»Wir lernen mehr, als dass wir kontrollieren« Unimicron: Klares Commitment für den deutschen Ruwel-Standort

David Lee, Unimicron: »Geldern ist unser Center of Product Development für den HRBU-Bereich und ein Langzeitinvestment. Das ist ein ganz klares Commitment. Hätten wir sonst alleine dieses Jahr 2,5 Mio. Euro in Geldern investiert?«

Der Vertrauensbeweis von Unimicron könnte für die deutsche Tochter Ruwel kaum eindrucksvoller sein: Der weltgrößte Leiterplattenhersteller übertrug dem Ruwel-Management in Geldern die Leitung der 2011 gegründeten »High Reliability Business Unit« einschließlich eines Werkes im chinesischen Kunshan. Wir sprachen mit Unimicron-President David Lee.

Als Unimicron Ruwel in Geldern 2011 vollständig übernommen hat, gingen viele Branchenbeobachter davon aus, dass Ruwel mittelfristig komplett in Unimicron aufgeht ohne eigenständige »Identität«. Mit den Entscheidungen der letzten beiden Jahre haben Sie das Gegenteil bewiesen. Welchen Stellenwert hat Ruwel für Unimicron?

Wir schätzen das Ruwel Management und die Mitarbeiter sehr. Welchen Stellenwert wir Ruwel beimessen, zeigt allein die Tatsache, dass wir unsere 2011 neu gegründete High Reliability Business Unit - inklusive dem chinesischen Werk - dem Ruwel-Management in Geldern unterstellt haben. Der Bereich ist direkt an unser oberstes Management angegliedert, den Vorstandsvorsitzenden T. J. Tseng und mich.

Werden Sie das Ruwel-Management in Geldern künftig mit eigenen Leuten verstärken?

Nein. Es gab seit der Übernahme keine Änderungen und es sind auch derzeit keine Änderungen geplant. Wir setzen auf die kompetente Ruwel-Geschäftsführung aus Thomas Wittig und Jos van
Kempen.

Ruwel wird seine eigene Identität und Kultur also auch weiterhin bewahren können?

Ja! Je mehr wir die eigene Kultur dieses Unternehmens fördern, umso mehr spornen wir Ruwel an,  erfolgreich so weiterzumachen. Wir wollen sicherstellen, dass Ruwel in Deutschland im täglichen operativen Geschäft unabhängig agieren kann, ohne zu viel Kontrolle durch Unimicron. Denn das würde die Flexibilität von Ruwel einschränken.

Bilder: 6

Das Ruwel-Werk in Kunshan

Das Ruwel-Werk in Kunshan

Diese Strategie ist für einen taiwanesischen Investor eher ungewöhnlich …

 Das mag schon sein, aber alles andere wäre schlicht und einfach unklug. Wir wollen von der weit reichenden Erfahrung des Ruwel-Teams im Automotive-Bereich profitieren, um dieses Segment  auch bei uns zu etablieren. Denn noch ist das Automotive-Geschäft mit ihren besonderen Anforderungen rund um das Thema High Reliability völlig neu für Unimicron. Derzeit lernen wir also mehr, als dass wir kontrollieren.

Welche Bereiche adressieren Sie mit der High Reliability Business Unit?

Der neue Geschäftsbereich soll vor allem in qualitativer Hinsicht das »Tafelsilber« der Unimicron-Familie werden. Sie ist verantwortlich für die Herstellung und das Geschäft mit Leiterplatten für
Applikationen, die besonders hohen Ansprüchen an die Zuverlässigkeit gerecht werden müssen. Dies können sicherheitsrelevante Schaltungen sein, die hohen Temperaturschwankungen unterworfen sind, in rauer Umgebung eingesetzt werden oder außerordentlich lange Garantiezeiten aufweisen. Auch immer dann, wenn Feldausfälle eines Produktes zu kritischen Situationen führen können, die im schlimmsten Falle sogar Menschenleben gefährden, übernimmt die »High Reliability Business Unit« die Fertigung.

Also ist Ihre Zielgruppe mit der HRBU vorrangig die Automobilindustrie?

Auch, aber nicht ausschließlich. Die HRBU liefert Produkte und Services an die Automobilindustrie – Beispielanwendungen, in denen unsere Leiterplatten zum Einsatz kommen sind ESP, Airbag, ABS, Abstandskontrolle und Motormanagement, aber auch an die Industrietechnik – beispielsweise für Photovoltaik-Wechselrichter, Steuerungen für Hebezeuge, Transportsysteme, Kransysteme und Maschinensteuerungen. Darüber hinaus kommen unsere Produkte auch in der Medizintechnik zum Einsatz.