Umfrage zur aktuellen Liefersituation Nicht nur China ist das Nadelöhr

Die Mehrheit der von Markt&Technik befragten Hersteller elektronischer Geräte lokalisiert aktuelle Probleme in der Lieferkette vor allem in China – trotz aller Meldungen über eine Normalisierung der Lage dort. Aber auch die Situation in anderen Ländern trägt zur Verschärfung der Lieferprobleme bei.

In einer großen Umfrage hat Markt&Technik führende Hersteller elektronischer Geräte um eine Stellungnahme zur Situation der Lager und der Lieferketten gebeten. Die ausführlichen Statements der mehr als 20 Hersteller sind in der Bildergalerie zusammengefasst.

Laut der Umfrage es ist nicht nur die Situation in China, die zu Problemen in der Lieferkette führt, es sind auch die Shutdown-Maßnahmen in Malaysia, den Philippinen und Indien. Während im Zusammenhang mit China vor allem von Lieferproblemen im Leiterplattenbereiche sowie bei passiven und elektromechanischen Bauelemente die Rede ist, schlagen im Fall Malaysia und Indien vor allem die durch die Lockdowns verursachten Lieferausfälle im Halbleiterbereich durch. Offensichtlich bezieht ein nicht unerheblicher Teil der befragten Elektronikhersteller Halbleiter-ICs aus indischen Produktionsstätten.

Wenn es wirklich eng wird, dann sind davon häufig die alten Bekannten aus der letzten Allokations-Phase 2017/18 betroffen: MLCC, Widerstände und verschiedene Kondensatoren. Dabei dürfte die Unsicherheit darüber, wie lange die Lockdowns andauern, und wie es nach dem Ende der Lockdowns weitergehen wird, die Situation zusätzlich verschärfen. Wie in Allokationszeiten führt die Unsicherheit dazu, sich lieber zu viel als zu wenig Material auf´s Lager zu legen. So gibt der Großteil der befragten Unternehmen an, seine Produktions- und Lieferverpflichtungen aktuell noch fast ohne Einschränkungen erfüllen zu können. Die Lagerbestände reichen offenbar je nach Größe des Unternehmens und dem von ihm angebotenen Produktspektrum aktuell noch für eine Zeitspanne zwischen sechs Wochen und drei Monaten. Sollte sich die Situation bis dahin nicht normalisieren, dürfte es nicht nur für einige wenige Unternehmen kritisch werden.

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Umfrage zur Liefersituation

Die Statements der Hersteller

Aktuell sehen die befragten Unternehmen die größten Herausforderungen in der Lieferkette. Das reicht von der Sorge um das finanzielle Durchhaltevermögen von Zulieferern in Zeiten der regionalen Lockdowns, über Transport- und Logistikprobleme, die sich am eklatantesten beim Thema Luftfracht ergeben. Dort sind die Kilopreise in den letzten Wochen, vor allem für Flüge aus China, in die Höhe geschossen. Doch auch wenn die Ware per Schiff oder Zug geliefert wird, sind da immer noch die Verzögerungen, die sich durch überlastete Zollabteilungen ergeben.

Im schlechtesten Fall können sich so Verzögerungen bis zu einem Monat aufsummieren, die dann auf die Produktionsabläufe durchschlagen.
Sorgen bereitet den Unternehmen, die derzeit nicht systemrelevante Geräte oder Komponenten und Subsysteme herstellen, die Priorisierung der Produktion für medizintechnische Lösungen. Sonstige Industriebedarfe, so die Befürchtung, drohten da kurz- bis mittelfristig durch das Raster zu fallen.

Wirklich spannend, auch das macht diese aktuelle Branchenumfrage deutlich, wird es nach Einschätzung der Befragten werden, wenn spätestens ab Anfang Mai nicht nur in Deutschland die großen Automobil- und Automotive-OEMs wieder zur Produktion zurückkehren. Dann treffen der immense weltweite Bedarf der Automobil- und Automotive-Branche auf die derzeit existierenden Probleme der internationalen Lieferketten im Elektronikbereich.