VW Skandal als Emobility-Enabler? »Uns ist nicht bange um die deutsche Automobilindustrie«

Die Zukunft der Automobilindustrie war eines der Themen auf dem Forum "EMS" der Markt&Technik, moderiert von Karin Zühlke, Leitende Redakteurin Markt&Technik

Der Automotive-Sektor brummt, das Zuliefergeschäft für die EMS-Firmen ebenso – trotz des VW-Skandals. Aber auch alternative Mobility-Modelle gewinnen an Fahrt – und daran ist der Skandal nicht ganz „unschuldig“.

Vor über einem Jahr erschütterte die Abgas-Affäre das Vertrauen in die deutsche Automobilindustrie. Dass sich der Skandal auf die Lieferkette auswirken würde, schien wahrscheinlich. So wie befürchtet, kam es aber bislang nicht. »Niemand hat Interesse daran, dass der VW-Skandal der Industrie global zum Verhängnis wird«, meint Rüdiger Stahl, Geschäftsführer von TQ Systems. Auch wenn einige Zulieferer befürchten, dass VW seine Lieferanten demnächst noch indirekt an den Kosten für das Fehlverhalten des Konzerns beteiligen möchte, wie der Zulieferstreit im August gezeigt hat, auf die Stückzahlen selbst gibt es nach Angaben der beim Markt&Technik Forum “EMS” versammelten Firmen derzeit keine oder kaum unmittelbare Folgen. Die Wartezeiten auf viele VW- und Audi-Modelle sind nach wie vor lang und die Auftragsbücher gut gefüllt – auch bei den EMS-Firmen.

»Automotive ist bei uns ein großes Feld, und wir verzeichnen keinen Impact durch den VW-Skandal. Bei uns wächst im Autmotive-Sektor sowohl die Aktuatorik als auch die Sensorik«, sagt Michael Velmeden, Geschäftsführer von cms electronics. Einen Zuwachs verzeichnet der Firmenchef auch bei der LED-Technik für Fahrzeuge – sowohl für konventionelle als auch für elektrisch angetriebene KFZs. »Eine Herausforderung ist beim LED-Licht immer noch das Wärmemanagement. Ziel ist, an die Grenzen des Wärmemanagements zu gehen und die LED als Gestaltungselement zu nutzen«, erklärt Velmeden.

Auch für Turck duotec hatte der VW-Skandal laut Arthur Rönisch, Geschäftsführer des Unternehmens, auf das laufende Geschäft keine Auswirkungen: »Wir haben auch mit unseren Automotive Kunden weiter Wachstum hingelegt. Auf das künftige Geschäft hat es sehr wohl Auswirkungen – und zwar weil zunehmend in neue Technologien investiert wird in Richtung Elektromobilität. Und auch das „Nicht-Automobil“-Thema kommt immer mehr in Form mit Modellen wie Car-Sharing. Der VW-Skandal hat hier Druck in die Zukunft hinein erzeugt.« Gibt es deswegen weniger Arbeit für den EMS? »Nein«, stellt Rönisch klar, »wir haben auch Kunden, die Car-Sharing anbieten.« Worum es sich dabei genau handelt, möchte Rönisch aus Wettbewerbsgründen aber nicht verraten.

Der VW-Skandal könnte also den Umstieg auf die Elektromobilität und alternative Mobilitätskonzepte befeuern. Aber ist die deutsche Automobilindustrie gut aufgestellt für die Elektromobilität und neue Mobilitäts-Konzepte? – Beim autonomen Fahren sind deutsche Firmen jedenfalls keine Vorreiter. Angesichts der jüngsten Tragödie, bei der eine noch nicht ausgereifte Software zu einem tödlichen Unfall mit einem autonomen Tesla-Fahrzeug geführt hat, ist das aber auch besser so. Die Software war nicht darauf ausgelegt, Querverkehr zu erkennen, sondern nur Verkehr, der in dieselbe Richtung fließt. »Die deutschen Firmen agieren hier umsichtiger und dadurch etwas langsamer«, so Stahl. TQ ist seit vielen Jahren in Forschungsprojekte zum autonomen Fahren involviert. »Jetzt geht die Technologie dahin, dass sehr rechenintensive Applikationen in die Fahrzeuge ohne größeren Aufwand integriert werden können, und ich bin mir sicher, dass wir bis 2021 autonom fahren können«, so Stahl. Wobei die genaue Definition des autonomen Fahrens noch offen ist.

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