Einkauf Lässt sich der Grau-Markt durch Obsolescence Management eindämmen?

»Nur aus qualifizierten Quellen kaufen!« - beherzigt ein Einkäufer diesen Rat, dann ist die Wahrscheinlichkeit zwar hoch, dass die Ware einwandfrei ist, aber eine 100prozentige Garantie ist das auch nicht, zumal einige Hersteller ihre Ware in unterschiedlichen Qualitätsstufen auf den Markt bringen.

Mit seinem Appell, »nur aus qualifizierten Quellen zu kaufen«, trifft Jürgen Richter, Verkaufsleiter Europa von Rochester, den Kern des Problems. Denn weiß ein Einkäufer nicht mehr weiter, dann greift er schon mal auf graue Kanäle zurück. Und das geht nicht selten gründlich schief, wie der Rochester-Experte weiß. Dabei gibt es eine ganz übersichtliche Liste von autorisierten Quellen, auf die Richter in der Markt&Technik Diskussionsrunde zum Thema »Obsolescence-Management« aufmerksam macht: In der Übersicht QSLD Qualified Suppliers List of Distributors sind Hersteller, Zulieferer und Distributoren gelistet, die qualifiziert sind. Broker stehen auf dieser Liste keine. Und das aus gutem Grund, wie Edbil Grote weiß, Geschäftsführer von HTV: »Laut unserer Statistik sind 12 Prozent der Brokerware gefälscht.« Gefeit ist man aber auch bei qualifizierten Lieferanten nicht zu 100 Prozent vor gefälschter oder schlechter Ware, wie Grote weiß: »Wir testen sehr viele Bauteile von Brokern und Distributoren und stellen dabei fest, dass sogar bei namhaften Distributoren bisweilen gefälschte Waren dabei ist.« Absicht sei das natürlich im Fall der Distribution nicht, aber es komme durchaus vor. Dass Distributoren in Allokationsphasen auch mal Ware von Dritten zukaufen, um dem Kunden zu helfen ist laut Aussage von Rainer Maier, Technical Sales Manager Germany von Avnet Memec, durchaus üblich. »Aber das sind dann offizielle Kanäle, beispielsweise eine Schwesterfirma auf einem andern Kontinent«, bekräftigt Maier.  Sollten im Zuge dessen dem Distributor gefälschte Bauteile untergejubelt werden, ist das laut Maier wirklich eine seltene Ausnahme. Kritisch sehen einige Teilnehmer der Runde ein solches Vorgehen allerdings vor dem Hintergrund einer lückenlosen Traceability, die dann nicht mehr gewahrt ist. Aber hier heiligt der Zweck wohl die Mittel, schließlich weiß der Kunde, worauf er sich einlässt. Braucht er die Ware unbedingt, dann ist er schon mal bereit, die Traceability außer Acht zu lassen. Auch der EMS-Dienstleister BMK kauft wenn Not am Mann ist auch mal auf dem freien Markt, aber wie Anke Bartel betont, Kundenteamleiterin der BMK Group, »nur mit Einverständnis des Kunden.« Und auch dann kaufen wir nicht auf dem Spot Markt, sondern haben eine handvoll freier Distributoren auf der Lieferantenliste, mit denen wir zusammenarbeiten und auf die wir in solchen Fällen zurückgreifen.«