Übernahme von Valor Computerized Systems »Unsere Vision ist eine komplett vernetzte Fertigung«

»Unsere Vision ist eine komplett vernetzte Fertigung«

Die Elektronikfertigung lebt in hartem Mitbewerb zu niedrig Lohnregionen. Können Software-Tools wie Traceability- und Manufacturing-Execution-Systeme (MES) letztlich dabei unterstützen, die Fertigung im Sinne des Lean-Gedankens effizienter zu machen und die Wertschöpfung in der Fertigung zu steigern?

Ja, es gibt erhebliches Potenzial, die Abläufe zu optimieren und die Effizienz und die Qualität der gefertigten Produkte zu steigern. Traceability ist dabei kein Aufwand mehr, weil die Daten in unserem Manufacturing-Solution-System (MSS) vorliegen. Momentan sehen wir mit eines der größten Potenziale darin, den Materialfluss in der Fertigung zu verbessern, um dadurch Stillstandzeiten von Anlagen zu verbessern und das »Working-Capital« des Fertigers signifikant zu reduzieren. Unser Kundenstamm kommt zu 80 Prozent aus Westeuropa, weil der Kostendruck hier wesentlich höher ist, ebenso der Druck, ständig die Qualität zu steigern. Und ohne eine vernünftige Software-Struktur ist das nicht möglich.

Auch das Design-for-Manufacturing (DfM) erfordert spezielle Software. Warum reichen herkömmliche Leiterplatten-CAD-Werkzeuge dazu nicht aus?

Herkömmliche CAD-Systeme können die verschiedenen Fertigungstechnologien nicht exakt abbilden. Unsere DFM-Tools basieren deshalb auch auf einer Datenbank, die eine exakte mechanische Beschreibung der Bauteilgeometrie beinhaltet. Die Bibliothek berücksichtigt auch verschiedene mechanische Bauformen von gleichen elektrischen Bauteilen. Wir bilden in unserer DFM-SW eine Fertigungslandschaft ab, das können CAD-Systeme bis heute nicht, weil der Grundgedanke eines CAD-Systems genau anders herum ist, als der eines DfM-Systems.

In welchen Produktbereichen sehen Sie für Valor das größte Potenzial in der nächsten Zeit?

Wir glauben, dass wir in der Software gestützten Fertigungsautomatisierung ganz am Anfang stehen. Viele unserer Kunden haben eine Linien-Auslastung von nur 60 Prozent. Es liegt also viel Potenzial darin, mit Hilfe einer vernünftigen Software-Struktur mehr Effizienz zu schaffen. Deshalb werden wir uns auf eine durchgängiges »End-to-End« System für die Elektronik-Industrie konzentrieren und investieren hier sehr viel Ressourcen in die Entwicklung. Das größte Wachstum sehen wir bei den MSS-Systemen. Die MSS-Systeme  entstanden ursprünglich mit dem Grundgedanken, die Traceability einzuführen, dann entstand der Wunsch auf Kundenseite, weitere Prozessdaten verarbeiten zu können sowie die Anforderung nach der Integration eines Qualitäts-Managements. Es gibt eine sehr lange Wunschliste … Unsere Kunden wollen durchgängige Systeme, die miteinander sprechen und die Daten des Qualitäts-Managements in der ganzen Fertigung nutzen.

In der Fertigung werden beispielsweise für einen Auftrag x-Mal mal die gleichen Daten eingelesen. Hier sehen wir riesige  Verbesserungspotenziale, die dazu führen müssen, eine Eingabe nur einmal zu machen. Das können Sie beliebig fortführen, z. B. bei der Maschinenwartung und der Ersatzteilbestellung. Unsere Vision ist eine komplett vernetzte Fertigung.    

Und wo sehen Sie Ihr größtes Kundenpotenzial?

Mittelfristig sicherlich in Westeuropa, wobei wir damit rechnen, dass die Märkte in Osteuropa schnell aufholen werden. In Europa werden wir uns 2010 auf Deutschland, Österreich und die Schweiz fokussieren. In diesem Bereich sind wir in den letzten neun Monaten am meisten gewachsen und die Nachfrage hält ungebrochen an. Deshalb sind wir derzeit dabei, drei weitere Positionen im Bereich Applikation und Vertrieb zu besetzen, um dem starken Wachstum gerecht zu werden.

Wie setzt sich Ihr Kundenspektrum zusammen?

In Europa halten sich EMS-Firmen und OEMs die Waage. Bei den DfM-Tools sind etwa 70 Prozent unserer Kunde EMS und 30 Prozent OEMs, im Bereich der MES-Systeme ist es dagegen genau anders herum. 

Valor hat im vergangen Jahr die Partnerschaft mit dem Maschinenhersteller Assembleon bekannt gegeben. Welche Bedeutung haben solche Partnerschaften für Valor und vor allem welche Vorteile ziehen Ihre Kunden daraus?

Wir arbeiten intensiv mit mehreren Herstellern an einer Partnerschaft. Wir hoffen, dass wir zur SMT/Hybrid/Packaging in Nürnberg eine weitere Partnerschaft bekannt geben können. Für uns sind diese Partnerschaften sehr wichtig, weil wir dadurch die Anbindungen zu Maschinen bis ins Detail realisieren können. Wir sind der Meinung, dass ein wirklich effizientes MSS-System nur mit Echtzeitdaten direkt von der Fertigungsmaschine arbeiten kann. Unsere Kunden haben dadurch den Vorteil, dass sie mit einer Software alle Schritte der Fertigung abdecken können. Oft sind bei andern MES-Anbietern die Anbindungen an die Maschinen nicht vorhanden, das ist aber genau das Wichtige und Wesentliche an einem MES-System. 

Wird es in diesem Jahr technische Neuerungen geben?

Ja, wir werden auf der SMT Neuerungen im Bereich der Setup-Optimization und im Bereich »Business Intelligence« vorstellen und noch im ersten Halbjahr eine neue Version unserer Manufacturing Systems Solution (MSS) herausbringen.