Elektronikdienstleister zu Trumps Zöllen Nur Fluch - oder auch Segen?

Ausnahmsweise Sakko-frei bei 35 Grad im Schatten: CEOs und Manager von Elektronikdienstleistern bzw. EMS-Firmen diskutierten auf Einladung der Markt&Technik.

Die Schutzzoll-Politik von US-Präsident Donald Trump hat erwartungsgemäß Auswirkungen auf die Elektronikindustrie und war Gesprächsthema bei Markt&Technik Forum.

Auch nach dem Besuch von Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission, bei Trump Ende Juli und dessen Zusage, die bestehenden Schutzzölle prüfen zu wollen, hat sich bis dato nichts geändert. Auf Einladung der Markt&Technik diskutierten Vertreter europa- und weltweit agierender Elektronikdienstleister unter anderem die Folgen von Trumps Protektionismus.

Nach den Worten von Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik, Europas größtem Elektronikdienstleister, schlagen die Schutzzölle bei elektronischen Baugruppen und Modulen zu Buche, die Zollner aus Europa oder China in die USA liefert: »25 Prozent tun natürlich weh. Wir diskutieren mit den Kunden zwar darüber, dass diese Kosten anfallen, für die wir schließlich nichts können, aber das sind schwierige Gespräche«, bekundet Weber. Dienstleister trifft das Problem besonders hart, da die zusätzlichen Kosten erst einmal an ihnen hängen bleiben, wenn der Kunde keine Einsicht zeigt. Die sowieso niedrigen Margen bei der Auftragsfertigung sind da schnell aufgezehrt.

Auch diverse Materialien, die in der Elektronikindustrie zum Einsatz kommen, stehen auf Trumps Schutzzoll-Liste, und das hat zur Folge, dass Zölle unter Umständen sogar doppelt entrichtet werden müssen, wie Weber an einem Beispiel erklärt: »Metall, das in der EU gekauft wird, in den USA speziell behandelt und schließlich wieder zurück nach Europa gelangt, um hier in Systeme integriert zu werden, die dann wieder in die USA geliefert werden, verursacht letztlich zweimal die Schutzzollgebühr und das ist natürlich schon kritisch.«

Ob Trump das bedacht und gewollt hat? Stephan Baur, Gesellschafter von BMK, meint: »Der Konflikt zwischen USA und China wird auf wirtschaftlicher und technologischer Ebene ausgetragen, wo früher Kriege geführt wurden. Das hat Trump sehr gut erkannt und hat alle Pfeile im Köcher. Der Aufstieg Chinas ist nicht wegzudiskutieren und die USA setzt sich dem zur Wehr; wir als Europa sind auf eine undurchsichtige Weise mit im Boot.«