Bauteile in unterschiedlichen Qualitäten Was darf´s sein: A, B oder C-Ware?

Dass einige Hersteller ihre Produkte in unterschiedlichen Qualitätsstufen liefern, ist gang und gäbe und ein offenes Geheimnis. Der Kunde hat kaum Möglichkeiten, Regressansprüche geltend zu machen, wenn anstelle der A-Qualität nur B-Produkte in seinem Wareneingang landen.

Erfüllen die originalen Bauteile eines Herstellers bei der finalen Qualitätsprüfung nicht die erforderlichen Parameter, dann werden sie aussortiert. Das ist zumindest die landläufige Meinung. Edbil Grote, CEO des Testhauses HTV, weiß auf dem Round Table »Obsolescence-Management« der Markt&Technik allerdings auch anderes zu berichten: Es komme durchaus vor, das solche Ausschussware, die bestimmte Parameter nicht erfüllt, über inoffizielle Kanäle des Herstellers, beispielsweise über Mitarbeiter, wieder auf den Markt komme.

In diesem Zusammenhang von Fälschung zu sprechen, ist allerdings wohl nicht richtig, weil es sich schließlich um Originalware handelt, allerdings von minderer Qualität. Wo die Abgrenzungen zwischen Umpacken, B- oder C-Ware in Verkehr zu bringen, Refurbished-Produkte oder Rework-Produkte und Fälschung liegen, ist bislang nicht klar definiert. Derzeit arbeitet eine Arbeitsgruppe der COG Deutschland daran, diese Begriffe klar zu definieren und zu beschrieben, »damit jeder einschätzen kann, wo jeweils die Risiken liegen«, erläutert COG-Deutschland-Vorstand Ulrich Ermel. Ein Booklet dazu ist in Arbeit und soll im Dezember vorgestellt werden.  

Aber gefälscht oder nicht: Feldausfälle sind auch bei der Ausschussware vorprogrammiert. Laut Mark Baumgärtner, Key Account Manager von Memphis Electronic, sind es aber nicht nur diese inoffiziellen Kanäle, über die Ausschussware vom Hersteller in den Markt gelangt. »Es ist sogar ganz offiziell üblich, dass Hersteller Ware in unterschiedlichen Qualitäten liefern. Ich kann so ein Vorgehen für große und namhafte Speicherhersteller bestätigen«, erklärt Baumgartner. »Dort gibt es intern verschiedene Qualitätsgrade für unterschiedliche Kundenzielgruppen. Die schlechtere Ware wird dann zum Beispiel nach Asien an den Third-party-Modulmarkt geliefert, die A-Ware geht an den europäischen Industriekunden.«

Dagegen spreche aber erst einmal nichts, meint Baumgartner, denn der Hersteller steuert das gezielt und sauber. Problematisch wird es, wenn europäische OEMs auf den Spot-Märkten in Asien die mindere Qualität eines Produktes einkaufen, weil sie meinen, ein Schnäppchen zu machen. Solche vermeintlichen Einkaufsvorteile sorgen dafür, dass Ware, die eigentlich für Asien bestimmt war, über Umwege nach Europa gelangt und zum Beispiel bei einem deutschen EMS-Unternehmen landet. Wenn solche Ware zu Ausfällen führt, lehnt der Hersteller Regressansprüche in aller Regel ab, schließlich hat er die Ware ja bewusst nicht nach Europa verkauft.

Der Knackpunkt ist aber, dass die Ware nicht gekennzeichnet ist nach unterschiedlichen Qualitätsgraden. »Als Kunde haben Sie keine Chance, die B-Ware zu erkennen. Denn sowohl Date-Code und die Seriennummer der Rolle existieren«, gibt Anke Bartel zu bedenken, Leiterin Kundenteam bei der BMK Group, die aus eigener Erfahrung weiß, dass der Hersteller in solchen Fällen alle Schuld von sich weist. Rochester und Spansion, die beiden Hersteller am runden Tisch, verneinen bei dieser Gelegenheit ganz entschieden, unterschiedliche Qualitätsstufen zu liefern. Das, so der Tenor der beiden, komme nicht in Frage.     

Dass ein Fertiger versucht, Einkaufsvorteile bzw. Preisvorteile zu nutzen, indem er weltweit einkauft, ist nach Ansicht von Bartel aber legitim. »Wenn ein Hersteller seine Produkte ohne Kennzeichnungen in unterschiedlichen Qualitäten am Markt platziert, ist das schon äußerst fragwürdig«, so Bartel. Lediglich bei Displays gibt es laut Ulrich Ermel, Vorsitzender der COG Deutschland, manchmal eine Kennzeichnung im Bestellcode, aber das ist die Ausnahme.