Industrieller 3D-Druck mit Kunststoffen »Keine falsche Scheu vor der Technologie!«

In der Serie angekommen

In den letzten ein bis zwei Jahren hat der polymerbasierte 3D-Druck nach den Worten der beiden Experten eine gute Entwicklung hingelegt und ist in der Serie angekommen. Während von OEMs vor 5 oder 6 Jahren Mengen von 10 bis 25 Teilen bei den Dienstleistern angefragt wurden, sind des heute 1000 bis 10.000 Stück und OEMs arbeiten inzwischen auf Basis von Rahmenverträgen mit Dienstleistern zusammen. Momentan können Bauteile bis zu knapp einem Meter Länge in EOS-Systemen zum 3D-Polymerdruck produziert werden. Das sind laut EOS deutlich über 90 Prozent der derzeit für AM in Frage kommenden Teile. »Wenn wir viel größer werden, dann nimmt die Kühlzeit zu. Das widerspräche aber dem Gedanken der schnellen Verfügbarkeit von 3D-gedruckten Bauteilen«, gibt Stöver zu bedenken. Eine Möglichkeit, um auch größere Einheiten fertigen zu können, sind faltbare Strukturen.

»Wir haben viele Kunden an die Technologie herangeführt, die sich jetzt mit ihren Anwendungen in der Qualifikationsphase befinden«, berichtet Kügler. »Wir merken auch an den Anfragen, dass die Anforderungen z.B. von den Automobilherstellern steigen, aber wir wachsen da natürlich gerne mit«, ergänzt Stöver. »Wir werden mit deutlich mehr Fragen konfrontiert als in der Anfangszeit, aber wenn man es einmal geschafft hat, sich im Automobilbereich mit einer Lösung zu qualifizieren, kann man das erarbeitete Wissen natürlich auch für andere Projekte nutzen.«

Ausblick: EOS P 500 für Automation und Integration

Die Anforderungen der Kunden werden natürlich auch durch neue Maschinenentwicklungen adressiert. So ist die neue EOS P 500 ganz klar auf die industrielle Serienproduktion von Kunststoffteilen ausgerichtet. Das Großserienmodell soll im nächsten Jahr mit neuen Features auf den Markt kommen. Das System bietet höchste Effizienz zur Erreichung niedrigster Teilekosten und kann Polymerwerkstoffe bei Betriebstemperaturen von bis zu 300 °C verarbeiten. Hardwareseitig ist das System zum Beispiel mit einer Kamera und thermischer Sensorik zum Prozess-Monitoring ausgestattet.

Interessant sind auch die softwareseitigen Ergänzungen: »Hier wollen wir Lösungen bieten, um die Maschine digital mit einem Leitstand verbinden zu können und den Themen Automatisierung und Industrie 4.0 Rechnung zu tragen. Dazu haben wir die EOS P 500 unter anderem mit einer OPC-UA-Schnittstelle ausgestattet und setzen auf die Integration von Lösungen wie Siemens NX und Mindsphere. Wir haben die Hoheit über unsere Steuerungen, aber was die Kommunikation beziehungsweise den Datenaustausch mit anderen Produktionsebenen beim Kunden anbelangt, sind wir sehr offen«, schildert Stöver. Momentan ist die EOS P 500 in der finalen Testphase bei Pilotkunden. Kommerziell verfügbar sein beziehungsweise ausgeliefert wird sie Mitte 2019.

Studenten für 3D-Druck begeistern

Die Aufmerksamkeit, die die Industrie für den 3D-Druck hegt, wird auch durch den Maker-Kult und den Einsatz im Unibetrieb befeuert, den EOS mit dem Academia-Programm bereits seit über zwanzig Jahren fördert. Einrichtungen aus Forschung und Lehre können dabei die EOS-Systeme zu Sonderkonditionen erwerben. Weltweit werden bereits über 300 EOS-Systeme an Universitäten und Forschungseinrichtungen eingesetzt – beispielsweise an der Technischen Universität München, der Universität Wolverhampton (UK), der California Polytechnic State University (San Luis Obispo, USA) oder der Incheon PolyTech (Seoul, Südkorea).