Risiko abgekündigte Komponenten Obsolescence-Management: Vorausschauen hilft!

Werden Komponenten abgekündigt, kann der Schaden für die Kunden enorm sein. »Hier ist guter Rat teuer«, weiß Steffen Rocke, Ingenieur des EMS- und Entwicklungsunternehmens tecnotron. Er empfiehlt, rechtzeitig in die »Zukunft« zu schauen, zum Beispiel mit Hilfe der Obsolescence-Datenbank PUMA von IHS. Denn das hilft, das Abkündigungsrisiko deutlich zu reduzieren.

»Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir Ihre Bestellung vom 15.12.2011 über 2.800 Stück Mikroprozessoren Typ: XYZ 121314 - AB nicht mehr annehmen können, weil der Hersteller dieses Bauteil ersatzlos aus seinem Produktportfolio genommen hat. Wir haben Ihr Unternehmen am 27.05.2011 darüber schriftlich informiert und Ihnen die Möglichkeit einer letzten Bestellung (Last Time Buy ) bis spätestens 27.11.2011 eingeräumt. Dieser Termin ist leider zu unserem großen Bedauern verstrichen«, zitiert Rocke aus dem Brief eines Distributors.    

Die Abkündigung von Bauteilen ist Alltag: »Ca. 60 Prozent aller in der Elektronikbranche eingesetzten Bauteile sind voraussichtlich innerhalb der nächsten fünf bis sechs Jahre obsolet«, weiß Rocke. Die Bauteile- und Komponentenentwicklung in der Elektronik befindet sich stets auf dem Zenit der technischen Machbarkeit: Schließlich haben die Hersteller das Ziel, sich durch innovative neue Bauteile einen möglichst hohen Marktanteil zu sichern. Dadurch entwickelt sich ein Kreislauf stetiger Bauteilneuentwicklungen mit der Konsequenz, dass technisch überholte und wirtschaftlich uninteressante Komponenten vom Markt genommen werden.

In Anbetracht dieser Tatsache entscheidet der Hersteller über die Lebensberechtigung von betagten oder auch neuen Bauteilen und informiert – im Idealfall – die Elektronikindustrie und gezielt seine Kunden über eine bevorstehende Produktionseinstellung. Zugleich macht er das Angebot eines »Last Time Buy« mit einer verbindlichen Datumsangabe. »Danach ist dieses Bauteil meist nur noch über Bauteile-Broker, oft ohne Gewährleistungsansprüche und nur gegen Vorkasse, zu haben – Pech für denjenigen, der z.B. auf diesem Wege Fälschungen aus Asien einkauft.

Mit Röntgenaufnahmen kann man diese Plagiate durchleuchten, rein äußerlich ist meist kein Unterschied zu erkennen. Eine Röntgenaufnahme zeigt die Bonddrähte und den Die. In vielen Fällen ist bei den Plagiaten entweder gar nichts vorhanden oder das Innenleben entspricht nicht dem Original. Auch kann es vorkommen, dass ein Broker ausgelötete gebrauchte Bauteile liefert, an denen die Lötpins aufgefrischt wurden. Das lässt sich allerdings nur mit einem Materialschliff des Lötpins feststellen.

Obsolescence Management mit der Datenbank PUMA

Die Hersteller informieren über die Lebenserwartung (Lifecycle) und den -status ihrer Elektronikbauteile normalerweise in der weltweit bekannten Datenbank PUMA (Parts Universe Materials Analysis) von IHS (www.ihs.com). Nach Ansicht von Rocke ist das die größte und umfassendste Datenbank ihrer Art – in der Qualität, Vollständigkeit und der Konsistenz.

Die Informationen von mehr als 65 Millionen Bauteilen von über 500 Herstellern werden dort gepflegt, wobei fast 10 Millionen Bauteile bereits abgekündigt sind. Für dort nicht auffindbare Sonder-Bauteile müssen allerdings auch heute noch Informationen bei den Herstellern eingeholt werden. Die Stücklisten werden analysiert und der Bauteilestatus wird in der Reihenfolge der Kritikalität des Life Cycle Stage (LCS) in Verbindung mit dem Life Cycle Code (LCC) in einer Bewertung von 1 bis 5 dargestellt. Die Spalte YTEOL (Years to end of life) informiert über die voraussichtliche Lebenserwartung der Komponenten in Jahren. LTB Date (Last time buy) und LTD (Last delivery date) enthalten das Datum der letzten Bestell- und Liefermöglichkkeit des Bauteils. Unter der Rubrik »Remark« weist der Report auf äquivalente oder ähnliche Bauteile hin.