IHS iSuppli prognostiziert Kaum Wachstum für die weltweite Auftragsfertigung

Wenn es nach den Analysten von IHS iSuppli geht, wird der weltweite Markt für die Auftragsfertigung in diesem Jahr stagnieren bzw. sogar leicht schrumpfen.

Als Gründe nennen die Auguren die wirtschaftlichen Unsicherheiten in Europa und den USA. Insgesamt rechnen sie mit einem Volumen von 357 Milliarden Dollar, das wäre ein Prozent weniger als im Jahr 2011, das laut den Erhebungen von IHS mit 360 Milliarden Dollar abschloss.

IHS iSuppli unterteilt die Auftragsfertigung in Electronics Manufacturing Services (EMS und Origianl Design Manufacturing (ODM). Die Umsätzerwartungen im EMS-Sektor beziffert IHS isuppli mit 207,5 Milliarden Dollar. Das wären 0,3 Prozent weniger als 2011. Der ODM Sektor lässt stärker Federn und schrumpft um 2,3 Prozent auf 150 Milliarden Dollar. Bereits 2011 musste der ODM Sektor laut IHS iSuppli Einbußen von 1,7 Prozent hinnehmen. Nach Ansicht von Thomas Dinges, Senior Principal Analyst for EMS and ODM von IHS. Hängen die Auftragsfertiger – EMS und ODM – am Tropf der europäischen Wirtschaft. Sollte Europa sich flächendeckend in eine Rezession manövrieren, würde sich das auch auf das wieder zart sprießende Pflänzchen der USA-Konjunktur auswirken. »Die Auftragsfertiger sind dem ausgeliefert und können so gut wie nichts entgegensetzen, sondern nur hoffen, dass ihre Fertigungsprojekte stabil laufen«, gibt der Analyst zu bedenken.  Zwar sei eine Rezession nicht unbedingt wahrscheinlich, aber dennoch geht IHS isuppli davon aus, dass die Konjunktur in diesem Jahr lahmen wird.

Der wirtschaftliche Hoffnungsträger ist laut IHS vor allem China als mittlerweile größter Consumer-Markt der Welt. Die Wirtschaft und das Konsumverhalten florieren nicht zuletzt deshalb, weil die Löhne der Arbeiter in den letzten Jahren um ca. 15 Prozent (jährlich) zulegten. Ein Fertigungsarbeiter verdiente 2011 immerhin 2,19 Dollar pro Stunde. Dass andere Länder in Südostasien China so schnell den Rang als Fertigungsland Nummer 1 ablaufen könnten, wie derzeit oft behauptet wird, glaubt Dinges nicht: Es mangele in den meisten Fällen noch an der Infrastruktur: Strom, Wasser und den Logistikwegen.  

Darüber hinaus werden die EMS- und ODM-Kunden künftig genauer auf die Bilanzen und in die Bücher ihrer Auftragsfertiger schauen, um nicht wie im Fall von Elcoteq von der Pleite ihres Fertigungsdienstleisters überrascht zu werden. Auch mit ethischen Aspekten werden sich die Fertigungsriesen künftig mehr auseinandersetzen müssen: Die fragwürdigen Arbeitsbedingungen bei Foxconn haben zumindest dafür gesorgt, dass Apple jetzt unabhängige Beobachter zur Überwachung der Lieferkette einsetzen will.

Was bedeuten die IHS-iSuppli-Zahlen für den deutschen EMS-Markt? Ein Kommentar.