Nach 33 Prozent Plus in 2010: Wachstum der Auftragsfertigung verlangsamt sich

Umsatz der weltweiten Auftragsfertigung in Mio. US Dollar
Umsatz der weltweiten Auftragsfertigung in Mio. US-Dollar.

Nach einem Umsatzwachstum von 33,4 Prozent im vergangenen Jahr wird der weltweite Markt für Auftragsfertigung in diesem Jahr deutlich moderater wachsen, prognostiziert IHS iSuppli. Die Analysten gehen von einem Umsatzplus von 8,5 Prozent aus.

IHS iSuppli unterteilt die Auftragsfertigung in Electronics Manufacturing Services (EMS) und Original Design Manufacturing (ODM). Insgesamt erwarten die Auguren einen Jahresumsatz von 376,7 Mrd. Dollar für die Branche.  2010 waren es 348,3 Mrd. Dollar. In diesem Schritttempo wird sich das Wachstum bis 2014 einpendeln. Einbußen müssen laut J. Dinges, Principal Analyst für Outsourcing bei HIS vor allem die Auftragsfertiger hinnehmen, die sich sehr stark in Richtung Consumer-Elektronik orientiert haben: »Hier herrscht ein harter Wettbewerb unter den Auftragsfertigern, die Margen für einige Consumer-Produkte sind im letzten Jahr im Zuge dessen nach unten gegangen.« Firmen mit einem breiteren Spektrum seien hier deutlich besser aufgestellt. Überdies bleibe der Consumer- und Computer-Markt stark ODM-orientiert. Reine EMS-Firmen sind in diesem Segmenten weniger anzutreffen, weil die OEMs in diesem Bereichen wenn dann zunehmend komplett auslagern: Vom Design bis hin zur Lieferung an den Handel.   
Markttreiber ist nach wie vor die Nachfrage aus China, wovon vor allem die großen asiatischen EMS- und ODM-Firmen profitieren. Der größte Auftragsfertiger, Hon Hai Precision Industries meldete allein für die ersten neun Monate 2010 ein Umsatzwachstum von 60 Prozent, verglichen mit 2009. In diesem Jahr soll Chinas Wirtschaft etwa 10 Prozent wachsen. Davon profitieren zwar auch die Auftragsfertiger weiter, allerdings hängen sie damit am Tropf der chinesischen Wirtschaft. Nimmt die Nachfrage ab, könnte das empfindliche Folgen für so manchen Großen Dienstleister haben.

Was bedeutet das für den deutschen EMS-Markt?  

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die weltweiten EMS/ODM-Prognosen nicht oder nur eingeschränkt auf die deutsche EMS-Landschaft übertragbar sind. Weltweite Markttreiber wie Computer- und Consumer-Produkte spielen für die meisten deutschen EMS-Firmen nur eine untergeordnete Rolle. Die hiesigen Auftragsfertiger fertigen vor allem für den Bereiche Baugruppen und Geräte für die Industrieelektronik, Medizinelektronik, Automotive, Luftfahrt und erneuerbare Energien. Eine aussagekräftige Markt-Erhebung für den sehr fragmentierten deutschen EMS-Markt ist schwierig, denn die Zahl der Firmen, die in irgendeiner Form EMS-Dienstleistungen anbieten ist nahezu unüberschaubar. Hinzu kommt, dass die Grenzen zwischen Inhouse-Fertigung und EMS zunehmend verwischen. Viele Inhouse-Fertigungen haben im Zuge der Wirtschaftskrise 2009 ihre Kapazitäten mehr oder weniger auch für externe Fertigung bereitgestellt oder sogar eine eigenes Geschäftsfeld »EMS« gegründet.