EMI für Mai Industrieproduktion dümpelt weiter vor sich hin

Immer wieder aufflackernde Handelskonflikte, die ungelöste Brexit-Frage und die weiter schwächelnde Automobilbranche haben der deutschen Industrieproduktion auch im Mai weiter zugesetzt.

Das zeigen die aktuellen Umfrage-Ergebnisse zum IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI). Mit 44,3 Punkten notierte der wichtige Frühindikator für das Verarbeitende Gewerbe der größten Volkswirtschaft Europas im Berichtsmonat nur hauchdünn unter dem April-Wert (44,4) und verharrte damit auf einem der tiefsten Stände seit Mitte 2012. Gleichzeitig liegt der PMI bereits den fünften Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50,0 Punkten, teilte der englische Finanzdienstleister IHS Markit mit.

„Auf den ersten Blick zeichnen die aktuellen EMI-Daten nach wie vor ein eher negatives Bild des deutschen Industriesektors. Allerdings mehren sich die Anzeichen für eine gewisse Stabilisierung des Verarbeitenden Gewerbes“, betonte Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) am Mittwoch in Eschborn. So gebe es Lichtblicke bei den EMI-Teilindizes Industrieproduktion und Auftragseingang. „Erfreulich für unsere Einkäufer ist zudem, dass die Beschaffungspreise im Mai dank rückläufiger Industrierohstoffpreise leicht gesunken sind“, fügte Grobosch hinzu.

„Nach mehr als einem Jahr der Abwärtsbewegung zeigen sich laut EMI gewisse Stabilisierungstendenzen. Allerdings braucht es dazu noch etwas Phantasie“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, am Mittwoch auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Belastend würden sicherlich zuletzt die Zuspitzung im Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie neue Handelsrestriktionen der USA gegenüber Mexiko. Sollte Donald Trump keine Zugeständnisse an China machen beziehungsweise den Protektionismus noch deutlich ausweiten, besteht die Gefahr, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession laufe. „Wir haben jüngst die Wahrscheinlichkeit dieses negativen Alternativszenarios von 20 auf 30 Prozent erhöht und entsprechend das Basisszenario eines sukzessiven Aufschwungs im Laufe des Jahres von 70 auf 60 Prozent reduziert. Zehn Prozent bleibt weiterhin für das Positivszenario. Die Zeiten scheinen schwerer zu werden. Donald Trump hat es in der Hand – zum Guten und zum Bösen“, teilte die Helaba-Bankdirektorin dem BME abschließend mit.

„Die deutsche Konjunktur steht unter Druck. Vor allem das Auslandsgeschäft sorgt für Unsicherheit bei den hiesigen Unternehmen“, teilte DIHK-Außenwirtschaftsexperte Kevin Heidenreich am Mittwoch dem BME mit. Eine langsamere Weltwirtschaft, der Handelsstreit zwischen den USA und China aber auch der Brexit sorgten für geringere Exporterwartungen in der deutschen Industrie. Die Unternehmen stünden international also vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Daher sei es umso wichtiger, dass die deutsche  Wirtschaft hierzulande Rückenwind erhalte. Dazu gehörten Entlastungen bei Bürokratie, ein schnellerer Ausbau bei Verkehrs- und IT-Infrastruktur und eine Unternehmenssteuerreform für mehr Innovationen und Investitionen.

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, am Mittwoch dem BME: „Der sich verschärfende Handelskrieg zwischen den USA und China sowie Mexiko sorgte zuletzt für fallende Rohstoffpreise. Angesichts der Sanktionen gegen den Iran sowie der extrem gesunkenen Produktion in Venezuela ist vor allem der Rückgang der Rohölpreise kräftig überzeichnet.“ Daher erwarte die IKB eine Preiskorrektur bei Rohöl in Richtung 70 US-Dollar je Barrel Brent. Eine weitere Eskalation des Handelskrieges – China habe beispielsweise Exportreduktionen von Seltenen Erden als mögliche Gegenmaßnahme  genannt – könnte den Preisdruck auf Basismetalle zusätzlich verstärken. „Geringere Exporte Seltener Erden würden eine ganze Reihe europäischer Verarbeiter stark negativ tangieren. Zudem schwebt über den Rohstoffnotierungen immer noch das Damoklesschwert von Zöllen auf europäische und japanische Autobauer“, so Büchner abschließend.