Insourcing vs. Outsourcing von EMS »Taktgeber ist der Markt«

Das solide Wachstum der letzten Jahre verdanken die Elektronikdienstleister dem Trend, dass OEMs ihre hauseigenen Fertigungen und weitere Wertschöpfungsschritte verstärkt ausgelagert haben. Steht ein Paradigmenwechsel bevor?

Die Antwort auf diese Frage ist vielschichtig und nicht einfach mit „Ja“ oder „Nein“ zu beobachten. Ging nach der großen Wirtschaftskrise im Jahr 2009 der Trend fast kompromisslos in Richtung Outsourcing und Auflösung OEM-eigener Fertigungen, so hängen heute derartige Entscheidungen von vielen Rahmenbedingungen ab.

Beim Forum „Elektronikdienstleistungen“  beobachtet Michael Velmeden, Geschäftsführer von cms electronics, einen Trend Richtung Insourcing aus der Motivation heraus, dass der Kunde die eigene Elektronikfertigung zurück ins Haus holt, um Kompetenz aufzubauen. Gleiches gilt laut Velmeden auch für die Entwicklung. »Eine Zeitlang war man der Meinung, die Elektronikfertigung muss außer Haus, denn sie kostet nur Geld. Dieses Paradigma hat sich jetzt etwas verändert. Die Wichtigkeit der Elektronik hat in der Wahrnehmung des Kunden zugenommen.«

Einige Teilnehmer des Markt&Technik-Forums EMS-Dienstleistung, darunter auch Arthur Rönisch, Geschäftsführer von Turck duotec, sehen das Insourcing nach wie vor als Ausnahme. Zwar habe ein Kunde eine eigene Elektronikfertigung aufgebaut, so Rönisch, dennoch fährt die Produktion von Turck duotec für diesen Kunden weiter hoch, weil der Kunde zweigleisig fahren möchte. »Das ist aber eine Ausnahme. Bei anderen Kunden beobachte ich eher das Gegenteil. Zudem bekomme ich immer wieder – und momentan sogar relativ viele – Übernahmeofferten. Das heißt, Firmen treten an uns heran, weil sie Bereiche auslagern wollen, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören. Insofern würde ich daraus interpretieren, dass es bei dem einen oder anderen Konzern Überlegungen gibt, eher einen Dienstleister zu nutzen.«

Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik, stellt zwar grundsätzlich fest, dass der Anteil des Outsourcings weiter zunimmt. »Getrieben wird diese Entwicklung durch das Bewusstsein für Know-how, aber auch, weil das Investment, um Elektronik zu produzieren, kontinuierlich steigt. Vor 30 oder 40 Jahren konnte man mit 100.000 DM SMT produzieren, heute bewegt sich das im Bereich mehrerer Millionen Euro.« Aber bei sehr komplexen Produkten sieht auch Weber, dass große internationale Kunden einzelne Technologien wieder zurück ins Haus holen. »Diesen Trend beobachte ich seit etwa zwei Jahren. Und dabei geht es nicht nur um die PCB-Bestückung, sondern um Assembly in Summe.«

Laut Roland Hollstein, Geschäftsführer von Grundig Business Systems, ist zumindest eine gewisse Stagnation bei der Vergabe von Fertigungsdienstleistungen zu beobachten. Für einen großen Kunden in der Region bestückt sein Unternehmen 60 bis 70 verschiedene elektronische Baugruppen. Gerne würde GBS den Auftrag in Richtung Montageteile ausweiten, aber diesen Part der Wertschöpfung möchte der Kunde bewusst bei sich am Standort behalten. »Der Kunde ist selbst Teil eines großen Unternehmensverbundes und will dadurch nicht zuletzt seine Daseinsberechtigung im Konzern untermauern«, erklärt Hollstein.