HTV Mit Gütesiegel und Zertifizierung gegen »geplante Obsoleszenzen«

Eine "Sollbruchstelle" in einem Kondensator: Werden die Kondensatoren zu heiß, wölbt sich die Oberfläche auf.

Elektronische Produkte - auch namhafter Hersteller - halten oft nicht das, was sie versprechen und fallen bereits kurz nach der Gewährleistungsfrist aus. Das Testhaus HTV sagt nun solchen »geplanten Frühausfällen« mit dem HTV-Life-Gütesiegel und einer entsprechenden Zertifizierung den Kampf an. Vorstellen wird HTV das Gütesiegel erstmals auf der electronica.

»Verantwortungsvolle Hersteller überzeugen ihre Kunden durch ständige Verbesserungen und Innovationen und nicht durch absichtliche Verkürzung der Lebensdauer!«, bringt es Edbil Grote, CEO von HTV, auf den Punkt. Dass ist aber bei Weitem nicht immer der Fall. Jeder hat schon erlebt, dass der fast neue Drucker oder die Digitalkamera viel zu früh kaputt gehen und eine Reparatur entweder unmöglich oder viel zu teuer ist. »Diese Politik der Kurzlebigkeit von Produkten breitet sich leider derzeit wie eine Seuche aus«, beklagt der HTV-Chef.

Und das bringt die Verbraucher, aber auch seriöse Firmen zum Nachdenken: Ist da etwas dran, an der These, dass Unternehmen gezielt Schwachstellen in ihre Produkte einbauen, um das Geschäft zu beleben? HTV jedenfalls sieht das als erwiesen an: »Eingehende Untersuchungen offenbaren letztendlich den absichtlichen Einbau von »Sollbruchstellen«, so dass das Produkt schneller schad- oder fehlerhaft wird und nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden kann«, erklärt Grote. Seriös ist das nicht, sondern grenzt an Betrug. »Geplante Obsoleszenz« lautet der Fachbegriff, der diese künstliche Beschränkung der Lebensdauer von Geräten - vorzugsweise kurz nach der Gewährleistungsfrist - beschreibt. Als Beispiel nennt Grote fest eingebaute Akkus, die bereits nach 500 Ladezyklen, d.h. nach etwa zwei Jahren, defekt sind.

Oder es werden in Geräten elektronische Zähler eingesetzt, die bei einer bestimmten Anzahl von Arbeitsschritten, wie zum Beispiel den Druckseiten bei Druckern, das Gerät auf Störung setzen oder zum Ausfall bringen. LCD-Monitore, LCD-Fernseher oder auch Computer fallen häufig durch absichtliche Fehlplatzierung von temperaturempfindlichen Bauteilen wie Elektrolytkondensatoren aus. Diese werden bewusst neben sehr heißen Bauteilen wie Leistungstransistoren oder Prozessoren  platziert. Die Kondensatoren  erreichen somit sehr schnell das Ende ihrer Lebenszeit und zerstören sich selbst, indem die Oberseite aufgewölbt wird, bis hin zum Ausgasen und Platzen. Für den Verbraucher ergibt sich die Schwierigkeit, dass er keinerlei Möglichkeiten hat, diesem vorsätzlichen »Betrug« zu entkommen, weil sich scheinbare Entscheidungskriterien wie Markenname oder hoher Preis im Nachhinein oft als ungeeignet für eine gute Kaufentscheidung herausstellen: »Diese Lebenszeitbegrenzer befinden sich nämlich auch in Produkten renommierter Hersteller und hochpreisigen Geräten«, betont Grote.

Nicht nur der Verbraucher, auch seriöse Hersteller müssen sich mit dem Problem der geplanten Obsoleszenzen auseinandersetzen, wenn sie nicht mit den schwarzen Schafen in einen Topf geworfen werden wollen: Abhilfe schaffen will HTV jetzt mit dem neuartigen Gütesiegel »HTV-Life« und einer ergänzenden Zertifizierung. Die Botschaft des Gütesiegels fasst Grote so zusammen: »Produkte mit dem HTV-Life-Gütesiegel haben keine geplanten, lebensdauerbegrenzenden Sollbruchstellen.«

Um den hohen Ansprüchen dieser Zertifizierung gerecht zu werden, werden die Produkte akribisch untersucht und speziell auf geplanten Verschleiß hin geprüft. Hierzu nimmt HTV eine detaillierte Analyse der Herstellungsunterlagen, Lebensdauerbetrachtungen und der verwendeten Materialqualitäten vor. Ergänzend dazu berücksichtigt das Testhaus mechanische, elektronische und bei Bedarf auch softwaretechnische Aspekte. Ein zentraler Bestandteil des Gütesiegels ist die eidesstattliche Erklärung des Herstellers, dass sich keinerlei geplante, lebensdauerbegrenzende Sollbruchstellen im Produkt befinden. Zusätzlich lagert HTV Vergleichsmuster nach dem HTV-TAB Verfahren ein, um im Zweifelsfall jederzeit neuwertige Vergleichsteile zur Verfügung zu haben. Das Verfahren erlaubt es, Produkte bis zu 50 Jahre einzulagern. Warum sich gerade HTV dieses Themas angenommen hat, liegt laut Grote auf der Hand: Die für das HTV-Life-Gütesiegel entscheidenden Kernkompetenzen sind umfangreiche Kenntnisse bei der Durchführung von Lebensdauerprüfungen, Alterungsuntersuchungen, Fehlerursachenanalysen sowie elektrischen und mechanischen Tests. Und darauf ist HTV als unabhängiges und eines der größten Testhäuser Europas schließlich spezialisiert.