Einkaufsmanager-Index Schluss mit Katerstimmung?

Die Kontraktion in Deutschlands Industriesektor hat sich zu Beginn des neuen Jahres abgeschwächt. Ausschlaggebend war vor allem das kleinste Minus der Neuaufträge seit fünfzehn Monaten, teilte der englische Finanzdienstleister IHS Markit in London mit.

Im ersten Monat des Jahres kletterte der saisonbereinigte IHS Markit/BME Einkaufsmanager-Index (EMI) auf 45,3 Punkte und erreichte damit ein Elfmonatshoch. Nach 43,7 im Dezember und dem Zehnjahrestief vom vergangenen September ist dies nun die dritte Verbesserung innerhalb der vergangenen vier Monate. Nichtsdestotrotz notiert der Index aber nach wie vor deutlich in der Schrumpfungszone.

„Der überraschend starke Anstieg des EMI könnte für die deutsche Industrie einen Wendepunkt bedeuten. Erfreulich ist insbesondere der wieder anziehende Teilindex Leistung, der verbesserte Jahresausblick und die rückläufigen Einkaufspreise“, betonte BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch am Mittwoch in Eschborn.

„Das Bild einer sich fangenden Konjunktur bleibt erhalten. Damit dürfte der Gegenwind, der der deutschen Industrie im vergangenen Jahr ins Gesicht blies, etwas abflauen“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Mittwoch dem BME.
Dennoch wachsen seiner Ansicht nach die Konjunkturbäume nicht in den Himmel. Zum einen kämpfe die deutsche Paradebranche – die Automobilindustrie – mit einem abrupten Strukturwandel, zum anderen würden sich die Einkommenszuwächse abflachen. Konjunkturelle Unterstützung komme aber vom Staat, der die Haushalte entlaste und weiterhin in die Infrastruktur investieren müsse. Kater: „Die konjunkturelle Erholung kommt, sie wird aber mühsam.“

„Zwar klettert der EMI auf ein Elfmonatshoch, doch von Aufschwungseuphorie kann bei den deutschen Unternehmen derzeit nicht die Rede sein“, teilte Katharina Huhn, Leiterin des Referats Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen im DIHK, am Mittwoch dem BME mit. Wenngleich die Exportgeschäfte wieder etwas besser liefen, werde die Produktion hierzulande weiter zurückgefahren und auch die Beschäftigung in der Industrie sinke. Die Nachfrage im Inland, wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sowie die Energie- und Rohstoffpreise seien für viele Unternehmen laut der DIHK-Konjunkturumfrage bedeutende Risiken. Damit die deutsche Wirtschaft wieder Rückenwind bekomme, „sollten wir uns noch intensiver Themen wie dem Modernisierungsbedarf und einer Beschleunigung von Infrastrukturprojekten, der Energiewende und den steigenden Energiepreisen zuwenden“, so Huhn abschließend.

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, am Mittwoch dem BME:

„Obwohl die Stahlschrottpreise im Januar 2020 erneut und die Stahlpreise erstmals seit Januar 2019 wieder anzogen, sind vorerst Preisrückgänge vor allem auch bei börsennotierten Rohstoffen zu erwarten. Grund sind vor allem die Auswirkungen des Coronavirus auf die chinesische und die globale Wirtschaft. Während die Primärerzeugung von Aluminium, Kupfer oder Zink im Reich der Mitte normal weiterläuft, wurden die Werksferien bei den Abnehmern deutlich verlängert. Zudem sind in der Volksrepublik aufgrund von Fahrverboten in bestimmten Regionen erhebliche Störungen in der Logistik zu beobachten. Dies führt zu temporären Überangeboten an Rohstoffen, die jedoch nach einer Normalisierung in China schnell abgebaut werden dürften.“