Geinsam effizienter sein OEM und EMS können viel voneinander lernen!

Ermuntert zum offenen Dialog zwischen OEM und EMS: Matthias Holsten, Geschäftsführer der Plath EFT GmbH (rechts), mit Hubertus Andreae, Referent und Prozessberater der Elektronikindustrie
Ermuntert zum offenen Dialog zwischen OEM und EMS: Matthias Holsten, Geschäftsführer der Plath EFT GmbH (rechts), mit Hubertus Andreae, Referent und Prozessberater der Elektronikindustrie

Wie lässt sich die Zusammenarbeit zwischen EMS und OEM verbessern? Antworten auf diese Frage lieferte der erste »EFT-day« des EMS-Dienstleisters Plath EFT.

Theoretisch scheint alles ganz simpel: Ein OEM entwickelt ein neues Produkt und vergibt die Fertigung an einen EMS-Dienstleister. In der Praxis prallen hier allerdings oft zwei Welten aufeinander: Sieht der Entwickler vorrangig die technischen Produkteigenschaften, ist ein Fertiger auf technisch sichere Reproduktion fixiert.

Partnerschaftliche Zusammenarbeit praktizieren und deren Umsetzung effizienter angehen - um diesem Ziel  einen Schritt näher zu rief Matthias Holsten, Geschäftsführer von Plath EFT den EFT-day ins Leben:  Hauptreferent Hubertus Andreae, selbständiger Prozessberater und Branchenkenner der Elektronikindustrie setzte sowohl aus der Sicht eines OEM wie auch aus der der EMS-Unternehmen, mit der gesamten Prozesskette im Detail auseinander: »Der Misserfolg ist meist kein Indikator für die Marktsituation, sondern ein Indiz, dass man Prozessschwächen nicht in den Griff bekommt«, stellt er klar.

Beide Seiten, OEM und EMS, bestätigen die hohe gegenseitige Verzahnung im Projektprozess. Diese enge Verzahnung positiv zu verstehen gelinge aber nach Ansicht von Hubertus Andreae nur, wenn beide Seiten auch bereit sind zu einer besseren Prozess- und Informationsvernetzung. Hier täte die OEM-Seite gut daran, mehr Beratungskompetenz aus den Reihen der EMS-Firmen zu akzeptieren und anzunehmen. Die Produktbegleitung durch einen EMS sei notwendig, das »Alleine machen« schon aus finanziellen Gründen der falsche Weg. Allerdings sollten beide Partner methodische Ansätze entwickeln, die zu geringeren Gemeinkosten und zur Leistungssteigerung führen, empfiehlt Andreae.

Synergieeffekte besser nutzen

In Deutschland gibt es, laut Angaben von Andreae, rund 350 bis 400 EMS-Unternehmen: Sie erwirtschaften aus einem jährlichen Produktionsvolumen von rund 24 Mrd. Euro einen OEM-Projektumsatz von ca. 2 Mrd. EUR - und damit unter 10 Prozent. Immer schneller reagierende Märkte stellen die OEMs unter einen enormen Druck: In der Folge kommen auf einen typischen EMS-Dienstleister - einen solch »typischen EMS« beziffert Andreae auf 15 bis 20 Mio. Euro Umsatz - jährlich rund 500 Kundenanfragen zu. Aber nur 20 Prozent führen letztlich zu konkreten  Projekten für den EMS. Dass dabei ein Kostenfaktor von cirka 1000 Euro pro Kalkulation zu Buche schlägt, ist vielen EMS-Dienstleistern nicht bewusst - oder die Tatsache wird schlichtweg verdrängt.

Den notwendige Zeitvorsprung gegenüber dem Wettwerber, ein Produkt just-in-time auf den Markt zu bringen, erzielt ein OEM am besten im engen Zusammenspiel mit dem EMS - das Bewusstsein, beiderseitig Synergien zu nutzen, sei, so Andreae, dringend erforderlich. So ist es nach seiner Erfahrung bei Terminverschiebungen oberstes Gebot, die Termin- mit der Prozesskette laufend miteinander abzugleichen. Hilfreich und effizient sei zudem ein unmissverständliches, gegenseitig transparentes Auftragsmanagement. Klare Lieferbedingungen und Konditionen festigen die Geschäftsbeziehung, gerade bei speziellen EMS-Dienstleistungen, die den Auftragsgeber merklich entlasten. »Es ist ein Irrglaube, dass vermeintlich kostenlose EMS-Services nichts kosten«, so Andreae. Das Ziel beider Parteien sollte es sein, die Beziehung stabil zu gestalten, durch bessere Prozessvernetzung. Fände keine Aufarbeitung der kritischen Punkte statt, träten beim EMS-Wechsel die gleichen Probleme wieder auf. »Sich nur die Rosinen herauszupicken führt zur Nomadisierung, partnerschaftliche Zusammenarbeit bleibt da aus«, so Andreae.