Rainer Koppitz, CEO der Katek-Gruppe »Man kann Geld verdienen in der EMS-Branche!«

"Wir sehen uns als ODM"

Bei eSystems dürfte es sich ja eher um einen ODM bzw. OEM handeln, da hier eigene Produkte für die Elektromobilität entwickelt werden. Haben Sie keine Bedenken, dass dies Dienstleistungskunden als Konkurrenz eher abschrecken könnte?

Dazu ist aus meiner Sicht Folgendes zu sagen: Was die eSystems macht, ist eigentlich genau das Kern-Business der Katek-Gruppe, nämlich Entwicklung, Prototyping und Serienfertigung für einen Kunden – aber ohne unser Brand auf den Produkten. In dem konkreten Fall liefern wir nicht an einen OEM, das ist richtig. Die Elektromobilität ist so neu, dass sich die ganze Zulieferindustrie völlig neu sortiert. Es ist also eher Zufall, dass wir an einen Schlüsselkunden der Automobilindustrie direkt liefern.

Wir sehen uns nicht als OEM, sondern als ODM. Also als Firma, die immer mehr die komplette Wertschöpfung inklusive Entwicklung und Box-Build realisiert. Das tut sie aber nicht, um selbst an den Markt zu gehen, sondern die Produkte werden unter dem Namen eines OEMs verkauft und eSystems wird damit wieder unsichtbar werden. In dem Fall eMobility muss man also sehen, in welche Richtung sich das entwickelt.

Inwieweit werden die neuen Firmen eigenständig agieren und weiterhin ein eigenes Branding und ein eigenes Management haben?

Ein eigenes Management: definitiv ja. Die Firmen werden eigenständige GmbHs oder Schnellboote sein mit eigener Geschäftsführung, denn das Management der Firmen sind für uns mit einer der Kaufgründe. Das heißt aber auch nicht, dass jeder im Management „1000-Jahres-Verträge“ bekommt. Das gilt für die anderen GmbHs auch. Es muss sich herausstellen, wer guter Teamplayer in so einem Flottenverband ist – bisher läuft das wirklich gut!

Beim Branding wird es so sein: Im EMS/ODM-Bereich werden wir die Marke Katek immer mehr in den Vordergrund stellen. Es macht keinen Sinn, kostbares Marketingbudget auf ein halbes Dutzend Marken zu verstreuen, da bleibt am Ende nichts übrig. Weiterhin werden wir jedoch bestimmte Spezialbereiche branden, z.B. Steca mit Solar. Steca wird als Produktmarke im Bereich Solar, Wechselrichter weiterleben, um das dort aufgebaute Standing weiter auszuschöpfen. Das ist denkbar bei weiteren Firmen, die ein bestimmtes Kompetenzprofil haben. Warum nicht eSystems für Elektromobilität oder beflex für Prototyping? Wir arbeiten gerade daran.

Wie managen Sie den Wettbewerb und die Zusammenarbeit der einzelnen Firmen untereinander und die Mehrmarkenstrategie?

Den Wettbewerb versuchen wir innerhalb der Firmengruppe natürlich nicht zu spielen. Wir versuchen ein Team zusammenzubringen, das Katek in Summe im Blick hat. Bisher ist das ganz gut gelungen. Es hat jedes Unternehmen bestimmte Kompetenzschwerpunkte: z.B. in Grassau die Großserie, in Mauerstetten wiederum sind wir technologisch extrem stark und können auf Zuruf kleinste Losgrößen improvisieren und qualitativ hochwertig abwickeln.

Trotzdem kann es natürlich sein, dass mehrere unserer Unternehmen auf denselben Kunden zugehen, das gilt es zu vermeiden. Deshalb werden wir ein einheitliches CRM-System einführen und dort für jeden unserer Kunden eine kundenführende Einheit hinterlegen. Unser Gruppenchef Sales wird das über die einzelnen Marken hinweg steuern. Wenn jemand einen Kompetenzschwerpunkt hat, bilden wir ein Kompetenzcenter; dieses können die anderen Firmen im Verbund für ihre Kunden in Anspruch nehmen. Bisher klappt das ganz gut und wir werden den Beweis antreten, dass das mit zunehmender Größe weiter so gut funktioniert.