EMI Industrieproduktion im Juli dramatisch eingebrochen

Der kräftige Rückgang bei den Auftragseingängen, insbesondere im Exportgeschäft, hat das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland im Juli so stark schrumpfen lassen wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Das zeigen die aktuellen Umfrage-Ergebnisse zum IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI). Mit 43,2 Punkten nach 45,0 im Juni rutschte der PMI aktuell noch tiefer in den roten Bereich. Gleichzeitig liegt der wichtige Frühindikator für die Industrieproduktion der größten Volkswirtschaft Europas bereits den siebenten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50,0 Punkten, teilte der englische Finanzdienstleister IHS Markit in London mit.

„Die Lage der deutschen Wirtschaft verschlechtert sich zusehends. Das belegen die aktuellen PMI-Daten“, sagte Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) am Dienstag in Eschborn. Es sei zu hoffen, dass der weiter solide wachsende Servicesektor die anhaltende Talfahrt der Industrie, wenn nicht aufhalten, so zumindest bremsen könne.

„Die Abwärtsbewegung der deutschen Industrie hat sich laut EMI im Juli fortgesetzt. Es ist zu vermuten, dass neben strukturellen Themen insbesondere der Handelsstreit zwischen den USA und China auch in Deutschland seine Spuren hinterlässt“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, am Dienstag auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Sollte sich dieser weiter fortsetzen, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die rezessiven Tendenzen in der Industrie verstärkt werden. „Trump hat uns somit in der Hand“, teilte die Helaba-Bankdirektorin dem BME abschließend mit.

„Deutschland treffen gerade die Kollateralschäden der globalen Handelsstreitigkeiten mit voller Wucht. Obwohl Europa nicht im Mittelpunkt dieser Streitigkeiten steht, leidet die deutsche Industrie am globalen Fallout“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Dienstag dem BME. Weltweit führen Unternehmen ihre Investitionspläne herunter, und das bekomme die deutsche Industrie massiv zu spüren. Die deutsche Volkswirtschaft sei sehr exportabhängig mit einem Schwerpunkt auf Investitionsgütern sowie einem starken Fokus auf die USA und China.

„Das außenwirtschaftliche Umfeld wird rauer für die deutschen Unternehmen. Immer mehr Handelshemmnisse, der Brexit oder Sanktionen erhöhen die Unsicherheiten für hiesige Betriebe“, teilte DIHK-Außenwirtschaftsexperte Kevin Heidenreich am Dienstag dem BME mit. Die Exporterwartungen seien so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das habe auch negative Auswirkungen auf die Investitions- und Beschäftigungsabsichten der Unternehmen. Ein Ende der außenwirtschaftlichen Herausforderungen sei derzeit nicht in Sicht. Das drücke auf die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft. Heidenreich weiter: „Die Betriebe benötigen deshalb hierzulande Rückenwind für mehr Investitionen und Innovationen: Dazu gehören Entlastungen bei Bürokratie, ein schnellerer Ausbau bei der Verkehrs- und IT-Infrastruktur und eine Unternehmenssteuerreform.“