EBV Kundenspezifische ICs als Wettbewerbsvorteil für EMS?

Vom neuen EBV-Konzept »EBVChips« werden auch entwicklungsorientierte EMS-Firmen und ODMs (Original Design Manufacturer) profitieren, meint Rudy Van Parijs, Vice President Technical Development bei EBV.

EBV wird künftig unter dem Namen »EBVChips« eigene ICs nach Kundenanforderungen entwickeln. Dass auch entwicklungsorientierte EMS-Firmen und ODMs (Original Design Manufacturer) von diesem Konzept profitieren werden, davon ist Rudy Van Parijs, Vice President Technical Development bei EBV, überzeugt. »Voraussetzung ist aber, dass der EMS über ein seriöses Engineering verfügt«, so Van Parijs. 

Markt&Technik: Sie richten sich mit EBVChip vor allem an kleine und mittelgroße Unternehmen. Damit gehören auch zahlreiche EMS- und ODM-Dienstleister zu Ihrem – potenziellen – Klientel für die auf Kunden zugeschnittenen ICs. Macht es einen Unterschied, ob ein OEM oder ein EMS bzw. ODM zu Ihnen kommt?

Rudy Van Parijs: EMS und ODM sind eine wichtige Zielgruppe für uns. Unsere Strategie für diese Zielgruppe unterscheidet sich aber nicht von der für OEMs. Bei einem EMS und ODM laufen zahlreiche Informationen aus unterschiedlichsten Applikationen und Branchen auf – für die EBVChips sind das sehr interessante Inputs – auch im Hinblick auf neue Märkte und Potenziale.   

Wie stark sind Sie im EMS-Segment generell als Distributor vertreten?

Teils ist es für uns schwer zu unterscheiden, ist ein Kunde ein EMS, ein ODM oder ein OEM mit Inhouse-Fertigung ist. Die Grenzen sind bekanntlich oft fließend. Generell kann man aber sagen, dass EBV in Europa traditionell stark vertreten ist im EMS/ODM-Segment. In manchen Ländern erwirtschaften wir sogar rund 80 Prozent unseres Umsatzes mit EMS-Unternehmen. In den meisten anderen Ländern liegt deren Umsatz bei circa 50 Prozent.

Der klassische europäische EMS hat normalerweise nicht genügend Volumen, um direkt beim Hersteller Gehör zu finden – und oft auch nicht die persönliche Schnittstelle. Welche Vorteile bietet EBVChips hier?

Kundenspezifische ICs könnten für einen EMS bzw. ODM durchaus einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber Mitbewerbern verschaffen. Er hat damit die Möglichkeit sich schon mit dem Design der Applikation Akzente zu setzen – immer vorausgesetzt, er übernimmt auch das Engineering für das Produkt, das er fertigt. Wir können allerdings nicht versprechen, dass wir jede Idee umsetzen, senken aber mit EBVChips das »Einstiegslevel« in die Chipentwicklung, so dass auch kleine oder mittelständischer EMS/ODM ganz ohne finanzielles Risiko daran teilhaben können.

Sie können ihre Inputs und Anforderungen an uns weitergeben, die unser Specification Team mit den Informationen anderer Kunden in Einklang bringen. Voraussetzung, dass wir einen Chip auch wirklich produzieren lassen, ist allerdings normalerweise, dass wir die nötigen Stückzahlen bzw. Quadratmeter für die Produktion eines ICs erreichen. Als Faustregel gilt: Man muss 24 Wafer produzieren, damit sich die Herstellungskosten rechnen. Wie viel ICs dabei herauskommen, hängt von der Größe des ICs ab.

Hat ein EMS mit einem relativ kleinen Volumen von 1000 Stück dann überhaupt eine Chance, bei EBVChips zum Zug zu kommen? 

Warum nicht? Wie gesagt, es kommt auf die kritische Gesamtmasse an. Ob wir 10 Kunden mit 100.000 Stück oder 100 Kunden mit 1000 Stück dabei haben, ist für uns unerheblich. Hinzu kommt, wenn wir von einer Idee und dem Potenzial dieser Idee absolut überzeugt sind, werden wir den Chip auf den Markt bringen, auch wenn die kritische Masse nicht erreicht ist. Wir sehen das als Investition in die Zukunft. An »normalen« Bauteilen haben wir ja auch über 100 Mio. Euro Wert auf Lager, ohne eine feste Abnahmegarantie zu haben.