Neways nach der BuS-Übernahme Mit BuS Elektronik in die EMS-Top-5 Europas

Huub van der Vrande und Werner Witte (li.) 
am Neways-Standort in Son/Eindhoven
Huub van der Vrande und Werner Witte (li.) am Neways-Standort in Son/Eindhoven

Der niederländische EMS-Dienstleister Neways ist seit Ende September 2014 neuer Eigentümer der BuS Elektronik. Markt&Technik traf Huub van der Vrande, CEO von Neways, und Dr. Werner Witte, Geschäftsführer von BuS Elektronik, zum Exklusiv-Interview.

Die Übernahme katapultierte den Neways-Konzern unter die Top 5 der EMS-Unternehmen in Europa und bescherte ihm einen Umsatzsprung auf rund 330 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl wächst auf etwa 2900.

Markt&Technik: Dem Vernehmen nach setzt Neways auf Beständigkeit. Herr Dr. Witte, Sie bleiben also weiterhin Geschäftsführer der BuS Elektronik, und die BuS-Produktionsstandorte in Riesa und Decin bleiben erhalten?
Werner Witte: Neways wird seine Deutschland-Zentrale nach Riesa verlegen. Ich bin für das Riesaer Werk gemeinsam mit Herrn Huub van der Vrande als Geschäftsführer eingetragen und leite weiterhin operativ die Geschäfte von Neways in Riesa. Zusätzlich werden wir zwei Prokuristen haben. Die Standorte der ehemaligen BuS Gruppe in Erfurt und Decin bleiben erhalten. Riesa bleibt gleichzeitig der größte Standort in Deutschland mit über 800 Mitarbeitern. Es gibt keinen Personalabbau. Neways tritt in alle Verträge ein. 

Huub van der Vrande: Die Mitarbeiter sind das Wichtigste, was wir im Unternehmen haben. Und Deutschland ist schließlich der wichtigste EMS-Markt in Europa – hier liegt das Wachstum! 

Neways hat eine Niederlassung in der Slowakei, BuS Elektronik einen Standort im tschechischen Decin. Läge es nicht nahe, diese Standorte zusammenzulegen?
Witte: Nein, das ist derzeit nicht geplant. 

Mit wie vielen Standorten ist Neways nun in Deutschland vertreten, und ist eine Zusammenlegung der anderen deutschen – bereits bestehenden – Neways-Niederlassungen geplant?
Witte: Neways hat jetzt in Deutschland drei Standorte: ein Produktionswerk in Neunkirchen/Saar, den Entwicklungsstandort in Erfurt und das Werk in Riesa. Erfurt bekommt eine enge Anbindung an die Entwicklungszentrale im niederländischen Son, nahe Eindhoven. 

Wird das abgebrannte Werk in Kassel wieder aufgebaut?
van der Vrande: Nein, das Werk in Kassel haben wir nach dem Brand geschlossen und abgewickelt.

Was passiert mit der Marke bzw. dem Firmennamen BuS Elektronik?
Witte: Beim Branding unterscheiden wir zwischen Markenführung und rechtlicher Organisation. Die Marke BuS wird mittelfristig vom Markt verschwinden und künftig zu Neways werden. Derzeit sind wir diesbezüglich in einer Übergangsphase, wie Sie an den Visitenkarten sehen können. 

Und wie haben die BuS-Kunden auf die Übernahme reagiert?
Witte: Unsere Kunden habe das überwiegend positiv angenommen. Es gab übrigens auch kaum Überschneidungen im Kundenportfolio. 

van der Vrande: Es gibt natürlich Kunden, die erst mal zurückhaltend reagieren. Aber die Größe über alle Standorte bedeutet für den Kunden eine größere Sicherheit, als er bisher hatte. Wir können gegenseitig auf die Werke zugreifen, und wenn es wirtschaftlich Sinn macht, auch Projekte verlagern. Damit bieten wir dem Kunden einen essenziellen Mehrwert. Nehmen wir als Beispiel den Brand in unserem Werk in Kassel: Durch unsere breite Aufstellung ist es uns gelungen, alle Kunden innerhalb von drei Wochen auf andere Werke zu transferieren. 

Neways gibt es seit 45 Jahren. Seither hat sich das Unternehmen beachtlich entwickelt: vom 3-Mann-Betrieb zum Lohnbestücker und schließlich zum internationalen Entwicklungs- und Fertigungsdienstleister. Was gab nun den Ausschlag für die Übernahme von BuS Elektronik?
van der Vrande: Akquisitionen gehören bei uns zur Strategie. Über die Jahre sind wir etwa 70 Prozent durch Akquisitionen gewachsen und 30 Prozent organisch. Strategisches Wachstum ist sehr wichtig für uns, weil wir uns dadurch immer wieder verbessern. Wir kaufen nicht, um des Kaufens willen, sondern überlegen uns im Vorfeld einer Akquise ganz gezielt, was uns noch fehlt. So gab es schon längere Zeit Pläne, die Aktivitäten in Deutschland auszuweiten. Vor der Akquisition hatte Neways Electronics Niederlassungen in den Niederlanden, der Slowakei, China, Singapur und Deutschland. Mit zwei weiteren Standorten in Deutschland stärken wir unsere Präsenz am wichtigen deutschen EMS-Markt und folgen den Wünschen der Kunden nach einer persönlichen und individuellen Projektbetreuung vor Ort. Damit sind wir bzgl. der Standorte breit aufgestellt und nah am Kunden.

Und warum fiel Ihre Wahl ausgerechnet auf BuS Elektronik?
van der Vrande: Unser Vorhaben, ein deutsches Unternehmen zu übernehmen, haben wir lange und umfassend vorbereitet. Es war also kein Schnellschuss. Es gab keinen Druck für uns, sondern wir wollten mit der Akquisition sinnvolles Wachstum generieren und nicht nur einfach Umsatz hinzukaufen. Bei der Auswahl haben wir mit Unterstützung eines Investitions-Dienstleisters einige für uns wichtige Kriterien definiert: Wir wollten zum Beispiel ganz bewusst ein Familienunternehmen kaufen, das noch keine Niederlassung in China hat, wenig Überschneidungen im Kundensegment zu uns hat und einen gewissen Anteil an Entwicklern beschäftigt. Auf diese Weise entstand eine Art „Wunschliste“ von EMS-Unternehmen. Am Ende blieb eine Liste von drei Unternehmen für die Shortlist übrig. Mit BuS Elektronik sind wir uns schließlich einig geworden.