Wie "grün" produzieren die EMS-Firmen? »Nur wenn die gesamte Supply Chain Umweltstandards erfüllt, ist das Endprodukt wirklich grün!«

Rüdiger Stahl, TQ: »Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang die Herstellung von unbestückten Leiterplatten. Heute kommen diese häufig aus China. Wer aber weiß genau, wo und wie seine Leiterplatten dort produziert werden und insbesondere wie es dort um Arbeitsbedingungen, Gesundheitsschutz und Umweltschutz steht?«

Ein Produkt mit einer guten Ökobilanz zu entwickeln ist nur eine Seite der grünen Medaille. Entscheidend ist auch, wie umweltkonform und energieeffizient ein Produkt gefertigt wird. Wie "grün" wird hierzulande wirklich produziert? Wir haben dazu drei EMS-Firmen aus Deutschland und Österreich befragt.

Viele EMS-Firmen (EMS: Electronic Manufacturing Services) im deutschsprachigen Raum haben in Sachen umweltkonformer Produktion ihre Hausaufgaben bereits gemacht. Die Zertifzierung nach ISO 14001, die u. a. auch das Umweltmanagement im Unternehmen einschließt, gehört schon fast zum Standard.

In Folge dessen können die Auftragsfertiger mit stolzen Bilanzen aufwarten: So stieg beispielsweise der Energieverbrauch bei cms electronics trotz einer Verdoppelung der SMT-Linien von 3 (2007) auf 6 Linien (2011) nur um 34 Prozent. Natürlich lassen sich solche Erfolge nicht über Nacht erzielen. Schon seit 1995 arbeitet cms electronics an zahlreichen Stellhebeln, um seine »grünen« Bilanz umfänglich zu verbessern: Reduziert hat der Auftragsfertiger zum Beispiel Chemikalien wie Löse- und Flussmittel, ein System eingeführt, mit dem sich Zinn rück gewinnen lässt, die  Kühl- und Klimatisierungsanlagen gekoppelt, die Stickstoffeffizienz gesteigert und seine Emissionswerte durch Kondensationsanlagen im Reflowlötbereich gesenkt. Aber auch die Produktionsprozesse selber habe cms electronics deutlich optimiert, wie Velmeden betont – und das führe wiederum zu einem höheren Durchsatz in kürzerer Zeit und helfe dabei Ressourcen, Hilfsmaterialien und Energie zu sparen. 

Groß geschrieben wird das Thema »Grüne Produktion« auch bei Zollner Elektronik: »Wir erstellen jährlich ein Umwelt/Energieprogramm. In allen Zielplänen der einzelnen Abteilungen legen wir auch entsprechende Umweltziele fest«, betont Johann Weber, Vorstansvorsitzender von Zollner Elektronik. So sind alleine im Bereich Facility Managements für die deutschen Zollner Standorte zwei Mitarbeiter mit diesem Themenkomplex beschäftigt. Aber nicht nur in Deutschland, sondern in allen Produktionen gibt es zusätzlich namentlich benannte Energiebeauftragte, die regelmäßig die Energieeinsparpotentiale ermitteln und an das Facility Management melden, stellt Weber klar. Um den bewussten Umgang mit Energie in den Köpfen der Mitarbeiter zu verankern, gehören Schulungen außerdem zum festen Bestandteil der Mitarbeiterweiterbildung bei Zollner.    

Die Ausstattung der Büros und des Produktionsbereiches sind bei Zollner im hauseigenen »energetischen Leitfaden« geregelt. Dieser standardisiert innerhalb des Unternehmens u. a. die Beleuchtung, die Druckluft, den Stickstoff sowie Kühlung und  Wärmerückgewinnung. So ist es Zollner beispielsweise gelungen, trotz eines höheren Produktionsvolumens und des damit verbundenen Ausbau des Maschinenparks den Druckluftverbrauch in den letzten Jahren konstant zu halten. Möglich machten das ein niedriger Betriebsdrucks, der Einbau einer neuen übergeordneten Steuerung und ein aus- bzw. umgebautes Druckluftnetz. Außerdem sorgt eine zusätzliche Absauge-Vorrichtung der Reflowöfen dafür, dass deren Wärmeabgabe die Klimaanlagen deutlich weniger belastet: »Trotz einer externen Wasserkühlung der Reflowöfen geben diese noch sehr viel Wärme an die Produktionshalle ab. In den Zollner Produktionsbereichen sind oft bis zu 6 Reflowöfen in einer Halle. Durch eine zusätzliche Absaugung an den wärmeerzeugenden Stellen haben wir die notwendige Leistung der Klimaanlage signifikant gesenkt«, erklärt Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik. 

Der Energieverbrauch ist laut Aussage der EMS-Firmen dementsprechend auch ein wichtiges Entscheidungskriterium beim Kauf von Maschinen und schützte dabei nicht nur die Umwelt sondern helfe auch, Geld zu sparen, wie Stahl erklärt: »Gut isolierte, energiesparende Lötanlagen zum Beispiel verbrauchen nicht nur selbst weniger Strom, sondern entlasten auch die Klimatisierung und helfen somit in der heißen Jahreszeit doppelt sparen.«