Wann lohnt sich Fertigung in Mexiko? »Lieber früher als später investieren!«

David McQueen, Tetakawi

»Ein starker Treiber für Investitionen in Mexiko ist der anhaltende Handelskrieg 
zwischen den USA und China. Viele Unternehmen sehen die dringende Notwendigkeit, ihr Risiko zumindest abzusichern, indem sie in einen sichereren 
Handelshafen investieren, und Mexiko sieht zum jetzigen Zeitpunkt sicherer aus.“
David McQueen, Tetakawi: »Ein starker Treiber für Investitionen in Mexiko ist der anhaltende Handelskrieg zwischen den USA und China. Viele Unternehmen sehen die dringende Notwendigkeit, ihr Risiko zumindest abzusichern, indem sie in einen sichereren Handelshafen investieren, und Mexiko sieht zum jetzigen Zeitpunkt sicherer aus.“

Mexiko ist für Firmen aus Europa das Fertigungssprungbrett für den US-Markt und da Schutzzölle für diese Region erst einmal vom Tisch sind, auch eine Alternative zur Low-Cost-Fertigung in China. Was gibt es in Mexiko zu beachten? Antworten von David McQueen, Director Client Services von Tetakawi.

Markt&Technik: US-Präsident Trump hat den Zollstreit mit Mexiko im Sommer beigelegt. Was heißt das nun konkret für die Produktion in Mexiko? Und was genau besagt das Abkommen in Bezug auf den Export von in Mexiko produzierten Gütern?

David McQueen: Mit Präsident Trump scheint nie etwas endgültig geregelt zu sein, selbst wenn es geregelt ist. Mexiko ratifizierte jedoch das neue USMCA-Handelsabkommen, das einen Passus enthält, der die Verwendung nationaler Schutzzölle in Zukunft einschränkt. Es scheint, dass Trump auch von der starken Reaktion des republikanischen Senats auf mögliche Einfuhrzölle gegenüber Mexiko überrascht wurde. Die potenzielle Schädigung der Wirtschaft von Texas und Arizona hat diese beiden republikanischen Hochburgen zu vehementen Gegnern jeder Störung des bilateralen Handels zwischen den USA und Mexiko gemacht.

Auf den ersten Blick scheint die Verringerung der Handelsspannungen den Weg für ein Wachstum des Handels zwischen den USA und Mexiko sowie einen Anstieg der Investitionen zu ebnen, und es wird sicherlich nicht schaden. Es herrscht jedoch ein anhaltendes Gefühl der Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit, das einige Unternehmen kurzfristig zögern lässt. Ein stärkerer Treiber für Investitionen in Mexiko ist der anhaltende Handelskrieg zwischen den USA und China. Viele Unternehmen sehen die dringende Notwendigkeit, ihr Risiko zumindest abzusichern, indem sie in einen sichereren Handelshafen investieren, und Mexiko sieht zum jetzigen Zeitpunkt sicherer aus.

Mit welchen Regionen bestehen außerdem Freihandelsabkommen für den Export von in Mexiko produzierten Gütern?

Mexiko hat mehr Freihandelsabkommen unterzeichnet als jedes andere Land. Neben der NAFTA – die bald durch die USMCA abgelöst wird – sind diese Teil des umfassenden und progressiven Abkommens für die transpazifische Partnerschaft, das das TPP ersetzt hat, als die USA den Beitritt abgelehnt haben. Mexiko hat auch eigene Abkommen mit Chile, Kolumbien, Costa Rica, der EU, der EFTA, Israel, Japan, El Salvador, Honduras, Guatemala, Panama und Uruguay. Zudem gibt es Präferenzhandelsabkommen mit Argentinien, Brasilien, Ecuador, Paraguay und Peru.

Aufgrund des Trump-Mexiko-Streits herrschte große Unsicherheit bei den Kunden, die eine Fertigungsverlagerung geplant haben. Diese dürfte ja nun der Vergangenheit angehören. Rechnen Sie jetzt mit einem weiteren Verlagerungsboom nach Mexiko?

Wie vorher schon erklärt, besteht in den USA nach wie vor Unsicherheit, und die Investitionen werden in gewissem Maße zurückgehalten. Die Bedrohung durch chinesische Zölle und die steigenden Kosten der chinesischen Produktion drängen die Investoren jedoch in die entgegengesetzte Richtung. Unter den (Elektronik-)Automobilzulieferern gibt es zusätzlich die Sorge, genügend in Nordamerika produzierte Produkte gemäß der USMCA vorweisen zu können.

So wird beispielsweise der geforderte Nordamerika-Wertschöpfungsanteil an Fahrzeugen von 62,5 Prozent im Rahmen der NAFTA über drei Jahre auf 75 Prozent ansteigen. OEM-Hersteller erreichen die Ziele derzeit nicht und müssen ihre nordamerikanische Produktion ausbauen. Beide Faktoren sind zwingende Gründe für ausländische Investoren aus Europa und Asien, Mexiko in Betracht zu ziehen.

Inwieweit kann die Infrastruktur in Mexiko überhaupt weitere Produktionsfirmen verkraften?

Die Infrastruktur in den industrialisierten Gebieten Mexikos ist recht gut. Die Überlandstraßen sowie die Schienen- und Hafeninfrastruktur können mit einem erheblichen Ausbau der Produktionskapazitäten fertig werden. In den meisten Gemeinden stehen auch genügend Flächen für den Ausbau der Produktionskapazitäten zur Verfügung. Es gibt reichlich Flächenentwicklungsgesellschaften, die im Allgemeinen gut finanziert und wettbewerbsfähig in ihren Angeboten sind. Erdgas ist auch in den meisten Teilen des Landes verfügbar. Weitere Gasleitungen zur Erweiterung der Lieferkapazitäten sind im Bau.

Die Stromversorgung ist zuverlässig und ausreichend. Einziger Unsicherheitsfaktor hier ist, wie die aktuelle Regierung mit der Energiereform umgeht, da dies die Stromerzeugung langfristig beeinträchtigen könnte. Die Wasserversorgung ist in einigen Regionen begrenzt, in anderen hingegen ausreichend. Der industrielle Bedarf hat bei der Wasserversorgung und -verteilung in der Regel Vorrang.

Wann empfehlen Sie europäischen Produktionsfirmen den Schritt, in Mexiko zu produzieren?

Wir empfehlen, lieber früher als später zu investieren. Grundsätzlich ist ein Engagement für alle fertigenden Unternehmen interessant, die direkt oder indirekt in den amerikanischen Markt exportieren möchten. Für die meisten Branchen gibt es Lücken in der mexikanischen Lieferkette. Dies bietet vielen Unternehmen die Möglichkeit, unter begrenztem Wettbewerb zu wachsen. Der Aufbau eines Standbeins bei geringerem Wettbewerb und hoher Nachfrage bietet die Chance, von positiven Marktbedingungen zu profitieren, während der Prozess der Gründung und des Aufbaus eines Unternehmens durchlaufen wird.