Rainer Koppitz, CEO der Katek-Gruppe »Man kann Geld verdienen in der EMS-Branche!«

Rainer Koppitz, Katek: Die Firmen werden eigenständige GmbHs oder Schnellboote sein mit eigener Geschäftsführung, denn das Management der Firmen sind für uns mit einer der Kaufgründe. Das heißt aber auch nicht, dass jeder im Management „1000-Jahres-Verträge“ bekommt. Es muss sich herausstellen, wer guter Teamplayer in so einem Flottenverband ist!“

Die Münchner Elektronik-Gruppe Katek SE hat sich durch den Zukauf von bebro und eSystems in die europäische EMS-Top-Ten katapultiert, und das aus gutem Grund.

Die Branche verspricht nach Ansicht von Rainer Koppitz, CEO der Katek-Gruppe, noch viel Potenzial: Wenn man die richtigen Dinge tut, dann stimmt auch die Marge im EMS-Geschäft.

Markt&Technik: Gratulation, Herr Koppitz. Mit dem Kauf von bebro und eSystems dürfte Katek nun zu den Top 10 EMS in Europa gehören. Ist damit Ihr bzw. das Ziel Ihres größten Aktionärs Primepulse erreicht?

Rainer Koppitz: Ganz klar nein! Die erreichte Größe ist eine gute Basis in unserem Geschäft, aber wir haben ganz klar ein Ziel, und das lautet: über eine halbe Milliarde Euro profitablen Umsatz zu kommen. Wir sind der Ansicht, dass, wenn wir mit den ganz Großen der Branche auf einer Augenhöhe wahrgenommen werden möchten, wir uns in dieser Größenordnung bewegen müssen. Wir haben noch klare Lücken bei Kompetenzen und Geografien, und deshalb werden wir uns weiter in diesen spezifischen Bereichen umsehen.

Was macht das EMS-Geschäft als Investitionsbereich so attraktiv? Die Margen in diesem Umfeld sind ja eher gering.

Ich würde der zweiten These widersprechen. Ich finde die Margen in dem Umfeld gar nicht so gering. Wir haben bei 15 Prozent der deutschen EMSler größer 8 Prozent EBIT-Marge. Was sich absolut sehen lassen kann und zeigt: Wenn man die richtigen Dinge tut, kann man eine gesunde und solide Marge erzielen.

Allerdings kann man nur mit einer gewissen Größe die gesamte Wertschöpfungskette abdecken, von der Entwicklung über die Fertigung bis zum Box-Build und After-Sales-Service. Attraktiv ist es dann, wenn man eine Wahlmöglichkeit hat, also Auftragsselektion betreiben kann und nicht aus Verzweiflung jeden Auftrag annehmen muss. Kurzum: Ich kann Geld verdienen in dieser Branche, und das zeigen viele Beispiele. Wichtig ist: Man muss ein paar Dinge richtig machen und darf kein Fett ansetzen. Wenn wir gute, schlanke Companies kaufen, bleiben wir in Summe agil. Wir wollen also schnelle Speedboote haben und auf der Holding-Struktur lediglich wenige Ressourcen. Ressourcen, die den Unterschied machen und jeden Tag ihr Gehalt verdienen.

Das heißt?

Wir werden auf Holding-Ebene Mitarbeiter haben, die strategisch wichtige Themen zentral koordinieren, etwa das Strategic Sourcing aller Tochterunternehmen. Darüber hinaus eignen sich Sales und Operations für solche zentralen Positionen, etwa wenn es darum geht zu koordinieren, wo was gefertigt wird.

Die beiden neu erworbenen Firmen werden das vierte und fünfte Mitglied des Unternehmensverbundes Katek SE mit den bereits bestehenden Einheiten Steca Elektronik GmbH, Katek GmbH sowie ETL Elektrotechnik Lauter GmbH an den Standorten Memmingen, Grassau und Mauerstetten sein. Was macht die beiden Neuerwerbe mit ihren Standorten interessant fürs Gesamtportfolio?

Es sind nicht die Standorte. Die sind quasi mit dabei. Aber wir haben die Firmen nicht wegen der Standorte gekauft. Es geht um solides profitables EMS-Geschäft in anspruchsvollen Branchen wie Healthcare und Messtechnik, was sehr interessant ist, aber das alleine hätte auch noch nicht den Ausschlag gegeben. Die spannenden Bereiche sind beflex und eSystems. Beflex ist nahe am Kunden und nahe an der Entwicklung des Kunden in denzentralen Zentren auf Prototyping spezialisiert. eSystems wiederum ist einfach wirklich spitze in der Entwicklung im Bereich E-Mobilität, und das wollen wir sehr stark ausbauen.