Sole, Single, Dual oder Multi Sourcing? Leiterplatten intelligent einkaufen

Ob EMS oder OEM: Eine Leiterplatten-Einkaufsstrategie zu definieren, ist zweifelsfrei eine wichtige strategische Managementaufgabe. Gibt es einen Königsweg? Der nachfolgende Fachbeitrag liefert Antworten.

Betrachten wir zum Beispiel einen großen EMS, dessen PCB-Einkaufsvolumen sich typischerweise in der Größenordnung von einer halben Milliarde USD bewegt. Ein holistischer Ansatz im Bereich »Einkauf« wird alle verfügbaren und potenziellen Effizienzsteigerungen berücksichtigen, sowohl im internen organisatorischen Bereich als auch im Bereich Lieferantenselektion und Management. Dass sich diese intelligente und ganzheitliche Einkaufsstrategie lohnt, spiegelt sich im Endresultat wider. Bei unserem Beispiel können Einsparpotentiale im ein- oder zweistelligen Millionenbereich freigesetzt werden. Es lohnt sich also, eine intelligente, ganzheitliche PCB-Einkaufsstrategie zu verfolgen.

Klassifizierung Ihres PCB-Einkaufsportfolios 

Vor der Festlegung einer Einkaufsstrategie muss zunächst die »DNA« des Einkaufsportfolios klar sein. Ein möglicher Weg: Einteilung der Projekte in zwei oder drei Hauptgruppen, z.B. in Technologie und Volumenbedarfe. Eine weitere hilfreiche Klassifizierung in Geschäftssegmente (Automobil, Industrie etc.) kann ein zusätzliches Strukturelement bilden. Empfohlene Untergruppen: doppelseitige Leiterplatten, Multilayer-Leiterplatten, flexible/Starr-flex-Leiterplatten, Dickkupfer-PCBs, HDI, IMS. In der Volumenkategorie kann nach niedrigen, mittleren und großen Losgrößen sortiert werden. Nach der klaren Klassifizierung des Portfolios stellt sich nun die Frage nach der ganzheitlichen Einkaufsstrategie, deren taktische Umsetzung der Einkaufsabteilung obliegt.

Einkaufsbedarf trifft Marktangebot 

Die Anforderungen eines diversifizierten Leiterplatten-Portfolios (Technologie- und Losgrößenvielfalt) trifft nun auf die Marktrealitäten der Angebotsseite; dies meistens in Form von PCB-Herstellern, deren technische und kommerzielle Kompetenzen hauptsächlich in einem speziellen Leiterplattensegment stark sind. Diese Kompetenzen umfassen z.B. nur niedriglagige starre PCBs oder hochvolumige Losgrößen oder flexible Leiterplatten und niedrige Volumina. Einem weitgefächerten Leiterplatten-Portfolio kann das nicht wirklich gerecht werden.

Natürlich gibt es auch Hersteller die verschiedene Volumina und Technologien bedienen können. Man muss sich jedoch die Frage stellen: Bietet mir diese Universalistenlösung die zuverlässigste und wettbewerbsfähigste Lösung? Wenn Sie glauben, dass die Antwort auf diese Frage für Sie »Nein« lautet, verlangt Ihre Einkaufsstrategie eine Ausrichtung auf »Multiple Sourcing«. Sollten Sie davon überzeugt sein, dass die Antwort auf diese Frage für Sie »Ja« ist, verlangt Ihre Einkaufsstrategie eine Ausrichtung auf »Single Sourcing«. Welche Einkaufsstrategie ist nun die optimale, und was sind deren Stärken und Schwächen?

Einkaufsoptionen

Die Auswahl konzentriert sich hauptsächlich auf vier Hauptoptionen: 

1. Sole Sourcing (Beschaffungsquelle ist ein einziger Lieferant – z.B. wegen einem Patent)

2. Single Sourcing(ein Lieferant ausgewählt aus einem Pool aus möglichen Lieferanten)

3. Dual Sourcing (Beschaffung über zwei Lieferanten)

4. Multiple Sourcing (Beschaffung über mehrere Lieferanten)

Single Sourcing im Vergleich 
zu Multiple Sourcing

Vergleichen wir im ersten Schritt nun die zwei populärsten Einkaufsoptionen mit ihren Vor- und Nachteilen, gefolgt von einem Blick auf generelle Trends im Beschaffungsmanagement. Im Anschluss präsentieren wir einen dritten alternativen Ansatz, der eine zunehmend wichtigere Rolle bei der Beschaffung von Leiterplatten spielt. 

Single Sourcing

Beim Single Sourcing wird nur ein einziger Leiterplattenhersteller gewählt, der das gesamte benötigte Leiterplatten-Portfolio produziert. Es gibt einen Vertrag und ein Kontaktfenster. Dieser Aufbau reduziert deutlich den eigenen Aufwand und die Anzahl des eingesetzten Personals. Das tägliche Management des ausgelagerten Services reduziert sich auf ein Minimum. Über nur ein Kontaktfenster lassen sich kontinuierliche Verbesserungsprogramme sehr effizient abwickeln. Allerdings diversifiziert eine Auslagerung zu nur einem Lieferanten das damit verbundene Risko bei Lieferunfähigkeit nicht. 

Vergleichen wir nun zwei klassische Typen von Leiterplattenherstellern, die für eine Single-Sourcing-Strategie zur Verfügung stehen. Beide weisen jeweils klar ihre speziellen Stärken und Defizite in Bezug auf Single Sourcing auf:

Beschaffung über einen mittelgroßen PCB-Hersteller

Mittelgroße Leiterplattenhersteller (Jahresumsatz 150 Mio. – 250 Mio. USD) verwenden Produktionsanlagen, die darauf optimiert sind, Leiterplatten herzustellen, die der Kernkompetenz der Fabrik entsprechen. Aufgrund der gewählten Single-Sourcing-Strategie muss der Einkäufer jedoch auch die Technologien bestellen, die von dieser Kernkompetenz abweichen. Diese Leiterplatten werden dann auf vorhandenen, für diese Techologien suboptimalen Anlagen gefertigt. Das kann zur Folge haben, dass man unter Umständen technologische und/oder qualitative Kompromisse eingehen muss.

Die Kosten von »Sondertechnologien« von diesem Hersteller sind oft nur bedingt wettbewerbsfähig. Auch besteht die Gefahr, dass man mit längeren Lieferzeiten konfrontiert wird. Durch das Vorhalten nur geringer Mengen an »Sonder-Basismaterialien« muss sich der Kunde auf das Managen dieser Situationen einstellen. Desweiteren kann die Tatsache, dass oft nur eine begrenzte Auswahl an UL-Zulassungen bereitstehen, Projekte in eine ungewollte Warteschleife von drei bis fünf Monaten schicken, bis eine UL-Zulassung für bestimmte Materialien erwirkt ist. Diese möglichen Verzögerungen müssen bei der Planung immer berücksichtigt werden. 

Betrachten wir zum Beispiel einen großen EMS, dessen PCB-Einkaufsvolumen sich typischerweise in der Größenordnung von einer halben Milliarde USD bewegt. Ein holistischer Ansatz im Bereich »Einkauf« wird alle verfügbaren und potenziellen Effizienzsteigerungen berücksichtigen, sowohl im internen organisatorischen Bereich als auch im Bereich Lieferantenselektion und Management. Dass sich diese intelligente und ganzheitliche Einkaufsstrategie lohnt, spiegelt sich im Endresultat wider. Bei unserem Beispiel können Einsparpotentiale im ein- oder zweistelligen Millionenbereich freigesetzt werden. Es lohnt sich also, eine intelligente, ganzheitliche PCB-Einkaufsstrategie zu verfolgen.

Klassifizierung 

Ihres PCB-Einkaufsportfolios 

 

Vor der Festlegung einer Einkaufsstrategie muss zunächst die »DNA« des Einkaufsportfolios klar sein. Ein möglicher Weg: Einteilung der Projekte in zwei oder drei Hauptgruppen, z.B. in Technologie und Volumenbedarfe. Eine weitere hilfreiche Klassifizierung in Geschäftssegmente (Automobil, Industrie etc.) kann ein zusätzliches Strukturelement bilden. Empfohlene Untergruppen: doppelseitige Leiterplatten, Multilayer-Leiterplatten, flexible/Starr-flex-Leiterplatten, Dickkupfer-PCBs, HDI, IMS. In der Volumenkategorie kann nach niedrigen, mittleren und großen Losgrößen sortiert werden. Nach der klaren Klassifizierung des Portfolios stellt sich nun die Frage nach der ganzheitlichen Einkaufsstrategie, deren taktische Umsetzung der Einkaufsabteilung obliegt.

Einkaufsbedarf trifft Marktangebot 

 

Die Anforderungen eines diversifizierten Leiterplatten-Portfolios (Technologie- und Losgrößenvielfalt) trifft nun auf die Marktrealitäten der Angebotsseite; dies meistens in Form von PCB-Herstellern, deren technische und kommerzielle Kompetenzen hauptsächlich in einem speziellen Leiterplattensegment stark sind. Diese Kompetenzen umfassen z.B. nur niedriglagige starre PCBs oder hochvolumige Losgrößen oder flexible Leiterplatten und niedrige Volumina. Einem weitgefächerten Leiterplatten-Portfolio kann das nicht wirklich gerecht werden.

Natürlich gibt es auch Hersteller die verschiedene Volumina und Technologien bedienen können. Man muss sich jedoch die Frage stellen: Bietet mir diese Universalistenlösung die zuverlässigste und wettbewerbsfähigste Lösung? Wenn Sie glauben, dass die Antwort auf diese Frage für Sie »Nein« lautet, verlangt Ihre Einkaufsstrategie eine Ausrichtung auf »Multiple Sourcing«. Sollten Sie davon überzeugt sein, dass die Antwort auf diese Frage für Sie »Ja« ist, verlangt Ihre Einkaufsstrategie eine Ausrichtung auf »Single Sourcing«. Welche Einkaufsstrategie ist nun die optimale, und was sind deren Stärken und Schwächen?

Einkaufsoptionen

 

Die Auswahl konzentriert sich hauptsächlich auf vier Hauptoptionen: 

1. Sole Sourcing (Beschaffungsquelle ist ein einziger Lieferant – z.B. wegen einem Patent)

2. Single Sourcing(ein Lieferant ausgewählt aus einem Pool aus möglichen Lieferanten)

3. Dual Sourcing (Beschaffung über zwei Lieferanten)

4. Multiple Sourcing (Beschaffung über mehrere Lieferanten)

Single Sourcing im Vergleich 

zu Multiple Sourcing

 

Vergleichen wir im ersten Schritt nun die zwei populärsten Einkaufsoptionen mit ihren Vor- und Nachteilen, gefolgt von einem Blick auf generelle Trends im Beschaffungsmanagement. Im Anschluss präsentieren wir einen dritten alternativen Ansatz, der eine zunehmend wichtigere Rolle bei der Beschaffung von Leiterplatten spielt. 

Single Sourcing

 

Beim Single Sourcing wird nur ein einziger Leiterplattenhersteller gewählt, der das gesamte benötigte Leiterplatten-Portfolio produziert. Es gibt einen Vertrag und ein Kontaktfenster. Dieser Aufbau reduziert deutlich den eigenen Aufwand und die Anzahl des eingesetzten Personals. Das tägliche Management des ausgelagerten Services reduziert sich auf ein Minimum. Über nur ein Kontaktfenster lassen sich kontinuierliche Verbesserungsprogramme sehr effizient abwickeln. Allerdings diversifiziert eine Auslagerung zu nur einem Lieferanten das damit verbundene Risko bei Lieferunfähigkeit nicht. 

Vergleichen wir nun zwei klassische Typen von Leiterplattenherstellern, die für eine Single-Sourcing-Strategie zur Verfügung stehen. Beide weisen jeweils klar ihre speziellen Stärken und Defizite in Bezug auf Single Sourcing auf:

Beschaffung über einen mittelgroßen 

PCB-Hersteller

 

Mittelgroße Leiterplattenhersteller (Jahresumsatz 150 Mio. – 250 Mio. USD) verwenden Produktionsanlagen, die darauf optimiert sind, Leiterplatten herzustellen, die der Kernkompetenz der Fabrik entsprechen. Aufgrund der gewählten Single-Sourcing-Strategie muss der Einkäufer jedoch auch die Technologien bestellen, die von dieser Kernkompetenz abweichen. Diese Leiterplatten werden dann auf vorhandenen, für diese Techologien suboptimalen Anlagen gefertigt. Das kann zur Folge haben, dass man unter Umständen technologische und/oder qualitative Kompromisse eingehen muss.

Die Kosten von »Sondertechnologien« von diesem Hersteller sind oft nur bedingt wettbewerbsfähig. Auch besteht die Gefahr, dass man mit längeren Lieferzeiten konfrontiert wird. Durch das Vorhalten nur geringer Mengen an »Sonder-Basismaterialien« muss sich der Kunde auf das Managen dieser Situationen einstellen. Desweiteren kann die Tatsache, dass oft nur eine begrenzte Auswahl an UL-Zulassungen bereitstehen, Projekte in eine ungewollte Warteschleife von drei bis fünf Monaten schicken, bis eine UL-Zulassung für bestimmte Materialien erwirkt ist. Diese möglichen Verzögerungen müssen bei der Planung immer berücksichtigt werden.