Kundenspezifisch und effizient löten »Wir leben Löten jeden Tag«

Matthias Fehrenbach, Geschäftsführer von Eutect
Matthias Fehrenbach, Geschäftsführer von Eutect

Wie lassen sich kundenspezifische Elektronikprodukte effizient löten? Matthias Fehrenbach, Geschäftsführer von Eutect, erläutert im Markt&Technik-Interview, welche Trends in der Löttechnik eine Schlüsselrolle spielen.

Markt&Technik: Eutect wächst seit knapp 25 Jahren mit der Löttechnik und beschäftigt momentan 35 Mitarbeiter. Wie schafft es ein relativ kleines Unternehmen, in dem von viel größeren Firmen geprägten Markt zu überleben?

Matthias Fehrenbach: Dabei hilft uns vor allem die langjährige Erfahrung im Bereich der Lötprozess- beziehungsweise der Aufbau- und Verbindungstechnik. Mein Vater, Manfred Fehrenbach, hat Eutect aus seinem 1978 gegründeten Sondermaschinenbauunternehmen ausgegliedert. Ziel war damals schon, Systeme für den Anwender zu entwickeln, mit denen er den größten Nutzen erzielt. In diese Anlagen wurden nach und nach Lötmaschinen integriert – so ist Eutect entstanden. Anfangs haben wir nur die selektive Miniwellen-Löttechnik angeboten, aber die Nachfrage nach kompletten Anlagen hat dazu geführt, dass unsere Kunden schon nach zwei Jahren komplette selektive Lötanlagen forderten und wir seitdem diese entwickeln, fertigen und programmieren. Auch heute verfolgen wir den Ansatz: Wir leben Löten jeden Tag. Mit Hilfe des Eutect-Modulbaukastens entwickeln wir anwenderspezifische Lötanlagen und heben uns damit von der Masse ab. Weil wir vor allem bei uns im Haus produzieren, schaffen wir eine Fertigungstiefe, die andere Unternehmen so nicht anbieten können. Neben dem Miniwellenlöten bieten wir seit zehn Jahren auch die intern entwickelten Thermoden-, Laser-, Induktions- und Kolbenlötprozesse an.

Gibt es Überlegungen, Teile der Produktion ins Ausland auszulagern?

Ganz klar: Nein. Wir arbeiten zwar mit Zulieferern zusammen, diese befinden sich aber größtenteils in der Region. Eine Produktion im Ausland können wir uns auch gar nicht leisten. Bei kundenspezifischen Anlagen ist es nötig, dass wir Face-to-Face mit den Anwendern und Zulieferern kommunizieren. Nur so können wir uns und unsere Zulieferer gemeinsam weiterentwickeln. Südamerika, Asien oder Osteuropa sind dafür einfach zu weit weg. 

Ihr größter Markt im Bereich der Löttechnik ist derzeit die europäische Automobilbranche. In welchen Märkten sehen Sie vielversprechende Wachstumschancen? 

Die Automobilzulieferindustrie ist für uns ganz klar einer der wichtigsten Märkte. Aber auch Branchen wie die Medizintechnik, weiße Ware und Konsumgüterelektronik haben für uns eine große Bedeutung. Regional ist Europa der Kernmarkt. Durch viele neu eingeführte Techniken und Produkte versprechen wir uns viel von den Elektronikfertigungen der Smart-Home-Technologien. 

Welche Trends sehen Sie in der Löttechnik auf sich zukommen und wie reagieren Sie darauf?

Effizienz spielt in der Löttechnik eine große Rolle. Anwender erwarten Anlagen, die wenig Rohstoffe und Energie verbrauchen. Aus diesem Grund haben wir kompakte und skalierbare Prozessmodule entwickelt. Auch die Eutect-Werkstückträgertechniken spielen eine entscheidende Rolle, um die Produktivität zu steigern und Kosten zu senken. In heutigen Produktionen werden häufig komplette Werkstückträger mit allen Funktionen und dem zu bearbeitenden Produkt durch die Anlagen befördert. Weil solche Werkstückträger sehr schwer und groß sind, werden sie selten direkt vom Band gegriffen oder zu nachfolgenden Prozessen bewegt. Mit der Eutect-Werkstückträgerkombination lassen sich durch einen aufsetzbaren und produktspezifischen Satellitenträger die Werkstückträger mit einem Roboter und einer Handlings-Kinematik direkt vom Band greifen. Die Satellitenträger fertigen wir immer im Leichtbau. Dadurch lassen sich kleinere Roboter mit geringerer Traglast integrieren und weitere Kosten sparen. 

Die Nachfrage nach flexibel einsetzbaren Maschinen steigt. Wie können Sie als Sondermaschinenbauer darauf reagieren?

Zunächst suchen unsere Kunden eine Lösung, die auf ihren Fertigungsprozess zugeschnitten ist. Zudem wollen Anwender die Anlage flexibel wiederverwenden, sprich: umrüsten, um auch neue Produkte und Produktgenerationen damit löten zu können. Genau in diese Richtung zielen wir mit dem Modulbaukasten ab: Damit lassen sich die Maschinen modular entsprechend dem Kundenwunsch erweitern. Ein weiterer Trend in der Löttechnik ist die Prozesskombination. Durch flexible Software lassen sich verschiedene Lötverfahren miteinander in einer Maschinenzelle kombinieren; damit kann ein Mitarbeiter eine komplette Prozessfolge betreuen. Den Modulbaukasten bauen wir stetig aus. Mit dem Laser-Knife werden wir demnächst ein weiteres flexibles Prozessmodul in den Markt einführen.