Kommentar Mehr Transparenz in REACh-Verfahren!

Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik
Heinz Arnold, Chefredakteur Markt&Technik

Es ist schon ein wenig verwirrend: Da muss die ECHA durch das RAC auf Anordnung der Kommission die Risikobewertung von GaAs noch einmal überprüfen. Das ist eine erstaunliche Tatsache, denn es steht ja stark zu vermuten, dass entscheidende Fehler bei der Bewertung durch das RAC gemacht wurden.

Nun gibt es aber in Deutschland auch noch den Unterausschuss III des Ausschusses für Gefahrstoffe (UAIII). Er entspricht auf nationaler Ebene dem, was auf europäischer Ebene das RAC ist. Der UAIII bewertet GaAs anders als zuvor das RAC. Dieses abweichende Urteil müsste bereits unangenehm für das RAC sein.

Nun haben die gleichen deutschen Bundesbehörden, die auch das Geschehen bei RAC in Helsinki bestimmen, die Kanzerogenität von GaAs mit 1b bewertet. Das bedeutet: Der UAIII will GaAs hier wohl vorsorglich scharf einstufen.
Stoffe »vorsorglich«, ohne klare Beweislage, so zu klassifizieren, dass es ungewiss erscheint, ob sie in der EU weiterhin eingesetzt werden können, ist zumindest fragwürdig. So müsste man auch das Benzol und damit Benzin umgehend vom Markt nehmen, denn es gelangt beim Tanken in die Nase und ist krebserregend - um nur ein Beispiel zu nennen.

Und was die Versuche zu Störungen der Fruchtbarkeit anbelangen, so sind die dazu durchgeführten Versuche zumindest fragwürdig. Denn setzt man Tiere und Menschen über längere Zeit einer hohen Staubbelastung aus, so kommt es zu Lungenentzündungen. Ob der Staub aus GaAs oder beispielsweise aus Kohle in einem Bergwerk besteht, spielt da zunächst keine Rolle. Die Lungenentzündung sorgt aber dafür, dass der Organismus über längere Zeit mit zuwenig Sauerstoff versorgt wird. Und Unterversorgung mit Sauerstoff führt zu Störungen der Fruchtbarkeit. Unter diesem Aspekt erscheint die Klassifizierung zumindest gewagt.

Es gibt also durchaus Anlasse, das Verfahren des RAC für überprüfungsbedürftig und intransparent zu halten. Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamts, sieht das ganz offenbar nicht so. Das UBA hat den Bedenken der Industrie in zwei lapidaren Sätzen eine Abfuhr erteilt; es hält die Bedenken für - vorsichtig formuliert - nicht stichhaltig.

Da stellt sich die Frage, was wohl dahinter steckt. Ist es einfach der Eifer der Regulierer, möglichst auf der sicheren Seite zu sein? Soll kein Präzedenzfall für weitere Stoffe geschaffen werden? Für die Industrie ist es jedenfalls kein gutes Zeichen, wenn ein so undurchsichtiges Verfahren auf sehr viele weitere Stoffe angewandt werden wird. Denn es steht ganz außer Frage, dass gesundheitsschädliche Stoffe klassifiziert und auch aus dem Verkehr gezogen werden müssten, aber die Verfahren dazu sollten transparent und für alle Beteiligten nachvollziehbar und überprüfbar sein. Das sollten sich auch die zuständigen Behörden überlegen. Denn wer ständig ruft, dass es brennt, der wird irgendwann nicht mehr ernst genommen.

Ihr Heinz Arnold