in unserem Standort in Milpitas zu produzieren, denn wir wollen dort keinesfalls unseren Fokus - schneller, flexibler NPI-Support - aus den Augen verlieren.