Umfrage unter Elektronikdienstleistern Welche Zertifizierungen jetzt wichtig sind

Roland Hollstein, Grundig Business Systems: »Wir befassen uns dabei innerhalb der Organisation mit den kritischen Erfolgsfaktoren für unser Unternehmen. Wenn Sie mal IATF- und Medizin-zertifiziert sind, werden die Zertifizierungen danach auch immer leichter.“

Dass die Anforderungen an die Auftragsfertigung kontinuierlich steigen, wird anhand der von Kundenseite eingeforderten Zertifizierungen evident. Und dabei geht es nicht ausschließlich um fachliche Kompetenz.

Die Kunden fordern nach Auskunft der von Markt&Technik befragten Elektronikdienstleister inzwischen auch zunehmend Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung von ihren Auftragnehmern.

»Wir haben festgestellt, dass speziell große Firmen mehr und mehr von uns verlangen, dass wir einen Social-Responsibility-Prozess und- Plan haben. Zwar gibt es dafür noch keine Zertifzierung, aber wenn man da nichts vorweisen kann, hätte man sozusagen ein Minus in der B-Note und damit schlechtere Karten bei den Kunden«, erklärt Doede Douma, Vice President Business Development für EMEA von Sanmina. Sanmina lege seinen Worten zufolge daher sehr großen Wert auf soziale Verantwortung. Diese umfasst sowohl die Sicherheit und das Wohl der Mitarbeiter als auch Umweltschutz und einen schonenden Umgang mit Ressourcen sowie einen Business-Code of Conduct, der auf hohen Ethik-Standards und Integrität basiert. Sanmina zählt zu den zehn größten Elektronikdienstleistern mit circa 45.000 Mitarbeitern weltweit. Mit der Frage nach Social Responsibility – oder sozialer Verantwortung – möchten die Auftraggeber sicherstellen, dass insbesondere große Fertigungsbetriebe weltweit sozial adäquat mit ihren Mitarbeitern umgehen.

In der Vergangenheit geriet der chinesische Fertiger Foxconn u.a. durch Selbstmord-Fälle von Mitarbeitern aufgrund von kruden Arbeitsbedingungen in die Schlagzeilen.
Felix Timmermann, Vice President EMEA von Asteelflash, sieht das Thema Nachhaltigkeit ganz oben auf der Agenda und nennt als Beispiel die Leed-Zertifzierung: Das US-amerikanische LEED-Modell ist eine international anerkannte Nachhaltigkeits-Zertifizierung für Gebäude und steht für „Leadership in Energy and Environmental Design“. In der Vergangenheit sei so etwas weniger im Interessensfokus der Kunden gestanden, so Timmermann. »Heute hingegen spielt das bei großen Unternehmen eine maßgebliche Rolle.«

Klassische Zertifzierungen sind obligo

Die klassischen Zertifizierungen für vertikale Märkte und/oder Technologieschwerpunkte sind mittlerweile sowieso obligatorisch, wie die von Markt&Technik befragten EMS-Firmen unterstreichen, weil sie sichtbares Zeichen einer bestimmten Kompetenz sind. »Bis vor zehn Jahren war ISO 9001 ausreichend. Heute sind Zertifizierungen absolut notwendig«, stellt Dieter Müller, Gesellschafter von BMK, klar. Zumindest dann, wenn man bestimmte Kunden haben möchten, seien die branchenspezifischen Zertifizierungen Voraussetzung. »Sonst kommen Sie mit diesen Kunden erst gar nicht ins Gespräch«, so Müller weiter.

Durch die Zertifizierung erhält der Kunde auch die Sicherheit, dass der Dienstleister seine Profession beherrscht, und kann in die Qualität vertrauen. Hat ein Kunde zum Beispiel einen Auftrag für Medizin- oder Avionikprodukte zu vergeben, sucht er ausschließlich Partner mit einer entsprechenden Zertifizierung. Einige größere Elektronikdienstleister können sogar in jedem Werk weltweit die Zertifizierung „an- und abschalten“, weil alle Fabriken auf der gleichen Basis stehen.