30 Jahre Turck duotec »Nicht nur an aktuelle Umsätze denken, sondern an die Zukunft«

Arthur Rönisch ist Geschäftsführer von Turck duotec und bereits seit 28 Jahren in der Turck-Gruppe beschäftigt.
Arthur Rönisch ist Geschäftsführer von Turck duotec und bereits seit 28 Jahren in der Turck-Gruppe beschäftigt.

Ursprünglich als EMS gegründet, hat sich Turck duotec mit Plattform-Entwicklungen auch als ODM profiliert. Was treibt das Unternehmen an? Antworten liefert Geschäftsführer Arthur Rönisch.

Seit 1988 ist Turck duotec aktiv. Arthur Rönisch blickt selbst auf 28 Berufsjahre im Turck-Konzern und wurde kürzlich in den Senat der Wirtschaft berufen. 

Markt&Technik: Herzlichen Glückwunsch zum 30-jährigen Bestehen von Turck duotec! Drei Dekaden sind in der turbulenten und schnelllebigen Elektronikindustrie eine ganze Menge…

Arthur Rönisch: Das ist richtig. Wenn wir zurückblicken, hat sich seit unserer Gründung viel verändert: Vor 30 Jahren haben wir noch mit dem Wählscheibentelefon telefoniert. Heute ist das Smartphone mit Touch-Display das Standard-Kommunikationsmittel. Vor 30 Jahren waren Desktop-PCs mit 500 kB Speicher, die Geräusche machten wie ein alter Staubsauger, Stand der Technik. Heute hat manch ein Akku-Schrauber mehr Rechenleistung als damals ein PC. Und der Akku-Schrauber von heute ist auch noch leiser als der damalige PC. Aktuell stehen wir in vielen Bereichen wieder vor revolutionären Veränderungen.

Und die wären?

Wir bewegen uns weg von der Mobilität unter Nutzung des Verbrennungsmotors hin zur Mobilität unter Nutzung von Elektromotoren. Statt des eigenen Autos nutzt man gemeinsam Autos in Form des Carsharings. Statt des individuengesteuerten Verkehrsmittels wird das autonome Fahren Realität. Natürlich gibt es noch viel zu tun, damit all diese Möglichkeiten der Mobilität optimal genutzt werden können. Beispielsweise sind noch nicht alle Regularien zur Strombetankung geklärt. Eine für den Kunden abrechnungstechnisch einfache und überall verfügbare Nutzung der Stromtankstellen ist jedoch für die Akzeptanz der Elektromobilität äußerst wichtig.

Trotzdem gibt es in diesem Segment bereits einschneidende Veränderungen in der Lieferkette. Es nehmen neue Player und Startups am Marktgeschehen teil, mit denen auch große Konzerne zusammenarbeiten. Zusätzlich entstehen ganz neue große Player, etwa in China.

In der Gebäudetechnik findet eine vergleichbare Revolution statt, beispielsweise bei der Beleuchtung, Klimatisierung. Die Medizintechnik erfährt ebenso gravierende Veränderungen: Hier bieten Elektronik und IT heute viel mehr Möglichkeiten, sei es bei der Patientenbetreuung, der Diagnostik und bei der OP durch assistierende Systeme.

Unser Firmengründer Werner Turck war übrigens schon vor 30 Jahren der Ansicht: „Zukunft findet für mich heute statt.“ Wir erleben heute durch die beschriebenen gravierenden Veränderungen, dass diese Aussage stimmt.

Was gab seinerzeit den Ausschlag für die Gründung von Turck duotec?

Die Turck-Gruppe besteht aus über 30 Firmen, die als Fertigungsgesellschaften und Vertriebsgesellschaften weltweit aktiv sind und die durch die Gesellschafter miteinander verbunden sind. Die Turck-Gruppe war zum Gründungszeitpunkt der duotec vorrangig in der Automationstechnik vertreten. Mit der Gründung der Turck duotec in Halver wurden weitere Marktbereiche angesprochen. Die Turck duotec setzt heute ihren Schwerpunkt auf Aktivitäten in den Bereichen Medizintechnik, Gebäudetechnik und Mobilität.

Ein weiterer Zweck der Gründung der Turck duotec war es, das Fertigungs-Know-how aus der Turck-Gruppe anderen Firmen zur Verfügung zu stellen und damit eine optimale Anlagenauslastung zu ermöglichen. Diese Firmen nutzen mit ihren Aufträgen nicht nur das Fertigungs-Know-how der Turck-Gruppe, sondern fordern mit ihren speziellen Produktanforderungen auch die Weiterentwicklung des Unternehmens in den Fertigungs-Technologien ein.

Welche Rolle spielen langfristige Partnerschaften in der Unternehmenshistorie?

Eine sehr große. Etliche Kunden aus den ersten Jahren sind noch heute Kunden der Turck duotec, darunter auch ursprünglich kleine Firmen, die heute zu Marktführern in ihrem Bereich avanciert sind. Partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Kundschaft steht bei uns im Mittelpunkt. Partnerschaftlichkeit gilt in allen Geschäftsprozessen. Ohne diese Form der Zusammenarbeit wäre die sehr gute Entwicklung des Unternehmens nicht möglich gewesen.

Wir sehen, dass Stabilität allumfassend sehr wichtig ist. Unsere Gesellschafter sind Garant für Kontinuität. Sie stehen zu 100 Prozent zu unseren Unternehmenszielen und unterstützen uns hervorragend.

Das wirtschaftliche Umfeld der letzten 30 Jahre war ja nicht immer rosig; etwa um die Jahrtausendwende kam es zu einschneidenden Konsolidierungen in der Industrie.

Der Boom des neuen Marktes fand in den Jahren 1999/2000 statt. Damit einhergehend gab es eine Allokation im Markt. Tantalkondensatoren zum Beispiel waren nur zu immensen Kosten zu erhalten. Faktor 10 gegenüber dem Standard-Preis war keine Seltenheit. Auf die Boom-Zeit folgte der freie Fall des Bedarfes an elektronischen Bauteilen. Viele Zulieferer, etwa Leiterplattenhersteller oder Halbleiterhersteller, mussten ihre Geschäftsmodelle ändern oder sind ganz von der Bildfläche verschwunden. Das war die erste große Konsolidierung im Elektronikkomponenten-Markt. Weitere folgten. Turck duotec hat sich in diesen Jahren gut behauptet.

Dass das Geschäft floriert hat, zeigte auch Ihre Erweiterung Anfang 2005, als ein zweiter Standort in Beierfeld in Sachsen hinzukam, und seit Kurzem fertigen Sie auch in Mexiko, richtig?

Wir kommen den Wünschen nach, einen internationalen Footprint anzubieten, was für die Kunden immer wichtiger wird. Denn das Wachstum unserer Kunden findet weltweit statt. Dass man alles nur von Deutschland aus leistet, funktioniert durch die globale Verknüpfung der Wirtschaft nicht mehr. Daran müssen wir uns als Zulieferer orientieren und die Kunden vor Ort unterstützen.

In den letzten Jahren hat Turck duotec viel Engangement investiert, um Entwicklungsressourcen aufzubauen; inzwischen hat sich Turck auch als ODM einen Namen gemacht. Worin liegt der Antrieb für dieses Business-Modell?

Wir entwickeln im Kundenauftrag. Unsere Kundschaft hat dabei immer kürzere Marktzyklen zu berücksichtigen. Wir haben uns gefragt, wie wir den Kunden in diesem Punkt weiterhelfen können, und daraus entstand unser ODM-Angebot.

Um den Kunden Plattformen für künftige Produkte zur Verfügung zu stellen, bauen wir das ODM-Geschäft aus. Das heißt, wir entwickeln Plattformprodukte, die in unseren drei Fokus-Branchen zum Einsatz kommen können. Diese Plattform-Produkte sind bewusst nicht dazu vorgesehen, um von uns als Endprodukt in den Markt gebracht zu werden. Unsere Kunden nutzen diese Plattformprodukte als Basis für die schnelle Entwicklung ihrer Produkte.