ZVEI PCB & Electronic Systems Politische Turbulenzen drücken auf den Markt

Johann Weber (links) und Christoph Stoppok verkünden die Zahlen des Fachverbands PCB&Electronic Systems.

Handelskonflikte, Brexit, Krisen im Nahen Osten, etc. hinterlassen bei der Marktentwicklung für Leiterplatten, elektronische Komponenten und Baugruppen ihre Spuren. Das zeigen die vom ZVEI vorgestellten Zahlen und Fakten deutlich.

Nach 10 Jahren ist der Markt in Deutschland erstmals wieder rückläufig.
Als „Trumponomics“ bezeichnet Christoph Stoppok, Verbandsgeschäftsführer beim ZVEI Fachverband PCB & Electronic Systems die wirtschaftlichen „Muntermacher“, die derzeit die Entwicklung in den USA prägen. Mittels Steuererleichterungen, Zöllen und Sanktionen hat US-Präsident Trump versucht, seine Wirtschaft anzukurbeln. „Beides funktioniert aber nicht wirklich“, sagt Stoppok. Im Gegenteil, die Unsicherheit nimmt zu, der Dollar wird stärker und das Leistungsbilanzdefizit steigt. „Eigentlich wollte Trump verhindern dass der Dollar im Wert weiter steigt. Aber es gibt eben nicht alles drei: Brummende Wirtschaft, Handelskrieg und den schwachen Dollar“, fasst Stoppok zusammen.

Und der Preis für die Bauelemente-Industrie ist hoch: Weltweit ist der Markt für elektronische Komponenten rückläufig: in Dollar gerechnet ergibt sich ein Minus von 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2018.

Ein Blick nach Deutschland und Europa zeigt folgendes: 

„Der deutsche Markt für elektronische Bauelemente wird zum Jahresende 2019 einen Rückgang um gut vier Prozent aufweisen und mit einem Umsatz von 20 Milliarden Euro nur das Umsatzniveau von 2017 erreichen“, prognostiziert Johann Weber, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands PCB and Electronic Systems, anlässlich productronica. „Die rückläufige Entwicklung des deutschen Markts ist im Wesentlichen auf die Branche der Halbleiterbauelemente zurückzuführen, die voraussichtlich ein Minus von knapp 8 Prozent verbuchen wird“, ergänzt Weber. Die Branche nimmt einen Anteil von 70 Prozent des Markts der elektronischen Bauelemente ein.

Für den europäischen Markt wird 2019 das Vorjahresniveau und damit ein Umsatz von knapp 57 Milliarden Euro erreicht werden, so die Prognose des Fachverbandsvorsitzenden. Der Weltmarkt werde um 9 Prozent auf circa 592 Milliarden US-Dollar schrumpfen, was auf die sich abschwächende Weltwirtschaft zurückzuführen sei. Diese bedinge eine geringere Nachfrage nach elektronischen Bauelementen. „Allerdings müssen wir berücksichtigen, dass der Weltmarkt von 2015 bis 2018 um knapp 36 Prozent zugelegt hat und damit neue Rekordumsätze erzielen konnte“, fügt Weber hinzu. 

Den stärksten Rückgang wird laut Weber Amerika mit minus 17 Prozent auf 107 Milliarden US-Dollar verbuchen müssen, gefolgt von China, das etwa acht Prozent auf 217 Milliarden US-Dollar an Umsatz verliert. Damit erzielt der chinesische Markt für elektronische Bauelemente dennoch gut ein Drittel des Weltumsatzes und liegt somit in der Branche auf dem ersten Platz der umsatzstärkten Märkte. Es folgen die Märkte in Japan mit minus 6 Prozent (55 Milliarden US-Dollar) und Europa mit minus 4 Prozent (64 Milliarden US-Dollar). 

Weber erklärt, dass die rückläufigen Märkte die Verunsicherung der Marktakteure wiederspiegeln. Ausgelöst werde diese Verunsicherung etwa durch den Handelskonflikt zwischen den USA, China und Europa, den bevorstehenden Brexit, die Krisen im Nahen Osten sowie die hohe Staatsverschuldung einer großen Anzahl von Ländern.

Die gute Nachricht: Trotz des Rückgangs herrscht nach wie vor ein Job-Boom in Industrieländern. 2/3 der OECD-Länder weisen eine rekordhohe Beschäftigung auf. Wer geeignete Mitarbeiter gefunden hat, behält sie in der Regel bzw. stellen viele Firmen weiterhin ein, auch wenn sie in diesem Jahr einen Umsatzrückgang hinnehmen müssen.