Smart Metering »Stromtacho« fürs Haus zeigt Energieverbrauch in Echtzeit

Verena wertet die Daten von elektronischen Zählern aus, zeigt den Energieverbrauch eines Haushalts in Echtzeit an und ermöglicht auf diese Weise eine exakte Verbrauchskontrolle.
Verena wertet die Daten von elektronischen Zählern aus, zeigt den Energieverbrauch eines Haushalts in Echtzeit an und ermöglicht auf diese Weise eine exakte Verbrauchskontrolle.

Im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes haben Arivus, die Ohm-Hochschule Nürnberg und das EMS-Unternehmen Vierling das Smart-Metering-System Verena entwickelt. Verena steht für Verbrauchsenergieassistent und fungiert quasi als »Stromtacho«: Es zeigt in Echtzeit an, wie viel Energie ein Haushalt verbraucht.

Verena wertet die Daten von elektronischen Zählern aus, zeigt den Energieverbrauch eines Haushalts in Echtzeit an und ermöglicht auf diese Weise eine exakte Verbrauchskontrolle. »Die Haushalte können so die Stromfresser identifizieren und gezielt Energie sparen und ihre Verbrauchskosten senken«, erklärt Erich Friedrich, Projektleiter Entwicklung von Vierling. Dabei nutzt das System standardisierte Schnittstellen, wodurch es mit verschiedenen elektronischen Zählern kompatibel ist.

Langfristig geht der Trend hin zur automatischen Auswertung und Steuerung des Verbrauchs auf Einzelgerätebene. Aufgrund lastvariabler und tageszeitabhängiger Energietarife können Haushalte künftig ihren Verbrauch direkt an den Strompreisen orientieren. »Kostet die Kilowattstunde ab sieben Uhr 10 statt 20 Cent, schalten sich Waschmaschine und Nachtspeicheröfen selbstständig ein«, schildert Friedrich beispielhaft das Zukunftsszenario. Dass solche Energiemessgeräte wie Verena Zukunft haben, meint auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und hat das Projekt über das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) seit 2009 gefördert.

Das elektronische Herzstück des Systems sind der Verena-Controller und das Touch-Display. Neben den absoluten Verbrauchsmengen zeigt es auch die Kosten und den CO2-Ausstoß an. Zudem kann das System die Einspeiseleistung eigener Photovoltaik- oder Windkraftanlagen berücksichtigen. Außerdem ist es in der Lage, elektronische Gas- und Wasserzähler auszuwerten. Alle Informationen laufen in einem Multi Utility Controller zusammen und gelangen von dort per LAN oder WLAN zu einem im Haus installierten Display. »Mit dessen Hilfe sind Verbraucher jederzeit in der Lage, die Informationen auf einen Blick auszuwerten«, erläutert Friedrich. »Alternativ lassen sich für die Visualisierung auch Computer, iPhone oder iPad verwenden. Sensible Daten bleiben bei diesem Verfahren im Haus. Niemand kann mit Hilfe der Verbrauchsdaten Rückschlüsse auf die Lebensgewohnheiten der Bewohner ziehen. Nur die notwendigen Daten gelangen an den Energieversorger, zum Beispiel für die monatliche Abrechnung.«

Für dieses gemeinsame Projekt haben die Entwicklungspartner ihre ganz unterschiedlichen Unternehmens- bzw. Know-how-Schwerpunkte in die Waagschale geworfen: Arivus die umfangreiche Erfahrung auf dem Energiemarkt, die Ohm-Hochschule Nürnberg ihr Know-how im Bereich Software und Usability. Das EMS-Unternehmen Vierling stellt einmal mehr unter Beweis, dass ein EMS-Unternehmen weit mehr kann, als »nur« fertigen. Die EMS-Spezialisten aus Franken haben neben der Fertigungsexpertise auch die Entwicklungskompetenz auf Hard- und Softwareebene in das Projekt eingebracht. Außerdem bringt Vierling als früheres Kommunikationstechnik-Unternehmen umfassendes Know-how aus Entwicklungsprojekten in diesem Segment mit. Als Full-Service-EMS-Dienstleister ist Vierling in der Lage, komplette Elektronikprojekte vom Produktkonzept über die Hard- und Softwareentwicklung bis hin zur Fertigung und Montage aus einer Hand anzubieten. Zudem übernimmt Vierling in diesem Fall die Tests und Prüfungen sowie die Materialbeschaffung und die internationale Auslieferung. Verena ebnet Vierling auch den Weg in das noch junge Geschäftsfeld der Energietechnik: »Die Energietechnik ist für uns als Full-Service-EMS eine viel versprechende Wachstumsbranche. Wir können durch dieses Projekt unser Know-how in den Segmenten Energietechnik, Smart Metering und Smart Grid aufbauen«, freut sich Friedrich.