Interview Kabelbaum-Produktion im Wandel?

Teil 2, Kabelbaum-Produktion im Wandel?

Ihr Geschäft wird sich langfristig gesehen sicherlich stark wandeln.
Martin Stier: Langfristig, also auf einer Zeitachse größer als zehn Jahre, wird es eine große Rolle spielen, ob sich die Mobilität an sich, auch getrieben durch gesellschaftliche Einflüsse, verändert. Sollten beispielsweise autonom fahrende „Pods“ einen größeren Anteil der Mobilität abdecken und diese wenig individualisiert von großen Flottenbetreibern als Shared-Mobility-Model Einsatz finden, kann die Komplexität der heutigen Fahrzeuge und damit auch die Komplexität der Bordnetze drastisch abnehmen. Durch hohe Produktionsvolumen lohnt eine Automatisierung, gegebenenfalls sogar eine Integration von Komponenten wie Bus-Systeme und somit ein Entfall vieler traditioneller Leitungswege. Dennoch wird es mittelfristig immer auch das kundenspezifische, vermutlich im Premium-Segment angesiedelte Fahrzeug geben, welches durch geringe Stückzahlen eher traditionell vernetzt sein wird. Wir bei Schleuniger begleiten die Hersteller beider Bordnetzvarianten mit unseren datentechnisch vernetzten Halbautomaten, aber zukünftig auch mit automatisierten Fertigungszellen.

Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen und natürlich auch Chancen im Bereich der Kabelbaum-Produktion?
Eine große Herausforderung ist sicherlich im Bereich der anlaufenden Mobilitätskonzepte wie zum Beispiel batterieelektrische Fahrzeuge zu finden. Diese werden heute noch in geringer Stückzahl produziert, aufgrund Sicherheits- und Digitalisierungsanforderungen wird aber gleichzeitig gefordert, dass sie hochautomatisiert hergestellt werden. Hersteller sind also gefordert, hochkomplexe Produkte in niedrigen Volumen wirtschaftlich zu automatisieren. Gleichermaßen kommen mit dem autonomen Fahren und auch mit der zukünftig breit eingesetzten Hochvolttechnologie neue Anforderungen bezüglich Sicherheit und Rückverfolgbarkeit auf uns zu. Die Digitalisierung der Produktion, Stichwort Track & Trace, rückt in den Vordergrund. Dies bedingt eine durchgängige Vernetzung der Fertigungssysteme, welche über alle heutigen Fertigungsschritte hinweggehen wird. Gegebenenfalls wird die Anforderung einer durchgängigen Vernetzung in Zukunft auch die Phasen der Bordnetz-Entwicklung, Bordnetz-Fertigung und des OEM-Verbaus tangieren.

Die Fragen stellte Corinna Puhlmann-Hespen.

Schleuniger, Halle A5 Stand 371