Zertifizierung - wie funktioniert es richtig? »Stellen Sie die Weichen, bevor das Produkt im Zoll hängen geblieben ist!«

Dr. Martin Maywald, Fujitsu Technology Solutions: »Die Vorteile einer fachgerechten Zertifizierung bzw. Produktzulassung liegen auf der Hand: Kürzere Einführungszeiten bringen erhöhte Umsatzchancen und Vorteile gegenüber den Wettbewerbern«

Die Zahl der Normen und relevanten Prüfzeichen nehmen deutlich zu, und die Voraussetzungen für eine Produktzulassung sind weltweit inhomogen. Unter diesen Gesichtspunkten wird die Zertifizierung von Elektronikprodukten oft zum Hindernislauf. Unterstützung bieten Dienstleister wie das Product Compliance Center von Fujitsu Technoloy Solutions.

Das Team ist spezialisiert auf die Zertifizierung von IT- und Elektronikprodukten und stellt seine Expertise auch externen Kunden zur Verfügung. »Es erfordert viel Erfahrung, in diesem unübersichtlichen Gelände sicher zu navigieren«, erklärt Dr. Martin Maywald, Leiter des International Certification Team im Product Compliance Center von Fujitsu Technology Solutions. Warum überhaupt zertifzieren? »Die Vorteile einer fachgerechten Zertifizierung bzw. Produktzulassung liegen auf der Hand: Kürzere Einführungszeiten bringen erhöhte Umsatzchancen und Vorteile gegenüber den Wettbewerbern«, so Maywald. Insofern sei bei Unternehmen, die technische Produkte vermarkten möchten, das Bewusstsein für die Relevanz ordnungsgemäßer Zertifizierungen mittlerweile sicherlich gewachsen.

Weil jedoch die Ressourcen in vielen Unternehmen anderweitig gebunden sind, gehen die Firmen häufig nicht strukturiert vor. »In der Folge kommt es zu einer Reihe typischer Fehler«, weiß Maywald. Diese reichen von Formalismen in der Deklaration, wie der Angabe eines falschen Produktnamens oder veralteter Normen, über die falsche Kategorisierung des Produktes und fehlende Dokumente bis hin zur Vermarktung ohne die korrekten Zulassungen, was letztlich dazu führen kann, dass ein Unternehmen in einem Land gar nicht mehr ausliefern darf. Alle diese Fehler verursachen einen unnötigen Aufwand und kosten wertvolle Zeit, was letztendlich einen verzögerten Zugang zu den Zielmärkten und damit entgangene Umsätze bedeuten kann.

Die eigentliche Ursache für viele Probleme, die während des Zertifizierungsprozesses auftreten, liegt meist darin, dass es keine Zertifizierungsstrategie gibt, obwohl sich hier ein großes Potenzial an Kosten- und Zeitersparnis auftut. Dabei ist eine solide Zertifizierungsstrategie nach Ansicht von Dr. Maywald eine unverzichtbare Basis für den internationalen Marktzugang. Angesichts der Komplexität des Themas und der Vielfalt technischer Produkte empfiehlt er den Unternehmen: »Informieren Sie sich rechtzeitig und stellen Sie die Weichen, bevor der Vertrieb nachfragt, warum das Produkt im Zoll hängengeblieben ist.«

Die wichtigsten Fragen, die ein Unternehmen im Vorfeld klären muss, beziehen sich laut Dr. Maywald erstens auf die Länder, in denen ein Produkt vermarktet werden soll, zweitens auf den Lieferumfang und den Einsatzbereich der Produkte und drittens auf den Einbau von Funkschnittstellen an Geräten. Darüber hinaus spielt der Faktor Zeit eine zentrale Rolle.

Zielmärkte identifizieren

»Häufig streichen die Unternehmen während der Abwicklung der Zertifizierung die oft lange Liste von Ländern, in denen ein Produkt zugelassen werden soll, mit Blick auf die anfallenden Kosten sehr schnell zusammen«, weiß Dr. Maywald. Oft wird dabei jedoch übersehen, dass manche Zulassungen in einigen Ländern verpflichtend sind, in anderen jedoch freiwillig. Als Beispiel nennt Maywald das Singapore Safety Mark. Dieses Siegel ist für Home-Computer verpflichtend, bei Geräten für den professionellen Einsatz jedoch freiwillig. Hinzu kommt, dass die Frage nach dem Umfang der Zertifizierung auch zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden kann, etwa im Zulieferbereich. Selbst wenn zum Beispiel ein Hersteller den Marktzugang in einem Land ursprünglich nicht plante, kann die entsprechende Zertifizierung doch später Thema werden, wenn ein Kundenunternehmen das betreffende Bauteil in einem seiner Produkte verwenden möchte oder bereits verwendet hat und genau diesen Marktzugang anstrebt. »Auch wenn aufgrund der Kosten sicher kein Unternehmen seine Produkte über den vorgeschriebenen Standard hinaus zertifizieren wird, ist es hier doch wichtig, gut zu planen und dabei auch die Interessen wichtiger Abnehmer im Blick zu behalten, um sich nicht frühzeitig Marktchancen zu verbauen«, bekräftigt der Experte.

Einsatzbereiche und Lieferumfang klären

Um den Aufwand bei der Zertifizierung möglichst gering zu halten, ist vor der Zulassung für jedes Produkt unter Betrachtung der Anwendungsfälle zu klären, in welche Kategorie es optimalerweise eingeordnet werden sollte. Selbst innerhalb eines Bereichs muss man differenzieren. Beispiel Medizin: Es macht in Bezug auf die relevanten Vorschriften einen Unterschied, ob ein PC in einem Krankenhaussekretariat oder zur Steuerung des Computertomographen eingesetzt wird. Das nötige Wissen über Produktzulassungen hilft dabei, Kosten zu sparen.

Sonderfall: Geräte mit Funkschnittstellen

Besonders diffizil wird es immer dann, wenn in ein Gerät eine der heute gängigen Funkschnittstellen wie WLAN oder Bluetooth eingebaut wird. In diesem Fall müssen die Unternehmen eine Reihe zusätzlicher Normen und Vorschriften beachten. Sofern das schon bei der Entwicklung des Gerätes berücksichtigt wurde, gibt es wie auch schon im vorherigen Beispiel Möglichkeiten, durch die Wahl der richtigen Vorgehensweise bei der Zulassung Kosten zu senken. »Insbesondere ist hier vorab die Frage zu klären, welche Zulassungen das eingesetzte Funkmodul bereits mitbringt und ob diese verwendet werden können«, gibt Dr. Maywald zu bedenken. Denn wenn zum Beispiel einzelne Bauteile eines Produktes CE-zertifiziert sind, heißt das nicht, dass das Gesamtsystem ebenfalls CE-konform ist. Auch dies ist wiederum ein Beispiel für die Rückwirkung der Zertifizierungsstrategie in den Bereich der Produktdefinition und Entwicklung.

Der Faktor Zeit

Auch zu welchem Zeitpunkt eine Zertifizierung stattfindet und in welchem zeitlichen Rahmen sie abgewickelt wird, kann von großer Bedeutung sein. Erstens ist es wichtig, sich rechtzeitig mit dem Thema Zertifizierung auseinanderzusetzen. Relevante Vorschriften sollten die Firmen schon während der Entwicklung berücksichtigen. »Im schlimmsten Fall kann sonst ein aufwändiges Re-Design notwendig werden«, mahnt Dr. Maywald. Zudem sollte man einplanen, dass eine Zertifizierung je nach Land und »Lernkurve« bis zu 26 Wochen dauern kann. Fujitsu Technology Solutions bindet Zertifizierungsteam des unabhängigen Product Compliance Center bereits in einer sehr frühen Entwicklungsphase ein. Zusammen mit der Entwicklungsabteilung erarbeiten die Experten eine Zertifizierungsstrategie erarbeitet, um das Produkt zu einem möglichst frühen Zeitpunkt auf den Zielmärkten verkaufen zu können.

Das Product Compliance Center arbeitet mit einem langjährig gewachsenen, internationalen Partnernetzwerk zusammen, um Zulassungen möglichst effizient abzuwickeln. Von dieser Expertise profitieren seit 1996 auch externe Kunden. Zum Angebotsportfolio gehören u. a. Probe-Audits (CCC und ähnliche), Normen-Updates, Dokumenten-Checks, Ausstellung von CE-Erklärungen, Integrationsunterstützung. Das Product Compliance Center ist von der Deutschen Akkreditierungsstelle DAkkS nach DIN EN ISO/IEC 17025 zertifiziert und hält darüber hinaus weltweite Zertifikate, beispielsweise für die Überprüfung nach UL, CSA und FCC (USA), CCC (China), BSMI (Taiwan), MIC (Vietnam), VCCI (Japan), KC (Korea), C-Tick (Australien) und GOST-R (GUS-Staaten).

Über das Service- und Beratungsangebot rund um den Themenkomplex Zertifizierung hinaus bietet es unter dem Stichwort Compliance »Talks« auch eine Seminarreihe zu den zentralen Fragen des internationalen Marktzugangs an. Weitere Informationen stehen unter  http://ict.ts.fujitsu.com/de/ zur Verfügung. (zü) n