Digitalisierung in der Produktion So wird das MES schrittweise zum Impulsgeber

Die Produktionsdigitalisierung verlangt als Kernelement ein MES-System nach unternehmensindividuellem Bedarf. Der Aufbau muss jedoch nicht in einem Schwung erfolgen.

Vorteilhafter ist ein sukzessiver und ROI-orientierter Ansatz, bei dem erst dann der nächste Schritt vollzogen wird, wenn der vorherige Schritt bereits einen realen Nutzen generiert. Dadurch können die Investitionen jeweils durch die entstehenden Kostenersparnisse der vorangegangenen Maßnahme refinanziert werden.

Das MES-System stellt als Datendrehscheibe eine entscheidende Brücke in die Zukunft der Produktionsprozesse dar. Denn die Digitalisierung verlangt, dass dezentrale Echtzeitdaten zu den Maschinenauslastungen, Fertigungszeiten, Personalressourcen, Material- und Energieverbräuchen und mehr bereitgestellt werden. Ohne eine MES-Infrastruktur mit ERP-Integration und digitaler Informationslogistik ist im Produktionsmanagement kein Zukunftsmodell denkbar.

Eine Digitalisierung muss immer an den bestehenden Bedingungen in der Produktion anknüpfen. Dies macht eine genaue Betrachtung des Status quo erforderlich, bei der allerdings nicht nur die technische Infrastruktur im Hinblick auf die Digitalisierungsmöglichkeiten bewertet wird. Vielmehr bedarf es auch einer Identifikation der möglichen Optimierungspotenziale in einzelnen oder mehreren Fertigungsprozessen. »Zudem sollte im Anschluss an die initiale Status-Ermittlung auf Basis von produktionsspezifischen Kennzahlen und weiteren branchenspezifischen Benchmark-Daten eine seriöse Analyse der Kostenersparniseffekte in konkreten Euro-Werten vorgenommen werden«, urteilt Hans-Jürgen Kopp, Senior Consultant bei der Felten Group. Damit erhält das Unternehmen eine belastbare Orientierungshilfe für seine weiteren und zielgenauen Investitionsplanungen.

Um Schritt für Schritt beim Aufbau der MES-Landschaft vorgehen zu können, bedarf es einer systematischen Roadmap auf Basis einer vor dem ersten Projektstart erstellten Priorisierungsmatrix der Maßnahmen. Wesentliche Bewertungskriterien für die Abfolge der zu realisierenden Projekte sind der Umfang ganzheitlicher Verbesserungspotenziale und der wirtschaftliche Mehrwert, aber auch, wie schnell ein ROI erreicht werden kann. Dabei sollte zunächst mit Maßnahmen gestartet werden, die die größten Optimierungseffekte generieren. Denn dadurch wird erreicht, dass durch die wirksamen Kostenersparnisse die Investitionsbelastung deutlich reduziert wird.

»Für eine solche Vorgehensweise ist es empfehlenswert, zur Konzipierung des MES-Vorhabens zunächst einen Workshop durchzuführen, der im Einzelfall nicht länger als ein bis zwei Tage dauern muss«, weiß Kopp aus vielfältigen Projekterfahrungen. Damit werde eine Grundlage für die Ermittlung des prozessindividuellen Nutzens und der Investitionssicherheit geschaffen.

Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die MES-Einführung als ein Prozessthema verstanden werden sollte. »Wer die Verbesserungspotenziale maximal nutzen möchte, muss auch die Produktionsprozesse genau unter die Lupe nehmen. Erstens weil die Implementierung eines MES-Systems zwangsläufig auch Prozessänderungen zur Folge hat, und zweitens weil im Zuge des Projekts auch bisherige prozessuale Effizienzhürden beseitigt werden sollten.“