EMS-Firmen leiden unter Imagemangel Raus aus dem Schattendasein!

Unkonventionelles Personalmarketing

Einige EMS-Firmen setzen für Werker-Tätigkeiten und in der Logistik daher auf Leiharbeitskräfte, um Spitzen abzufedern. »Durch eine Gesetzesänderung ist die Flexibilität hier allerdings geringer geworden«, merkt Roland Hollstein an, Geschäftsführer von Grundig Business Systems. »Die Einsatzzeit für Leiarbeitskräfte wurde von 18 auf 12 Monate verringert.« Dabei ist die Arbeitnehmerüberlassung für Grundig Business Systems ein probates Konzept, bei dem der Leiharbeiter schlussendlich auch fest übernommen wird, wenn Auftragslage und Qualifikation passen.

Letzteres ist allerdings nicht immer so einfach, bekräftigt Felix Timmerman, Executive Vice President von Asteelflash: »Angelernte Kräfte für ganz einfache Tätigkeiten gibt es bei uns nicht mehr. Das ist natürlich eine zusätzliche Barriere, denn wir können nicht jeden einstellen, sondern brauchen Leute, die ein entsprechendes Qualitätsniveau mitbringen.« Wie also können EMS die mannigfaltigen Herausforderungen bei der Personalsuche meistern? Die Branche muss ihr Image aufpolieren und die Reputation, die sie unzweifelhaft als Dienstleister in der Industrie genießt, besser in der Öffentlichkeit positionieren. Darin sind sich die von Markt&Technik befragten Firmen weitgehend einig.  

Personalmarketing für Kids

Viele versuchen bereits, durch unkonventionelle Personalmarketingaktionen und ein aufgemöbeltes Wording auf sich aufmerksam zu machen. »Wir stellen beim Mitarbeiter-Recruiting nicht EMS in den Vordergrund sondern die innovativen Elektronikprozesse«, bekundet Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik. Darüber hinaus baut Zollner vor allem auf die Mund-zu-Mund-Propaganda durch seine Mitarbeiter: »Der beste Werbeträger ist der Lehrling selbst, der auf Augenhöhe seine Erfahrungen an die jüngeren weitergibt.«

Durch Ferienjobs und Schulaktionen wollen die EMS-Firmen schon früh den Appetit für die Elektronik anregen. »Die Kinder von heute sind die Facharbeiter von morgen und für die müssen wir Elektronik begreifbar machen«, so Christian Groß, Executive Vice President Vertrieb von Turck duotec. Das Unternehmen engagiert sich deshalb schon in der Zusammenarbeit mit Schulen und hat jüngst den Schule Wirtschaftspreis in der Region errungen - vor dem allseits bekannten Unternehmen Hilti. Fürs Personalmarketing seien solche Aktionen sehr wertvoll, unterstreicht Groß.

Mit Schulsponsoring, langer Nacht der Forschung und Summer School in den großen Ferien baut Ginzinger electronic aus Oberösterreich seinen Bekanntheitsgrad beim potenziellen Nachwuchs aus und stellt auch gleich dessen Eignung auf die Probe: »In der Summer School haben wir zum Beispiel ein Rollenspiel entwickelt, bei dem man technische Lösungen verkaufen muss«, erklärt Andreas Pfeiffer, Bereichsleitung Kundenberatung und Marketing von Ginzinger electronic. Vielleicht wird das Engagement künftig auch auf Kindergärten ausgedehnt? Für Pfeiffer durchaus denkbar.

Österreich profitiert beim Recruiting von technischen Schulen, die anders als in Deutschland mit Matura – also Abitur – abgeschlossen werden kann. »Das ist für uns in Klagenfurt die Quelle für Nachwuchskräfte und hier stehen wir Pate für Projekt- und Abschlussarbeiten. Das ist ein guter Anknüpfungspunkt für uns, um die Leute in Traineeprogramme zu bringen«, berichtet Bernd Juppe, Director Sales & Marketing von cms electronics.

Und um junge Leute für BMK zu begeistern, schlüpft Stephan Baur an der Hochschule Augsburg für die Vorlesung „Fertigungstechnik“ sogar selbst in die Rolle des Dozenten. Fürs Recruiting junger Mitarbeiter hat die Elektronikindustrie darüber hinaus die sozialen Medien für sich entdeckt: Facebook und Youtube stehen nach Auskunft der Befragten dabei an erster Stelle. Aber nicht nur Youngsters sind gefragt. Asteelflash und andere EMS forcieren flankierend dazu die Zusammenarbeit mit älteren Mitarbeitern.

Smarte Tools und die Vorzüge der Arbeit 4.0 und der Digitalisierung können nach Ansicht der EMS-Firmen außerdem dazu beitragen, den Personalmangel zu lindern, etwa durch Weiterbildung von bestehenden Mitarbeitern. »Mitarbeiter, die möchten und das Talent dazu haben, werden bei uns weiterqualifiziert. So ist zum Beispiel ein Mitarbeiter, der früher THT-Bauteile bestückt hat, heute verantwortlich für eine ganze Fertigungsstraße«, schildert Timmermann. Chancen bietet die EMS-Industrie also nicht nur für Ingenieure, sondern auch für (Hand-)werker genügend.