Proaktiv gegen Ausfallerscheinungen »Obsolescence-Management beginnt in der Produktentwicklung«

Regelmäßige Abkündigungen und Produktumstellungen asiatischer Hersteller haben Rafi zum Ausbau der eigenen Glassensor-Fertigung bewogen, um die von Kunden geforderte Langzeit-Verfügbarkeit zu gewährleisten.

Verkürzte Produktzyklen und die schnellere Abkündigung von Komponenten können die Produktverfügbarkeit und Ersatzteilverpflichtung erheblich beeinträchtigen.

Diese müssen schon bei der Produktentwicklung und Bauteilauswahl berücksichtigt werden, so Joachim Tosberg von Rafi. Im Interview erklärt er, worauf es dabei ankommt.

Markt&Technik: Herr Tosberg, Sie wurden im Frühjahr dieses Jahres in den Vorstand der Component Obsolescence Group Deutschland (COGD) gewählt. Was hat Rafi in erster Linie zur Mitgliedschaft bewogen?

Joachim Tosberg: In den letzten Jahren verzeichnen wir einen starken Anstieg durch Obsolescence bedingter Änderungen. Bis zu einem gewissen Grad lässt sich dies mit einem reaktiven Änderungsmanagement bewältigen, zumindest wenn man die technischen Modifikationen allein betrachtet. Die größere Herausforderung liegt darin, dass sich eine Änderung oder Obsolescence auf viele verschiedene Produkte mit unterschiedlichen Laufzeiten auswirkt. Richtig kompliziert wird es, wenn zulassungspflichtige Produkte aus der Automobilindustrie oder der Medizintechnik betroffen sind. Weil solche Zulassungen über die gesamte Laufzeit des Produktes bindend sind, müssen Bauteiländerungen dem Kunden angezeigt werden und sind womöglich mit umfangreichen und kostspieligen Validierungen verbunden. Deshalb empfiehlt es sich, Obsolescence-Risiken vorzeitig bzw. proaktiv anzugehen – auch im Hinblick auf die steigenden Kundenerwartungen an ein funktionierendes Life-Cycle- und Obsolescence-Management.

Aus diesen Gründen haben wir Kontakt mit dem COGD aufgenommen und waren 2016 auf dem 4. Quartals-Meeting erstmals als Gast vertreten. Der Austausch in den Arbeitsgruppen und im COGD-Netzwerk hat uns in der Ausrichtung unseres Obsolescence-Managements bestärkt. Als Mitglied bringen wir unsere Kompetenzen in das branchenübergreifende Netzwerk ein und profitieren vom gebündelten Know-how, das alle beteiligten Unternehmen zu diesem Themenkomplex beisteuern. Denn über eines muss man sich klar sein: Wir können Obsolescence nicht verhindern. Aber wir können lernen, sie so zu managen, dass die Auswirkungen auf Unternehmen und Kunden möglichst gering ausfallen.

Welche Schwerpunkte setzen Sie als neues Vorstandsmitglied?

Ein Schwerpunkt meiner Vorstandstätigkeit ist die Betreuung und Organisation der Arbeitsgruppen, die sich mit verschiedensten Themen rund um das Obsolescence-Management beschäftigen. Hier werden nach dem Best-Practice-Prinzip Handlungsempfehlungen und Leitfäden zum Umgang mit Obsolescence erarbeitet und den COGD-Mitgliedern zugänglich gemacht. Aktuell wirke ich in zwei Arbeitsgruppen zum Life-Cycle-Forecast bei Elektronikkomponenten sowie der Erstellung von Leitlinien zum Management von Produktabkündigungen mit. Außerdem werde ich, wie alle Vorstandsmitglieder, Werbung für die COGD machen. Am Obsolescence-Day der COGD auf der electronica 2018 in München war das Interesse an den verschiedenen Vorträgen enorm. Das Obsolescence-Risiko ist vielen Firmen also schon bekannt. Aber es gilt das Bewusstsein zu schärfen und zu verdeutlichen, wie die COGD mit ihrem Netzwerk die Unternehmen bei Aufbau und Durchführung eines proaktiven Obsolescence-Managements unterstützen kann.