EMS-Firmen leiden unter Imagemangel Raus aus dem Schattendasein!

Beim Recruiting tun sich die Elektronikdienstleister - Electronic Manufacturing Services - oft noch schwer, weil sie nicht durch ein Hochglanz-Image punkten können. Dabei muss sich die Branche nicht verstecken.

Elektronikdienstleister – Electronic Manufacturing Services - sind das Rückgrat der Elektronikindustrie – und das nicht „nur“ bei der Produktion, sondern auch in der Entwicklung.

Zahlreiche OEMs greifen kontinuierlich oder projektweise auf deren Dienstleistungen zurück: In vielen Lieferketten ist inzwischen ein EMS als Tier 2, 3,X involviert – eigentlich ein Ritterschlag für die Branche. Doch in der Wahrnehmung vieler potenzieller Arbeitnehmer ist das EMS-Geschäft immer noch vergleichsweise „unsexy“. Steckt doch in den meisten Fällen keine bekannte Marke hinter einer EMS-Firma. Was der EMS für große und namhafte OEMs fertigt, geschieht quasi im Verborgenen und meist mit Non-Disclosure-Agreement. Arbeiten im Hintergrund ist schließlich die Basis des Dienstleistungsgeschäftes; keine hochglanzpolierten Image-Kampagnen, keine attraktiven Produkte für die Öffentlichkeitsarbeit, mit denen sich Mitarbeiter locken lassen.

Die EMS ziehen beim Recruiting von Facharbeitern bis hin zum Entwicklungsingenieur im Vergleich mit bekannten OEMs oft den Kürzeren. Dabei sind die Zeiten, in denen der EMS einfach nur die verlängerte Werkbank für die SMT- oder THT-Bestückung war, längst vorbei. Wer in dieser Industrie heute erfolgreich sein möchte, muss sich zwangsläufig am „Leading Edge“ der Elektronikfertigung bewegen und mit Entwicklungsfähigkeiten oder zumindest mit Engineering-Kompetenz fürs Desgin-for-Manufacturing aufwarten können. Auch sind die Anforderungen beim EMS »intrinsisch wesentlich höher als in anderen Geschäften«, meint Ralf Hasler, Geschäftsführer von Lacon und schildert das an einem Beispiel: »Wenn ein Ingenieur bei einem Automotive-OEM arbeitet, hat er ein überschaubares Artikelspektrum. Wenn er zu uns kommt, wird er mit einer immensen Vielfalt konfrontiert.«

Eine ruhige Kugel in der Komfortzone schieben kann beim EMS also niemand und auch beim Gehalt schneiden EMS im Vergleich mit OEMs oft schlechter ab. So versteht manch ein Berufsanfänger den EMS »als Durchlauferhitzer, um nach einer harten Schule beim OEM anzuheuern«, bringt es Stephan Baur, Gesellschafter von BMK auf den Punkt. Aber wer nicht monothematisch arbeiten möchte, findet als Facharbeiter oder Ingenieur beim EMS ein spannendes Betätigungsfeld durch viele vertikale Märkte hindurch: Automotive, Bahntechnik, Industrieelektronik, Luftfahrt, Telekommunikation sowie hochwertige Hausgeräte zählen zum Aktionsradius der Branche.

Mangel vom Werker bis zum Ingenieur

Offene Stellen gibt es in der EMS-Branche nicht nur auf Ingenieurs-Ebene, sondern durch alle Bereiche hindurch, auch die Werker sind je nach Region knapp. In den Ballungsräumen herrscht vielerorts Vollbeschäftigung und der Wettbewerb mit großen OEM-Namen ist dann erst recht sehr hoch. Strukturschwache ländliche Regionen sind für Arbeitnehmer wiederum nicht attraktiv, wie auch Jörg Neukirch weiß, Geschäftsführer der Neways-Vertriebs GmbH. »Für unseren Standort in Riesa ist das wirklich ein Problem, die Personalsuche dort bindet viel Kapazitäten.« Riesa liegt etwa 60 km von Dresden entfernt.

Dass Handwerkskräfte fehlen, sei allerdings in Deutschland nicht EMS- oder elektronikbranchenspezifisch, sondern politisch hausgemacht, meinen einige der von Markt&Technik befragten EMS-Firmen. Weil man die Studentenquoten erhöhen wollte, habe man vergessen, dass man mit dem hiesigen Ausbildungssystem eigentlich etwas sehr Wertvolles hat. Darunter hat das Image der Ausbildungsberufe ganz allgemein gelitten. In Deutschland wird vor allem in Großstädten von vielen Eltern die höhere Schullaufbahn ihrer Kinder mit anschließendem Studium forciert. In der Schweiz sei das anders, klärt Dr. Peter Schmitt auf, Business Director von CCS: »Hier genießen Handwerksberufe noch eine gute Reputation.«