Stimmungsbild der SMT-Branche »Wir befinden uns an einem Wendepunkt«

Torsten Vegelahn, Asys

»Spürbar ist eine gewisse Nervosität aufgrund der langen Lieferzeiten von Bauelementen: Durch das Wachstum der letzten zwei Jahre kommen die Lieferketten an dieser Stelle an ihre Grenzen.«
Torsten Vegelahn, Asys »Spürbar ist eine gewisse Nervosität aufgrund der langen Lieferzeiten von Bauelementen: Durch das Wachstum der letzten zwei Jahre kommen die Lieferketten an dieser Stelle an ihre Grenzen.«

Das Geschäft läuft zwar gut, Grund zur Euphorie sehen die Experten aus der SMT-Branche jedoch nicht: Vielmehr blicken sie mit einer gewissen Nervosität in die Zukunft.

Ein Blick auf die SMT-Bestückungsbranche zeigt: Momentan ist der Markt stabil. Dass damit ein nur geringes Wachstum einhergeht, sieht Torsten Vegelahn, Unit Director Product Management Standard Products bei Asys. »Spürbar ist eine gewisse Nervosität aufgrund der langen Lieferzeiten von Bauelementen: Durch das Wachstum der letzten zwei Jahre kommen die Lieferketten an dieser Stelle an ihre Grenzen.« Teilweise erkenne man auch Unsicherheiten, die auf das Thema Elektromobilität zurückzuführen seien. »Wir befinden uns hier gerade an einem Wendepunkt, der die berechtigte Frage aufwirft: Was kommt da auf uns zu?«

Dem stimmt Rainer Krauss, Gesamtvertriebsleiter von Ersa, zu: »Insgesamt betrachtet ist die Stimmung nach wie vor gut, wenn auch nicht euphorisch.« Bei smarten Produkten – etwa für Mobilität, Kommunikation, Automatisierung, Industrie 4.0 – sieht er eine Sonderstellung gegenüber dem klassischen Maschinenbau: »Überall, wo diese Smart Products gefertigt werden und wo deren Zulieferindustrie sitzt, hat die Elektronikproduktion gefüllte Auftragsbücher. Das gilt für Asien und Europa ebenso wie für die USA und Mexiko. Wobei sich Schwerpunkte und Regionen verschieben – Vietnam und Thailand sind die neuen Tigerstaaten, Malaysia findet gerade wieder den Anschluss. In China dagegen dominieren bei Neuinvestitionen die klassische SMT-Fertigungstechnologie, E-Mobilität und Kommunikation.« Das ließe sich auf die Hauptmärkte Europa und USA/Mexiko übertragen, wobei Indien nicht zu vernachlässigen sei und »Russland wieder angezogen« habe. »Dagegen sind Südamerika, Afrika der Mittlere Osten abgehängt und die Türkei findet nur schwer in den Markt zurück.«

Elektronik in einer grünen Zukunft?

Dass die Miniaturisierung die Branche vor Herausforderungen stellt, ist bekannt. Krauss dazu: »Die Herausforderung weist auch in die andere Richtung – von der Miniaturisierung zurück zu größeren Bauteilen. Speziell, um den 5G-Ausbau und die dafür benötigten „Big Boards“ verarbeiten zu können.«

Die zunehmende Vernetzung innerhalb der 4.0-Industrialisierung, um eine höchstmöglichste Auslastung und Verfügbarkeit zu erreichen, sieht Krauss als bevorstehenden Kraftakt: »Das wird und ist der Gradmesser für den Erfolg in der Zukunft.«

Auch Klaus Gross, Geschäftsführer von Fuji Europe, sieht die Herausforderungen, die durch den Trend zur Smart Factory entstehen. »Fertigungsanlagen müssen mit Hilfe von Produktionsvorbereitungs- und Wartungsarbeiten sowie mit der Automatisierung von manuellen Bestückungsmontageprozessen erweitert werden. Die Initiativen dahinter sind arbeitssparende Einheiten, die bei der Einrichtung und Wartung unterstützen. Für kleine und mittlere Unternehmen besteht die Herausforderung darin, mitzuhalten und den größten Mehrwert zu schaffen, während große Unternehmen leicht investieren.« Wichtig ist in seinen Augen, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter entsprechend qualifizieren, »denn Systeme müssen untereinander kommunizieren und über Schnittstellen hinweg Datenanalysen möglich sein.«

Er ist der Ansicht, dass eine globale Vernetzung in der Fertigungsindustrie nur gelingen kann, wenn der Datenaustausch über die gesamte Prozesskette über standardisierte Schnittstellen erfolgt. »Die Digitalisierung wird vereinfacht, wenn Werkzeugmaschinen an übergeordnete IT-Systeme angebunden und die Potenziale der modernen Produktionsumgebung ausgeschöpft werden. Nicht immer ist ein Unternehmen vollwertig an IoT angebunden.« Hier unterscheidet sich seiner Meinung nach die Praxis stark von der Theorie.