Interview mit Stephan Techau von DEK SMT-Fertigung: Gut gedruckt heißt - fast - gewonnen!

»Der Druckprozess ist der kostengünstigste Prozess in der SMT-Linie, dennoch ist er sehr störanfällig.«

Stefan Techau leitet als General Manager Electronics Assembly – Europe von DEK die deutsche Niederlassung in Bad Vilbel und damit das größte DEK-Team außerhalb der beiden Produktionsstandorte in England und China. Dass DEK gerade in Deutschland Flagge zeigt, kommt laut Techau nicht von ungefähr: »Deutschland ist für uns ein Schlüsselmarkt.«

Markt&Technik: Europa als Fertigungsstandort gibt aufgrund des hohen Kostendrucks immer wieder Anlass zu Spekulationen – wie beurteilen Sie die Zukunft der Elektronikfertigung in Europa im Vergleich zu Asien?


Stefan Techau: Der Kostendruck steigt nicht nur in Europa, sondern hat auch in Asien zugenommen. Beispielsweise sind die Löhne in China in den letzten beiden Jahren deutlich gestiegen. In den Hochburgen der herstellenden Elektronikindustrie in China berichten unsere Kunden sogar von Kostensteigerungen um die 20 Prozent pro Jahr. Kleine und mittlere Losgrößen komplexer Baugruppen sehe ich auch weiterhin als Domäne Europas an. Aber selbst innerhalb Europas ist das Bild nicht homogen. 
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Europa und allen voran Deutschland ein Innovationstreiber ist und hier viel Know-how konzentriert ist. Flexibilität zählt ebenfalls zu den herausragenden Attributen der europäischen Fertigung. Hinzu kommt, dass Mitarbeiter in Deutschland und Europa eine viel stärkere Bindung zu ihrem Arbeitgeber haben als in den meisten asiatischen Fertigungs-Regionen. Dadurch kann ein europäisches Unternehmen einen ganz anderen Erfahrungs- und Wissensschatz aufbauen. 
 
Mit 20.000 SMT-Druckern im Feld gehört der englische Hersteller DEK zu den weltweit führenden Playern in diesem Segment. Welchen Stellenwert nehmen Europa und Deutschland ein?

Global haben wir einen Anteil von über 35 Prozent, in Europa liegen wir mit über 50 Prozent an der Spitze. Diese Marktdurchdringung macht uns stolz und treibt uns auch zukünftig an, Innovationen zu entwickeln, die unsere Kunden wettbewerbsfähiger machen. Die Industrie steht vor einem großen Schritt in die weitere Miniaturisierung. Der Druckprozess ist mit heutigen Anlagen und klassischen SMT-Produkten sehr gut beherrschbar, jedoch wächst der Druck auf unsere Kunden, ein immer breiteres Spektrum an Bauelementen auf einer Leiterplatte zu verarbeiten. Dieser heterogene Mix wird den Druckprozess komplexer gestalten, und das bei hohem Kostendruck. Wir arbeiten an einigen Neuerungen, damit unsere Kunden diesen Aufgaben gewachsen sind. 
 
Sie sagten, der Markt werde globaler. Was heißt das für Sie als Hersteller?  

Damit meine ich die globale Ausrichtung vieler Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten. Konkret heißt das für uns, dass unsere Kunden heute einen Partner erwarten, der Produktionsstandorte in allen Regionen der Welt mit gleichbleibender Produkt- und Servicequalität bietet. Das heißt ein erfahrenes Werk in Deutschland erwartet den gleichen Support wie ein »Greenfield Investment« in Brasilien, Russland oder Indien. Dazu sind erfahrene Mitarbeiter und gute interne Kommunikations- und Verbesserungsprozesse notwendig.
 
Eigentlich ist der Druckprozess der einfachste Prozess der SMT-Fertigung. Wo gibt es dennoch Herausforderungen?

Autofahren ist eigentlich auch ganz einfach – der Druckprozess ist der kostengünstigste Prozess in der SMT-Linie, dennoch ist er sehr störanfällig. Unser Ziel muss es sein, die Kunden dabei zu unterstützen, die Qualität ihres Prozesses zu verbessern. Als erster Prozess in der Fertigungskette muss der Druck – möglichst – zu 100 Prozent sitzen. Wenn ich den Druckprozess optimal im Griff habe, ist schon eine gute Grundlage geschaffen, damit die SMT-Linie auch wirklich Qualität produziert. Hinzu kommt, wie schon vorher beleuchtet, dass unsere Kunden vor großen Herausforderungen in der Miniaturisierung stehen. Das ist wie Autofahren auf der Rennstrecke mit einem Familienauto.