3D-Druck-Spezialist SLM Solutions Nach stürmischen Zeiten wieder auf Kurs

Techniker des Unternehmens SLM Solutions Group arbeiten in der Werkshalle an Metall verarbeitenden 3D-Druckern.
Techniker des Unternehmens SLM Solutions Group arbeiten in der Werkshalle an Metall verarbeitenden 3D-Druckern.

Der im Mai neu eingestiegene CEO will verlorenes Vertrauen zurückgewinnen, nachdem SLM Solutions für dieses Jahr eine Gewinnwarnung geben musste.

Der Markt für 3D-Druck boomt. Doch bei SLM Solutions läuft es nicht rund. Zu Umsatz- und Kurseinbrüchen kommen Wechsel beim Führungspersonal. Mit Meddah Hadjar führt seit Mai ein Mann von der Konkurrenz das Unternehmen.

Mit Hilfe des 3D-Drucks können Werkstücke schnell, präzise und materialsparend hergestellt werden. Davon profitierte die SLM Solutions Group lange Zeit. Anlagen des börsennotierten Unternehmens aus Lübeck waren gefragt, das trieb Umsatz und Aktienkurs in die Höhe.

»Vor zwei Jahren war der erste Hype vorbei und unsere Umsätze brachen ein«, sagt Daniela Wedemeyer, Kaufmännische Geschäftsführerin und Prokuristin von SLM Solutions. »Ein Grund dafür war auch die gescheiterte Übernahme durch General Electric.« Aktuell beschäftigt SLM rund 400 Mitarbeiter, die meisten davon in Lübeck.

Auch mehrere Personalwechsel im Vorstand und ein Strategiestreit im Aufsichtsrat verunsicherten Kunden und Analysten. Zuletzt gab das Unternehmen im Juli eine Gewinnwarnung für das laufende Jahr heraus. Angesichts der nach wie vor schwachen Auftragslage sei eine Prognose zum Umsatz und zum Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen derzeit nicht möglich, hieß es.

»Die Ereignisse des Jahres 2016 stecken uns noch immer in den Knochen«, sagt Wedemeyer. Damals hatte der US-Konzern General Electric (GE) SLM für knapp 700 Millionen Euro oder 38 Euro je Aktie übernehmen wollen. Da einige Großinvestoren – allen voran Paul Singer mit seinem Hedgefonds Elliott – auf ein noch besseres Angebot gesetzt hatten, ließ General Electric aber letztlich die Finger von SLM. »Das hat viele unserer Kunden verunsichert, sie halten sich seitdem mit größeren Bestellungen zurück«, berichtet Wedemeyer.

Dabei stehen die Zeichen in der Branche auf Wachstum. »3D-Druck wird die bisher erfolgreiche Entwicklungs- und Herstellungsprozesse in Kernbranchen wie dem Flugzeug- und Fahrzeugbau, dem Maschinen- und Anlagenbau sowie der Gesundheitswirtschaft ablösen«, sagt Lukas Klingholz vom Branchenverband Bitkom. Sei 3D-Druck bislang vor allem etwas für Spezialisten gewesen, so ändere sich dies gerade radikal durch technologische Fortschritte der Drucktechnologie und Materialien.

»Mit unserer selektiven Laserschmelztechnik können unter anderem Turbinenteile, Bauteile für die Autoindustrie oder chirurgische Implantate hergestellt werden«, sagt Ralf Labes, der bei SLM für Kundenbetreuung und Schulung zuständig ist.

99 Maschinen hat SLM 2017 nach eigenen Angaben verkauft. Das entspricht 5,5 Prozent aller knapp 1.800 Anlagen, die nach einem Bericht des amerikanischen Consultingunternehmen Wohlers Associates in dem Jahr weltweit verkauft wurden.

Große Hoffnungen setzte SLM in einen Ende 2017 mit einem Kunden in China abgeschlossenen Rahmenvertrag über 20 Anlagen vom Typ SLM 800 – die größte im Portfolio. Doch das Geschäft entwickelte sich nicht wie erhofft, der Kunde rief die Maschinen nicht ab, was den Umsatz der Lübecker von 82,5 Millionen Euro im Jahr 2017 um 13 Prozent auf rund 71,7 Millionen 2018 abstürzen ließ. »Daraus haben wir gelernt, in Zukunft werden wir nur noch Einzelverträge abschließen«, sagt Wedemeyer.

Doch trotz aller Rückschläge zählt SLM Solutions zusammen mit den bayerischen Firmen Concept Laser und Electro Optical Systems nach Einschätzung des Vereins 3D-Druck zu den Marktführern der Branche. »Die lässt sich allerdings schwer abgrenzen, deshalb ist eine solche Einordnung schwierig«, sagt der Verbandsvorsitzende Justus Bobke.

Bei SLM Solutions steht seit Mai Meddah Hadjar als neuer Vorstandschef an der Spitze des Unternehmens. Er war zuvor mehr als zwanzig Jahre lang in verschiedenen Positionen beim US-Konzern GE tätig und dort zuletzt auch für den Mitbewerber Concept Laser verantwortlich, an dem die Amerikaner Ende 2016 die Mehrheit übernommen hatten.

Bei seinem Amtsantritt in Lübeck kündigte Hadjar an, die Strategie von SLM überprüfen und Fehler der Vergangenheit korrigieren zu wollen. Er habe das Unternehmen internationaler gemacht und interne Prozesse optimiert, sagt Wedemeyer fünf Monate später. »Seit Hadjar Vorstandsvorsitzender ist, fassen die Kunden wieder Vertrauen.«