Insolvenz, weil Firma führungslos ist Was ist mit Geschäftsführer von Schoeller passiert?

Leiterplatte, produziert von Schoeller

Der Leiterplatten-Hersteller Schoeller Electronics Systems befindet sich aufgrund der Coronakrise in einem vorläufigen Insolvenzverfahren.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht Marburg den Rechtsanwalt Dr. Michael Lojowsky von Schultze & Braun. Der Geschäftsbetrieb läuft ungeachtet des laufenden Verfahrens weiter.

Die rund 200 Arbeitnehmer werden für drei Monate über das Insolvenzgeld abgesichert.

Der vorläufige Insolvenzverwalter verschafft sich derzeit einen Überblick über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens und prüft Sanierungsoptionen. Schoeller Electronics Systems ist einer der führenden Leiterplattenhersteller in Europa. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Sondertechnik-Schaltungen wie Flex- und Starrflex-Schaltungen, Platinen mit Laser-Mikrolöchern, Metallkernen oder besonderen Basismaterialien, etwa für Hochfrequenzschaltungen. Gefertigt wird vom Entwicklungsmuster bis zur Serie. Zu den Kunden gehören die großen europäischen Elektronikkonzerne.

Hintergrund der Schieflage ist, dass sich die Gesellschaft sich aktuell führungslos präsentiert. Der Geschäftsführer hält sich in Großbritannien auf und kann von dort corona-bedingt nicht ausreisen.

Gleichzeitig ist er aktuell weder per Telefon noch per E-Mail erreichbar. Ein zeichnungsberechtigter Prokurist hatte das Unternehmen zum Jahresende 2019 verlassen. „Daher gab es zuletzt niemanden, der Bestellungen freigeben oder Zahlungen auslösen konnte“, berichtet Lojowsky, der aufgrund dieser Umstände zum sogenannten „starken vorläufigen Verwalter“ ernannt wurde. Damit kann Dr. Lojowsky bereits im vorläufigen Insolvenzverfahren eigenständig Entscheidungen treffen und umsetzen. „Für das Fortführen des Geschäftsbetriebs und das Vorantreiben des Insolvenzverfahrens ist das eine wichtige Weichenstellung“, sagt Dr. Lojowsky.