Rainer Koppitz, CEO der Katek-Gruppe »Man kann Geld verdienen in der EMS-Branche!«

B2B-Branchen adressieren...

»Wir werden an dem signifikanten Wachstum im Bereich der professionellen IoT-Anwendungen teilhaben als langfristiger, zuverlässiger und innovativer Elektronik-Partner der europäischen Industrie«, erklärten Sie flankierend zur Übernahme der neuen Gesellschaften. Wie genau wollen Sie diese Worte mit Leben füllen?

Professionelle IoT ist der Markt, in dem wir uns bewegen, weil jedes Device, das in der Vergangenheit noch ein dummes Gerät war, jetzt elektronifiziert und smart wird. Der Markt wächst überproportional und das Bedürfnis nach professionellen Partnern wird immer größer, und dem wollen wir gerecht werden. Die Kunden wollen langfristige Partner und brauchen jemanden, der zuverlässig und innovativ ist.

Zuverlässig heißt, einen guten Job zu machen, heißt aber auch, dass ich einen Plan B habe, falls etwas passiert, zum Beispiel ein Fertigungsstandort die abgerufenen Mengen nicht alleine bewältigen kann. Und innovativ heißt, in Schlüsselbranchen zu investieren und die Finanzstärke zu haben, um immer wieder in Automatisierung und neue Technologien investieren zu können und nicht wie so viele unserer Branche einen Investitionsstau aufzubauen. Und das alles hinzukriegen geht eben nur, wenn sie in einem starken Unternehmensverbund sind, der langfristig denkt.

Welche Märkte möchte Katek mit dem erweiterten Firmenverbund besonders adressieren?

Grundsätzlich wollen wir alle B2B-Branchen adressieren, weniger Consumer. Ein ausgewogener Branchenmix ist wichtig für den Ausgleich bei schwächelndem Umfeld einzelner Branchen. Zudem werden wir gezielt vertikale Kompetenzen in Zukunftsfeldern verstärken, wie eMobility, Solar und Healthcare.

In diesen Bereichen ist auch Entwicklungs-Know-how besonders gefragt. Wie hoch ist der Anteil an Entwicklungsressourcen in Ihrem Verbund?

Wir beschäftigen knapp 100 Entwickler inklusive unserer Neuzugänge bebro und eSystems, vorrangig in Memmingen, Mauerstetten, Wendlingen und Tschechien. Diese Kompetenz wollen wir weiter ausbauen im Sinne von „Stärken stärken“. Auch der Zukauf spezieller Entwicklungsfirmen steht im Fokus.

Kommen wir zum Footprint: Bislang ist die Katek-Gruppe mit ihren Firmen vor allem in Zentral- und Osteuropa präsent. Inwieweit planen Sie einen Ausbau der Fertigungsstandorte, etwa nach Asien oder Mexiko?

Ja, Asien – beispielsweise Malaysia oder Vietnam – steht auf der Wunschliste, ebenso Lateinamerika, zum Beispiel Mexiko.
Dabei geht es uns nicht um die optimale Kostenstruktur – hier sehen wir die osteuropäischen Standorte im Vorteil und bauen diese weiter aus –, sondern darum, den Local-for-local-Ansatz der Kunden bedienen zu können.

Nach der Hochphase scheint eine Eintrübung am Elektronikmarkt sehr wahrscheinlich – wie schätzen Sie die Lage derzeit ein?

Stimmt, die Exportwirtschaft schwächelt. Bislang sind das jedoch – toi, toi, toi – eher Schwächen einzelner Kunden, noch nicht einmal Branchen, sodass wir das durch andere stark wachsende Kunden ausgleichen können.

Speziell für ODM/EMS kann es bei richtiger Aufstellung auch zu einer Art Sonderkonjunktur kommen, da Firmen sich auf ihre Kernkompetenzen besinnen, die Kosten für Elektronik variabilisieren und ins Outsourcing gehen; die Tendenz gab es früher auch in Schwächephasen und aktuell gibt es wieder einige solcher spannenden Projekte im Markt!

Aus heutiger Sicht, das dürfte die Kassandrarufe relativieren, werden sicher vier unserer dann fünf Tochterfirmen – die Zustimmung der Kartellbehörden im stark fragmentierten Markt vorausgesetzt – im Jahr 2019 ein sehr ordentliches Wachstum hinlegen.