Neue Arbeitsgemeinschaft im VDMA IMAT bringt Transparenz in die EU-Bewertungsverfahren

Innerhalb des VDMA hat sich jetzt die Arbeitsgemeinschaft »Innovative Materialien für nachhaltige High-Tech-Elektronik, Photonik und andere relevante Industriebereiche« (IMAT) gebildet.

Indiumphosphid hatte das RISC Assessment Committee (RAC) im Auftrag der ECHA bereits als gesundheitsschädlich klassifiziert, was schon genügt, dass viele große Unternehmen diese Substanz nicht mehr von ihren Zulieferern akzeptieren. Allerdings lief das Bewertungsverfahren nach wissenschaftlich zweifelhaften Kriterien ab.

Daraufhin wurde die Industrie bei den EU-Gremien vorstellig, um dafür zu sorgen, dass im Falle von GaAs und anderen III-V-Halbleitern künftig alle zugänglichen Informationen in das Bewertungsverfahren Eingang finden und eine wissenschaftliche Diskussion stattfinden kann. Die Eingaben haben dazu geführt, dass die EU-Kommission das RAC aufgefordert hat, das angewandte Verfahren zu überprüfen.

Ausgehend von diesem Erfolg, hat sich nun im VDMA die Arbeitsgemeinsacht IFAT gebildet, die die zuständigen Behörden nicht nur im Falle der III-V-Halbleiter, sondern im Falle aller wichtigen Materialien mit diesen Informationen versorgt, sobald das Klassifizierungsverfahren läuft. »Das Beispiel GaAs hat gezeigt, dass man durchaus innerhalb der EU etwas bewegen kann, wenn man sich engagiert«, sagt Dr. Darius Soßdorf vom VDMA.

Die IMAT hat sich darüber hinaus vorgenommen, den betroffenen Unternehmen aufzuzeigen, was alles auf sie zukommt, wenn Substanzen klassifiziert werden, die für sie wichtig sind. So sei laut Soßdorf diesen Unternehmen oft gar nicht bewusst, wie existenziell sie davon abhängig sind, dass sie Zugang zu den entsprechenden Halbleitermaterialien erhalten. Deshalb komme es darauf an, dass die zuständigen Behörden sorgfältig und nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen prüfen, wie eine Substanz einzuordnen ist und welche Maßnahmen sich draus ergeben. »Wenn eine Substanz gesundheitsgefährdend ist, darf sie mit Menschen nicht in Berührung kommen. Die Methode, dies festzustellen, muss aber transparent und wissenschaftlich einwandfrei sein«, sagt Soßdorf.

In der IMAT können sich Hersteller von Materialien genauso wie die Anwender der Materialien engagieren, also Chiphersteller, die Hersteller von elektrischen Subsystemen bis hin zu den Endanwendern. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Azur Space Solar Power, Freiberger Compound Materials, Osram, Trumpf, United Monolithic Semiconductor und Vishay. Die Fraunhofergesellschaft ISE in Freiburg hat sich ebenfalls bereits angeschlossen. Dr. Soßdorf rechnet damit, dass weitere Firmen in der Arbeitsgemeinschaft mitarbeiten werden, sobald sie die Brisanz der Klassifikationsverfahren erkannt haben.