EMS helfen Jungunternehmen »Start-ups sind DIE Chance für Europa«

14 Elektronikdienstleister trafen sich zum alljährlichen EMS-Forum der Markt&Technik in den Räumen der WEKA Fachmedien in Haar bei München.
14 Elektronikdienstleister trafen sich zum alljährlichen EMS-Forum der Markt&Technik in den Räumen der WEKA Fachmedien in Haar bei München.

Start-ups in der DACH-Region sprühen vor Ideen, die der Elektronik teils ganz neue Anwendungsbereiche erschließen. Über deren Potenzial diskutierten Elektronikdienstleister beim Forum »EMS« auf Einladung der Markt&Technik.

Vom Longboard mit elektrischem Antrieb über Medizintechnik bis hin zum 3D-Drucker und Energiemanagement-System:

Bei der Hardware-Entwicklung, Industrialisierung und Fertigung werden die Jungunternehmer oft von EMS-Dienstleistern unterstützt. »Europa braucht neue Branchen, insofern ist es wichtig, wenn wir als EMS gezielt versuchen, Start-ups zu begleiten«, sagt Stephan Baur, Gesellschafter der BMK Group.

Berlin und München in Deutschland, Neuenburg und Zürich in der Schweiz sowie Graz und Wien in Österreich – das sind die Hot Spots für neue junge Unternehmen in der DACH-Region. »Die Zusammenarbeit mit Start-ups bringt sehr viele Chancen für Europa mit sich, weil damit hochinnovative Ideen und Produkte geboren werden«, unterstreicht Rüdiger Stahl, Geschäftsführer von TQ Systems. Große Unternehmen kaufen oft kleine oder ehemalige Start-ups, um deren Innovationen weiterzuentwickeln. In solchen Fällen vervielfachen sich meist die Stückzahlen, und das birgt nach den Worten von Stahl für Elektronikdienstleister viel Potenzial: »Wir haben schon einige große Kunden über Start-ups gewonnen, die von einem Konzern akquiriert wurden.«

TQ kooperiert eng mit Start-ups bzw. mit dem Business Incubation Center „ESA BIC“ in Oberpfaffenhofen. Das ESA BIC gehört im Verbund zur Europäischen Raumfahrt Agentur ESA. In den letzten zehn Jahren hat das ESA BIC mehr als 70 Firmen in der Gründung unterstützt. Entstanden sind daraus über 1000 Arbeitsplätze. Die Zusammenarbeit mit einem Business Incubation Center bringt laut Stahl einige Vorteile, weil der Elektronikdienstleister die Jung-Unternehmen nicht selbst evaluieren muss. »Wir sehen hier natürlich gut, welche Firmen wir unterstützen könnten, welche zu uns passen und wo wir Dienstleistungen einbringen können«, so Stahl weiter.  

»Wir als EMS können in vielen Bereichen dabei helfen, dass ein Start-up bzw. sein Produkt ein Erfolg wird«, unterstreicht auch Dr. Andrée Metzger, CFO der Lacon-Gruppe. Lacon engagiert sich ebenfalls intensiv im Start-up-Umfeld. »Wenn das Start-up ein Produkt entwickelt, ist es oft noch weit davon entfernt, marktreif zu sein«, so Metzger. Eine große Rolle spiele daher die Beratung durch den EMS, die noch intensiver sein müsse als bei einem klassischen Industriekunden. Metzger: »Was viele Start-ups tötet, ist, wenn die erste Serie produziert ist und fehlerhaft wieder zurückkommt. Dann ist die Cash-Flow-Planung relativ schnell am Ende und das Start-up insolvent.«

Wie weit der EMS ein Start-up in seiner Wertschöpfung unterstützt, ist ganz unterschiedlich: Die Möglichkeiten reichen von der Entwicklung, Zulassung und Industrialisierung bis hin zur Serienfertigung und dem Materialeinkauf inklusive After-Sales- und Reparatur-Service. Beim Materialeinkauf gibt es teils auch Schnittstellen zu Distributoren, die über ihre Start-up-Programme die Jung-Unternehmer beim Sourcing unterstützen.

Start-ups bieten aber auch eine gute Chance, um in einem verteilten Markt Fuß zu fassen und den Marktzugang zu erleichtern, wie Michael Velmeden schildert, Geschäftsführer von cms electronics: »Start-ups sind für uns ein guter Weg, um in neue Märkte hinein zu wachsen, wie etwa die Medizintechnik. Wir wollen ganz klar nicht als Investor auftreten, sondern eine Kunden-Lieferanten-Beziehung aufbauen, aber mit mehr Unterstützung als bei klassischen Kunden. Außerdem wollen wir auch aktiv mit Start-ups als Partner zusammenarbeiten und haben in einem Inkubator-Programm Suchfelder mit anderen Unternehmen in unserer Region Kärnten/Österreich definiert. Wir wollen dadurch die Kompetenzfelder unserer Region verbreitern.« Zwei dieser »Suchfelder« sind laut Velmeden Industrie 4.0 und Big Data.

Solche Partnerschaften mit Start-ups gibt es auch im Entwicklungsbereich. Turck duotec beispielsweise hat laut Geschäftsführer Arthur Rönisch bereits mehrere Kooperationen mit jungen Entwicklungs-Dienstleistern erfolgreich auf die Startrampe gehoben. Darunter ist auch die Firma edc, ein Ingenieursdienstleister aus Chemnitz. edc wurde 2009 als Start-up der Universität Chemnitz gegründet.

Die Zusammenarbeit mit Universitäten und jungen Ausgründungen nutzen viele EMS auch, um Zugang zu neuesten Technologien zu erhalten, berichtet Andreas Walter, Geschäftsführer von beflex: »Wir unterstützen Masterarbeiten zu innovativen Neuerungen und helfen dabei, das Produkt aus der Masterarbeit in den Markt zu bringen. Ein aktuelles Beispiel ist eine Arbeit zum Thema „Pitch 015“.