Einkaufsmanager-Index Kommt die Industrie mit einem blauen Auge davon?

Die deutsche Industrie ist im November erneut geschrumpft. Aber der Einkaufsmanager-Index lässt hoffen.

Der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) kletterte im November auf 44,1 Punkte nach 42,1 im Oktober.

So fielen die Rückgänge bei Produktion, Neuaufträgen und Beschäftigung allesamt milder aus als in den Vormonaten. Zudem fiel der Geschäftsausblick der Hersteller erstmals wieder positiv aus. Des Weiteren zeigen die Daten, dass der Druck auf die Verkaufspreise weiter anhält. Dies liegt vor allem an den kräftig fallenden Einkaufspreisen sowie dem zunehmend erbitterten Wettbewerb um neue Aufträge. Auch wenn das der beste Wert seit Juni ist, notiert der EMI nach wie vor im klar im Minus.

„Die aktuellen EMI-Daten lassen Hoffnungsschimmer  erkennen. So kletterte der deutsche PMI im November immerhin auf ein Fünfmonatshoch“, betonte BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch am Donnerstag in Eschborn. Es bleibe dennoch abzuwarten, ob sich bereits eine Trendwende abzeichne oder die Schwäche des Verarbeitenden Gewerbes anhalte.

„Noch tun sich der EMI und die deutsche Konjunktur schwer. Somit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank Christine Lagarde als eine ihrer ersten Amtshandlungen die Zinsen noch ein bisschen weiter in den Negativbereich senken wird“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, am Donnerstag auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Dies sollte es dann aber gewesen sein, da die negativen Effekte dieser Geldpolitik immer offensichtlicher würden und die EZB in ihrer Rolle auf Aufsichtsinstitution vermehrt auf diesen Sachverhalt hinweise. „Nicht die Geldpolitik, sondern die Handelspolitik von Trump und Xi bzw. ein Waffenstillstand im Handelskrieg sollten hingegen der Grund für eine sukzessive Stabilisierung der Weltkonjunktur im kommenden Jahr sein“, fügte die Helaba-Bankdirektorin hinzu.

„Gesamtwirtschaftlich sind wir wohl doch einer technischen Rezession knapp entkommen, vor allem dank eines zunehmenden Konsums der privaten Haushalte und der öffentlichen Hand. Aber dies bedeutet keine Entwarnung, denn wie die Zahlen zeigen, geht es im Industriesektor weiterhin äußerst zäh zu“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Donnerstag dem BME.

„Die zweite Verbesserung in Folge ist ein Hoffnungszeichen für die deutsche Industrie. Auch wenn die Geschäftsaussichten der Industrieunternehmen zum ersten Mal seit fünf Monaten leicht positiv sind, bleibt die Situation insgesamt jedoch weiterhin angespannt“, teilte Katharina Huhn, Leiterin des Referats Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen im DIHK, am Donnerstag dem BME mit. Ein Ende der außenwirtschaftlichen Herausforderungen sei derzeit nicht in Sicht. Das drücke auf die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft. Der Wettbewerb um neue Aufträge bleibe hart und die Produktion hierzulande sinke aufgrund der rückläufigen Auftragslage. So viele deutsche Unternehmen wie noch nie seit der letzten Wirtschafts- und Finanzkrise nennen in der aktuellen DIHK-Umfrage die schleppende Auslandsnachfrage als Risiko für die künftige Geschäftsentwicklung. „Angesichts der strukturellen Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft müssen wir intensiv an nachhaltigen Verbesserungen unseres Standortes arbeiten. Hier müssen Prioritäten gesetzt werden. Ein wichtiges Signal wäre eine international wettbewerbsfähige Unternehmenssteuerbelastung von nicht mehr als 25 Prozent“, betonte die DIHK-Konjunkturexpertin in ihrem Statement für den BME.

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, am Donnerstag dem BME: „Trotz erster Anzeichen einer konjunkturellen Erholung nach dem Jahreswechsel sind die Rohstoffpreise noch im Keller. Allerdings gibt es auch Indikationen für Veränderungen nach oben, selbst im Stahlsektor. So zogen die deutschen Stahlschrottnotierungen infolge knapper Verfügbarkeit schon im November 2019 um rund zehn Prozent an. Im nordamerikanischen Markt erhöhten sich zu Beginn des abgelaufenen Monats die Preise für Walzstahl; der chinesische Inlandsmarkt folgte in den nächsten Novemberwochen. Dies könnte auch Signale auf das europäische Preisniveau haben. Eine nachhaltige Erholung sehen wir aber erst im Verlauf des ersten Quartals 2020.“