Kommentar Industrie 4.0 - endlich ist auch die Politik aufgewacht

Intelligente Objekte, intelligente Maschinen, intelligente Fabriken: Mit diesem Rezept soll die Industrie 4.0 eine neue industrielle Revolution einleiten und dafür sorgen, dass auch in 20 Jahren noch im Hochlohnland Deutschland Elektronik und Industriegüter produziert werden. Tollkühne Idee oder realistisches Ziel?

Ganz neu ist der Gedanke der Industrie 4.0 nicht: Schon vor 20 Jahren startete die Industrie mit dem Computer-integrated-Manufacturing (CIM) ähnliche Versuche. Damals scheiterte CIM daran, dass die Daten-Systeme sowie die Sensorik und Aktuatorik und die Funktechnik für die Übermittlung an die Maschinen noch nicht vorhanden oder leistungsfähig genug waren. Wahrscheinlich waren auch die Unternehmen der Lieferkette einfach noch nicht bereit dazu, einen Teil ihrer Kontrolle an Maschinen und Anlagen abzugeben.

Zugegeben, die Magie der Maschinen, die sich mit Hilfe von Cyber-physischen-Systemen selber kontrollieren und organisieren, hat schon auch etwas Befremdliches und Unwirkliches an sich. Man denke an Charlie Chaplins berühmtes Film-Epos »Moderne Zeiten«.

Aber allen Bedenken zum Trotz: Die deutsche Industrie braucht einen solchen Aufbruch wie die Industrie 4.0, um auch künftig gegen die Konkurrenz aus Osteuropa und Fernost bestehen zu können. Im Fall der Solarindustrie ist das bekanntlich erst mal gründlich misslungen.

Insofern ist es erfreulich, dass - anders als vor 20 Jahren - die Politik endlich aufgewacht ist und die Initiative Industrie 4.0 mit Milliarden-Beträgen fördert. Einfach wird es trotzdem nicht, die Vision von der vernetzten und voll automatisierten Produktion bis 2020 die Tat umzusetzen. Aber wenn nicht jetzt, wann dann?

Ihre Karin Zühlke